Solche Bilder sind erst mal Vergangenheit: Hannah Finke (im weißen Trikot) legt erst einmal ejne Basketball-Pause ein. Fotos: privat
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Solche Bilder sind erst mal Vergangenheit: Hannah Finke (im weißen Trikot) legt erst einmal eine Basketball-Pause ein.

Basketball

Penzbergerin Hannah Finke: 25, zweite Liga, ausgebrannt

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Sie ist 25 Jahre alt, spielt erfolgreich in der zweiten Basketball-Bundesliga - und drückt jetzt den Pausenknopf: Die Penzbergerin Hannah Finke braucht eine Auszeit vom Leistungssport. Obwohl sie im besten Alter ist.

Penzberg/Mainz – Im Fußball wäre eine Geschichte, wie Hannah Finke sie erlebt, nicht vorstellbar. Eine Zweitliga-Karriere aufgeben für einen Job im Sozialbereich, der Kraft und Zeit stiehlt? Dann willkommen in der Welt des Frauenbasketballs, die mit Profisport so viel zu hat wie Fußball in der Landesliga.

Gut bezahlt ist hier niemand. Wenn jemand überhaupt Geld für seine Dienste erhält, dann Importspielerinnen, die im Basketball entweder aus Amerika oder dem europäischen Osten kommen – um das gleich vorneweg zu schicken. Hannah Finke war also Zweitliga-Basketballerin in einer Sparte, die um Publikum, Sponsoren und Wahrnehmung ringt. Für sie waren die Jahre in Mainz und Bad Homburg Hobby auf richtig gutem Niveau. Und sie hat sich auch prächtig entwickelt. Sieben Punkte im Schnitt gelangen ihr in der erfolgreichsten Saison. Für eine, die ihr Leben nicht nach Basketball ausgerichtet und nebenher studiert hat, ist das ein ziemlich seltener wie außergewöhnlicher Werdegang.

Zu ehrgeizig für die Regionalliga

Aber nun ist Hannah Finke ausgestiegen. Mit 25, eigentlich im besten Alter, hat die Penzbergerin in ihrer Basketball-Karriere die Pausetaste gedrückt. Aus dem Kader des ASC Mainz auf der offiziellen Verbandsseite hat man sie schon gestrichen. Einige im Verein haben versucht, sie doch wenigstens für ein paar Einsätze in der Reserve – immerhin Regionalliga – zu begeistern. Aber Hannah Finke betont: „Ich bin noch an dem Punkt, an dem ich zu ehrgeizig dafür bin.“ Entweder Zweite Bundesliga oder gar nichts. Später könne sie das immer noch ausprobieren. Am liebsten mit ihrer Schwester Leonie, die in Hamburg in der Regionalliga aufläuft, und am allerliebsten im Süden, in Penzberg oder der Umgebung. „Der Wunsch, mit Leni zu spielen, ist groß“, sagt die Flügelspielerin. Sie hat ihre Schwester besucht, ihr bei einer Partie zugesehen und gespürt, „da kribbelt es noch in den Fingern“. Die Leni müsse mal den ersten Schritt machen und zurück nach Bayern ziehen, scherzt sie. Damit das auch was wird mit dem Basketball-Duett der zwei Finke-Schwestern.

Hannah Finke lebt seit sieben Jahren in Mainz. Sie hat dort Familie, einen Freund, mit dem sie zusammen wohnt, und auch einen Job, der sie fordert. Sie unterstützt fünf Familien aus weniger stabilen Verhältnissen im Alltag. Wenigstens ist sie bei all dem Stress, der sie zur Pause bewegt hat, die Dienste am Wochenende losgeworden. An Wochentagen kam sie ohnehin „nie vor 22 Uhr heim“. Von der Arbeit fuhr sie direkt in die Halle. „Das war echt viel Stress. Der Leistungsdruck hat den Spaß geraubt.“

Erwartungen sprießen wie Gänseblümchen

Egal, wie wenig Geld im Frauen-Basketball fließt: Sobald es um Euro geht, sprießen Erwartungen wie Gänseblümchen. Nicht alle Importspielerinnen halfen den jungen Deutschen, sondern bedachten sie mit Blicken, die Langeweile suggerierten. „Ich bin eigentlich ganz froh, dass ich aussetzen kann und das Drama nicht so mitbekomme.“ Corona hat für verschobene Spielpläne gesorgt. Trainieren dürfen nur die Profisportler. Den Trainer hat der ASC auch schon gewechselt, Spielerinnen gefeuert. Es war wirklich viel los in Mainz.

Aber Hannah Finke hat auch gemerkt, wie sehr ihr der Teamzusammenhalt abgeht. Wie die Mitspielerinnen fehlen, die man öfters sieht als seine Freunde. „Ich verfolge es und ich vermisse es.“ Im nächsten Jahr steigt sie wieder ein – mit einer Fußnote versehen: Wenn alles glatt läuft. Die Mainzer wird’s freuen. Finke, in der Regel um die 20 Minuten auf dem Feld, gilt als Edelverteidigerin, auch wenn der Job undankbar ist, „weil man’s nicht in der Statistik liest“.

Wie gut sie sich anstellt, zeigt auch der Entschluss der Coaches in der Vorsaison, sie mit nur 1,74 Metern Körpergröße plötzlich auch unter dem Korb verteidigen zu lassen. Das habe ihr „viel Kraft und Spaß“ geraubt, weil sie doch eigentlich eine Basketballerin ist, die von ihrem Tempo lebt. Ihr Ballhandling hat sich gewaltig verbessert, genauso ihre Übersicht, und auch ein paar Tricks hat sie sich angeeignet. Nun hat sie mehr als ein Jahr Zeit, um das wichtigste zu generieren: Kraft. Denn mit 25 ist es für ein Karriereende noch viel zu früh.

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