1 von 5
Völlig losgelöst: Iris Schmidbauer bei einem Sprung bei der „Red Bull“-Serie in Irland. Die Pählerin belegte dort im Mai den vierten Platz.
2 von 5
Höhenangst ist verboten: Iris Schmidbauer bei einem Trainingssprung im Schwimmstadion in Zhaoqing, in dem der jüngste World-Cup stattfand.
3 von 5
Flugshow: Iris Schmidbauer beim World-Cup in China.
4 von 5
Iris Schmidbauer beim „Red Bull“-Wettbewerb im Hafen von Dún Laoghaire.
5 von 5
Iris Schmidbauer (24), Klippenspringerin aus Pähl.

High Diving

Extremsport „High Diving“: Iris Schmidbauer dran an der Weltspitze

  • schließen

Bei ihren Wettkämpfen springt sie abwärts, und dennoch geht es für Iris Schmidbauer steil bergauf: Die Klippenspringerin aus Pähl hat sich an die Weltspitze herangeschoben.

Pähl – Iris Schmidbauer hatte sich zwischendurch schon die Sinnfrage gestellt. Im vergangenen Jahr, gibt die Klippenspringerin aus Pähl zu, „war ich ein bisschen verzweifelt“. Die Leistungen stagnierten, es ging nicht recht nach vorn. Doch die 24-Jährige ließ sich nicht entmutigen. „Training hilft“, so lautet Schmidbauers Credo. Die harte Arbeit zahlt sich nun aus: „Langsam komme ich da hin, wo ich sein möchte.“

In den Ergebnislisten ging es für die Sportlerin, die in Plymouth ihren Bachelor-Abschluss in Sporttherapie mittlerweile mit Auszeichnung absolviert hat, schon steil nach oben. Sowohl beim „Red Bull Cliff Diving“-Wettkampf in Dublin als auch jüngst beim FINA-World-Cup in Zhaoqing schrammte sie als Vierte (Irland) und als Fünfte (China) nur knapp am Podest vorbei. In beiden Wettkämpfen stellte Schmidbauer überdies persönliche Bestleistungen auf. Und beide Springen stellten für die Pählerin eine besondere Herausforderung dar.

Iris Schmidbauer: Schon wieder eine persönliche Bestleistung 

In Dublin ging das Springen im Hafen von Dún Laoghaire über die Bühne. Die Wassertemperatur betrug nur knapp über zehn Grad. Schmidbauer trotzte den Widrigkeiten und kam auf 275,60 Punkte; mehr hatte sie bis dato noch nie erreicht. Zum dritten Platz fehlten ihr nur fünf Zähler. Ärgerlich für Schmidbauer, die mit einer Wildcard teilnahm: Der Wettkampf, so wurde kurzfristig entschieden, fließt nicht in die „Red Bull“-Gesamtwertung ein.

Zwei Wochen später in China bereiteten die feuchte Hitze im Süden Chinas (Zhaoqing liegt in der Nähe von Hongkong) und das ungewohnte Essen („das war nicht so meins“) einige Schwierigkeiten. Darüber hinaus spulte sie ein wahres Mammutprogramm ab. Unmittelbar vor dem World-Cup des Weltschwimmverbandes FINA war eine Art Trainingslager angeboten worden. Inklusive des Wettkampfs absolvierte die Pählerin letztlich 25 Sprünge binnen sieben Tagen. Jeder Sprung aus 20 Metern Höhe ist mental und körperlich anstrengend. Die Eintauchgeschwindigkeit beträgt gute 70 km/h. „Man muss sich im Training gut überlegen, wie viele Sprünge man macht. Ich absolviere maximal vier High-Dives am Tag“, sagt Schmidbauer. Das Eintauchen „beschreiben viele als Schockwelle, die durch den Körper läuft“. Ist der Eintauchwinkel nicht optimal, dann ergeben sich leicht Prellungen. Der Nacken und die untere Rückenpartie seien bei ihr neuralgische Punkte, so Schmidbauer.

Iris Schmidbauer: Mammutprogramm beim World-Cup in Zhaoqing  

Die vielen Sprünge steckte die 24-Jährige, die als einzige Deutsche angetreten war, aber gut weg. Am ersten Tag zeigte sie den Auerbach-Doppelsalto mit ganzer Schraube als Pflichtsprung und den Delfin-Dreifach-Salto mit halber Schraube als Kürsprung. Bei letzterem war Schmidbauer über ihre Note (79,80) positiv überrascht: „Ich hatte das Gefühl, ich habe den Absprung etwas verpasst.“ Am Tag darauf zeigte sie zwei Sprünge, „die mir mehr liegen“. Zunächst demonstrierte sie in der Pflicht den Vorwärts-Doppelsalto mit halber Schraube. In der Kür präsentierte die WM-Zehnte von 2017 den Dreifach-Salto rückwärts mit ganzer Schraube. Dafür bekam sie von den Wertungsrichtern im Schnitt eine 8,0 und erstmals als Höchstnote eine 8,5. Als Fünfte war Schmidbauer die beste Europäerin unter 15 Starterinnen, der dritte Rang war 9,4 Punkte entfernt. „Das Podium rückt in greifbare Nähe“, sagt Schmidbauer. Wirklich zufrieden, lässt sie durchblicken, ist sie aber erst, wenn sie ganz oben steht.

An der Uni in Plymouth arbeitet sie per Fernstudium an ihrer Doktorarbeit (Thema: „Verletzungen, Rehabilitation und Prävention beim High Diving“), fürs Training hält sich die Pählern aber seit mehreren Monaten vornehmlich in Dresden auf. Beim Sportclub 1898 trainieren zahlreiche deutsche Top-Springer wie Tina Punzel (EM-Bronze 2018 Dreimeter-Brett) und Martin Wolfram (Olympia-Fünfter vom Turm 2016). Dort „komme ich gut zurecht, es gibt dort alles, was man braucht“, sagt die Springerin. Hohe Stücke hält sie auf Trainer Boris Rosenberger: „Ihm sind seine Sportler sehr wichtig. Er steht voll hinter ihnen.“

Iris Schmidbauer: Training beim Dresdner Sportclub 

Schmidbauer arbeitet daran, in Sachen „Schwierigkeit“ noch einen draufzupacken: Sie möchte den Dreifach-Rückwärtssalto mit zwei Schrauben springen. Ihn zeigen bis dato nur die Szene-Größen Rhiannan Iffland (Australien) und Jacqueline Valente (Brasilien), die in China die ersten beiden Plätze belegten. Den Sprung bei der WM in Südkorea zeigen zu können, „wäre ein Traum“, so Schmidbauer.

Nicht nur sportlich ist die Pählerin in der nächsten Zeit gefordert. Um ihren Sport weiter auf dem für die Weltspitze nötigen Niveau betreiben zu können – ihren Trainingsumfang hat sie auf 25 bis 30 Stunden pro Woche erhöht –, benötigt sie nicht zuletzt auch finanzielle Mittel. Schmidbauer ist daher auf der Suche nach Sponsoren. Die jüngsten Leistungen sprechen auf alle Fälle für die Klippenspringerin.

Stichwort „High Diving“ 

Eine Extremvariante des Wasserspringens (Brett/Turm) ist das Klippenspringen (von echten Klippen) oder High-Diving (von Plattformen). High Diving war 2013 erstmals Teil der Schwimm-WM. Die Disziplin ist noch nicht olympisch. Mittlerweile gibt es mehrere Wettkampf-Serien (von „Red Bull“ und dem Weltschwimmverband FINA). Männer springen aus maximal 27, Frauen aus maximal 20 Metern. Die Eintauchgeschwindigkeit beträgt zwischen 70 und 90 km/h, ins Wasser wird stets mit den Füßen voraus getaucht.

Im Training springen die Athleten aus 7,5 und 10 Metern Höhe. Sie üben dann jeweils Teile des Sprungs und absolvieren ihn erst aus 20 Metern komplett. Aufgrund der körperlichen und mentalen Belastung und auch aufgrund der Sicherheitsbestimmungen werden außerhalb der Wettkämpfe nur selten 20-Meter-Sprünge absolviert. Erste überlieferte Hinweise auf Klippenspringer gibt es aus dem 18. Jahrhundert von der Insel Hawaii. In Acapulco in Mexiko sprang 1934 erstmals ein Mensch vom La-Quebrada-Felsen.

Bei Wettkämpfen zeigen die Athleten mehrere Sprünge, die von sieben Wertungsrichtern bewertet werden. Die Noten der Richter (die höchsten und niedrigsten Wertungen werden gestrichen) werden mit dem Schwierigkeitsgrad des Sprunges multipliziert. Daraus ergibt sich die Punktzahl. Amtierende Weltmeister sind der US-Amerikaner Steve LoBue und die Australierin Rhiannan Iffland. Vorreiterin in Sachen „Klippenspringen“ bei den deutschen Frauen ist Anna Bader (WM-Bronze 2013; WM-Siebte 2017). Neben ihr ist Iris Schmidbauer derzeit die einzige Deutsche auf Welt-Niveau.

Auch das ist interessant: 

Auf der Suche nach dem perfekten Impact - Iris Schmidbauer gehörte zu den Klippenspringerinnen, die bei der WM in Budapest ihre Künste zeigten. Was ihr zu einem Top-Platz noch fehlt, weiß sie.

Termin für Relegationskracher steht fest - Die Fußballer des ASV Habach und des TSV Peiting treffen in der Relegation zur Bezirksliga aufeinander. Jetzt steht fest, wann die Partien stattfinden.

Siegesjubel in vollem Galopp - Um die Kreismeistertitel im Springen ging es beim zweiten Turnier des RFV Ammersee binnen zwei Wochen. Bei der Siegerehrung der Kombi-Wertung hatte ein Pferd besonderen Spaß.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgesehene Fotostrecken

Klippenspringerin Iris Schmidbauer als Brückenspringerin
Mit dem Springen in Mostar geht für Iris Schmidbauer die „Red Bull Cliff Diving“-Serie weiter. Für die Pählerin ist es ein besonderer Wettkampf – an einer historischen …
Klippenspringerin Iris Schmidbauer als Brückenspringerin
Gauschießen: SV Schnalz Böbing top mit der Luftpistole
Das 65. Gauschießen des Schützengaus Schongau war ein großes Fest mit sportlichen Spitzenleistungen. Die Schützen des SV Schnalz Böbing waren mit der Luftpistole gut in …
Gauschießen: SV Schnalz Böbing top mit der Luftpistole
Florian Willkomm lässt sich auch von Hexenschuss nicht aufhalten
Obwohl er sich einen Hexenschuss zuzog, lief es für Florian Willkomm aus Weilheim bei der Senioren-WM in Finnland sehr gut. Noch besser lief es für Sybille Wiedenmann.
Florian Willkomm lässt sich auch von Hexenschuss nicht aufhalten
Spannung in Seeshaupt: Final-Entscheidungen erst im Match-Tiebreak
Die großen Überraschungen sind beim „6. Tennis-Cup Seeshaupt“ ausgeblieben: Für die Zuschauer war das kein Schaden – sie sahen am Finaltag hart umkämpfte Duelle der …
Spannung in Seeshaupt: Final-Entscheidungen erst im Match-Tiebreak