Die Tennisanlage des TC Weilheim am Narbonner Ring im Juni 2020.
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Einfach mal wieder zuschauen oder selber spielen: Die Tennisspieler aus dem Landkreis Weilheim-Schongau (hier auf der Anlage des TC Weilheim) hoffen auf eine baldige Rückkehr auf die Plätze.

Tennis: Corona macht Landkreis-Klubs unterschiedlich zu schaffen

TC Weilheim muss Ausfälle mit privatem Darlehen überbrücken

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Auch die Tennisvereine im Landkreis Weilheim-Schongau leiden unter den Folgen der Corona-Pandemie. Einer von ihnen fühlt sich besonders vernachlässigt.

Landkreis – Der komplette Lockdown im Amateursport in Bayern betrifft auch Sportarten, bei denen es zwischen den Beteiligten gar keinen Körperkontakt gibt. Ein Beispiel dafür ist Tennis. Die Sommerrunde 2020 ging über die Bühne, doch seit November geht auch im „Weißen Sport“ absolut nichts mehr. Für die Vereine ist die Situation alles andere als einfach. Die Heimatzeitung hat bei einigen Klubs nachgefragt, wie bei Ihnen derzeit die Lage ist.

Der Bayerische Tennis-Verband hat unlängst bekannt gegeben, dass in der unterbrochenen Winterrunde der Auf- und Abstieg außer Kraft gesetzt ist. Sobald das Pandemie-Geschehen eine Fortsetzung der Winterrunde zulasse, „wird das ,Restprogramm‘ laut Spielplan fertig gespielt“, so der Verband. Die bis dato ausgesetzten Paarungen werden nicht mehr neu terminiert. Einen Rückschlag musste der BTV vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof hinnehmen. Mit dem TC RW Gerbrunn hatte der Verband einen Normenkontrollantrag zur Aufhebung des geltenden Tennisverbotes eingereicht. Der Eilantrag wurde jüngst abgelehnt.

Der Start der Sommerrunde wurde auf den 1. Juni (und damit deutlich später als in den vergangenen Jahren) festgesetzt. „Wir wollen den Vereinen mit dieser Entscheidung frühzeitig Spielraum schaffen, um sich in Ruhe auf die Saison vorbereiten zu können“, so der Verband.

TC Weilheim

Der zweite Lockdown im November hat den TC Weilheim mit voller Wucht getroffen. Der Verein betreibt auf seinem Gelände am Narbonner Ring eine Tennishalle. Mit der Unterbrechung der Hallensaison „sind die Einnahmen komplett weggebrochen“, berichtet TC-Pressereferent Oliver Richter. Und die Kosten – dazu gehören Zins, Tilgung sowie die Energieversorgung – „laufen voll weiter“. Die TC-Funktionäre rechnen „mit einem eklatanten Verlust bis Mitte Februar“. Es werde mindestens zwei Jahre dauern, um diesen auszugleichen. Von den staatlich zugesicherten Corona-Hilfen „sind derzeit nur zehn Prozent vom tatsächlichen Einnahmenausfall angekommen“, so Richter. Der Ausfall „musste zum Teil mit privaten Darlehen überbrückt werden“. Das Stellen von Anträgen, um Ausgleichsgelder zu bekommen, „ist höchst kompliziert und sieht zum Beispiel einen Ausgleich für Ausfälle von Abo-Buchungen überhaupt nicht vor“, so Richter. Sein Fazit: Die Vereine, die Hallen betreiben sowie die freiberuflichen Trainer „fühlen sich vom Staat komplett vernachlässigt und ignoriert“.

Bei all den Schwierigkeiten ist es fast schon ein Nebenaspekt, dass der TC Weilheim sein 70-jähriges Bestehen nicht feiern konnte. Am 15. Januar 1950 wurde der Tennisclub gegründet. Eine dem Anlass entsprechende Festivität war wegen der Beschränkungen „leider nicht möglich“, so Richter. Auch die im vergangenen Jahr geplante Neuwahl des Vorstandes hat bislang noch nicht stattgefunden. Das Vereinsleben ruht seit dem 13. November 2020 „vollständig“.

Bis dato habe der TC Weilheim keine Mitglieder verloren. „Alle haben sich bislang solidarisch verhalten.“ Kein Mitglied habe im März und April 2020 die Rückzahlung von gebuchten und schon bezahlten Hallenstunden gefordert. Jeder hatte für die besondere Situation Verständnis. „Davon kann in dieser Wintersaison nicht ausgegangen werden“, so Richter. Je länger das Spielverbot dauert, umso eher wird es zu Rückforderungen kommen.

Das in Bayern geltende komplette Trainings- und Spielverbot sieht Richter kritisch. Beim Tennissport sei – ein entsprechendes Hygienekonzept vorausgesetzt – „das Infektionsrisiko auf ein Mindestmaß reduziert“. Darüber hinaus gelten deutschlandweit unterschiedliche Regeln: „In anderen Bundesländern darf man in der Halle Tennis im Einzel spielen.“

Die Austragung der Mannschaftsrunde im Sommer dürfte Richter zufolge „kein Problem darstellen“. Im vergangenen Jahr bewiesen die Tennissportler bereits, dass es unter Einhaltung der geltenden Hygienevorschriften funktioniert.

Die Weilheimer haben zur Sommer-Runde in allen Altersklassen insgesamt 27 Mannschaften gemeldet. Fünf Senioren-Teams spielen in der Bayernliga (Damen 50, Herren 40, Herren 55, Herren 70, Herren 75), die Herren treten in der Bezirksliga an. Sollte die Winterrunde noch fertig gespielt werden können, dann würden die Weilheimer Teams antreten..

TSV Peißenberg

Corona sorgt auch in der Tennis-Sparte des TSV Peißenberg für besondere Verhältnisse. Das „gewohnte und auch sehr geschätzte Vereinsleben gibt es nicht“, berichten Abteilungsleiter Hubert Jungmann und Pressewart Stephan Pongratz. Die Kontakte in der Sparte „beschränken sich leider derzeit auf einen virtuellen Austausch in den jeweiligen Mannschaften und in der Vorstandschaft“. Die derzeitigen Beschränkungen wollen die Funktionäre nicht kommentieren: „Wir richten uns klar nach den geltenden Vorgaben. Die Gesundheit aller steht absolut im Vordergrund.“

Im vergangenen Sommer „hatten wir zumindest alle Jugendmannschaften im Spielbetrieb“, berichten die Peißenberger. Beim Hygienekonzept gaben sich die Verantwortlichen viel Mühe. „Es wurden sogar voneinander getrennte Wege zu den Plätzen und wieder zurück markiert, und auch auf den Plätzen wurden Desinfektionsmaterialien zur Verfügung gestellt.“ Mit eigens angebrachten Schildern wurde auf die Verhaltensregeln aufmerksam gemacht. TSV-Präsident Stefan Rießenberger lobte die Abteilung in der Öffentlichkeit ausdrücklich für ihr Engagement. Die Plätze waren – verglichen mit der Nutzung zu Vor-Corona-Zeiten – etwa zu einem Drittel belegt. Die Mitgliederzahl ist in der Tennis-Sparte konstant geblieben. Die Vorstandschaft richtet deswegen auch einen Dank an die diejenigen, „die uns treu geblieben sind und uns somit auch aktiv in schwierigen Zeiten unterstützen“.

Für die kommende Mannschaftsrunde im Sommer hat der TSV Peißenberg insgesamt 13 Mannschaften gemeldet – die Spanne reicht von den U9-Bambini bis zu den Damen 40 und den Herren 65. Alle Teams treten auf der Ebene der Bezirksklassen (1 bis 3) an. Ob im Sommer tatsächlich „ein Spiel- und Trainingsbetrieb möglich ist, wird sich zeigen und hängt von den staatlichen Maßnahmen ab“, so die Funktionäre.

TC Penzberg

Der Tennisclub Penzberg ist in der offiziell noch laufenden Winterrunde mit einigen Teams am Start. Sollten die Behörden eine Fortsetzung erlauben, dann „liegt die Entscheidung in erster Linie bei den Spielern“, so TC-Pressewart Florian Huber. „Wir würden den Mannschaften in diesem Fall nicht explizit die Wiederaufnahme verbieten.“ Die Vorbereitungen auf die Sommer-Saison laufen, „nur der Austausch findet virtuell statt“, berichtet Huber. Der Verein ist auch darum bemüht, den Nachwuchs mit Online-Trainingsübungen des BTV zu versorgen. Da in Corona-Zeiten nichts sicher ist, planen die TC-Verantwortliche ihre Veranstaltungen „entsprechend flexibel“.

Für die Sommer-Runde haben die Penzberger insgesamt 19 Mannschaften gemeldet. Darunter befinden sich acht Jugendteams – zwei mehr als 2020. Aushängeschilder des TCP sind die Herren 1 (Bezirksliga Super) und die Herren 40 (Landesliga). Im Nachwuchsbereich spielen die Junioren I (Bezirksliga) sowie die Knaben 15 und die Bambini 12 (jeweils Bezirksliga Super) am höchsten. Nachdem im vergangenen Jahr die Austragung der Mannschaftssaison geklappt hat, „sind wir vorsichtig optimistisch, dass wir eine schöne Tennissaison erleben werden“, so Huber. Er betont: „Der Schutz der Mitglieder und Gäste steht an höchster Stelle.“

Zwar mussten 2020 einige Veranstaltungen ausfallen, dennoch gab es einige Highlights. Besonders großen Zuspruch fanden die Trainingscamps für Kinder und Jugendliche in den Sommerferien. „Alle Mitglieder haben mitgezogen und einen schönen Sommer ermöglicht“, berichtet Huber. Eine Herausforderung war der Rückgang an persönlichen Begegnungen. „Ein Verein lebt von seinem Sozialleben und den gemeinsamen Aktivitäten, das war 2020 eingeschränkter als sonst“, sagt der Pressewart. Positives gibt es bei den Mitgliederzahlen zu verkünden: Der TCP durchbrach den negativen Trend der vergangenen Zeit. Der Klub hat Anfang 2021 mehr Mitglieder als vor einem Jahr.

FC Seeshaupt

Was eine Fortsetzung der Winterrunde betrifft, so ist Stephan König, Abteilungsleiter beim FC Seeshaupt, skeptisch. Die Corona-Situation werde sich trotz sinkender Inzidenz „so schnell nicht bedeutsam ändern“. Die neuen, hochansteckenden Virenvarianten werden einen Spielbetrieb „nicht zulassen“. Die FC-Akteure seien sich zudem uneins, ob sie im Falle des Falles antreten: „Die einen wollen, andere wollen nicht“, berichtet König.

Eine besondere Herausforderung im vergangenen Jahr waren die „ständigen Anpassungen an die sich ständig ändernden Corona-Regelungen“, so König. Und für die Durchsetzung der Regeln hatten Ehrenamtliche zu sorgen. Zumindest einen Vorteil gab es: Da in vielen anderen Sportarten deutlich weniger Betätigung möglich war, „hat die Platzbelegung bei uns deutlich zugenommen“.

Gleichwohl war auch das Vereinsleben beim FCS reduziert. Bis auf ein vereinsinternes Hobbyturnier (mit entsprechendem Hygienekonzept) und die Sommer-Medenspiele „ist alles sonst Übliche ausgefallen“, sagt König. Derzeit sind nicht einmal bloße Spiele möglich, es findet gar kein Sozialleben im Verein statt: „Gerade für unsere älteren Mitglieder im Rentenalter eine Katastrophe“, sagt der Spartenchef.

Positives gibt es in Sachen „Mitglieder“ zu vermelden. Von 2019 bis 2020 erhöhte sich die Zahl insgesamt um 16 auf 363. Genau 101 Mitglieder sind Jugendliche. Deren Zahl stieg besonders an – als Hauptgrund nennt König „die professionelle Arbeit unserer Trainer“. Für die kommende Sommer-Runde haben die Seeshaupter neun Mannschaften gemeldet, von den „Bambini 12“ bis zu den „Herren 70“. Der Großteil der Teams spielt in der Bezirksklasse 1.

Zu den derzeitigen Beschränkungen hat König eine klare Meinung: „Ich denke, dass die Maßnahmen zu sehr pauschalisiert sind und damit von der Bevölkerung als ungerecht und unsinnig empfunden wird.“ Wie könne man zum Beispiel „die Situation in Fitnessstudios mit der in Tennishallen gleichstellen? Andererseits drängen sich die Leute in ,systemrelevanten‘ Einkaufshallen.“ Für Tennis gelte: Es „ist kein Kontaktsport und Kontaktmöglichkeiten vor und nach dem Spiel lassen sich sehr leicht ausschließen“. Für den Seeshaupter Cheftrainer Terry Deeth, der von seiner Tätigkeit als Coach lebt, seien die Einschränkungen existenzbedrohend. In Hessen, so König, seien Tennishallen für die Allgemeinheit geschlossen, aber Tennistraining dürfe mit je einem Schüler absolviert werden. „Das wäre ein nachvollziehbarer Weg“, so der Spartenleiter. Einem baldigen Ende des Lockdowns fiebern die Seeshaupter entgegen. „Die Spielerinnen und Spieler sind alle heiß auf Tennisspielen und generell auf Sporttreiben“, versichert König.

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