Der Sieger am Boden: Nach dem Zieleinlauf brauchte Stefan Schmid erst einmal einige Minuten der Besinnung, ehe er seinen Erfolg richtig genießen konnte. foto: privat
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Der Sieger am Boden: Nach dem Zieleinlauf brauchte Stefan Schmid erst einmal einige Minuten der Besinnung, ehe er seinen Erfolg richtig genießen konnte.

Triathlon

Krönung einer überragenden Saison

Peißenberg/Cozumel - Nach Topleistungen in diesem Jahr hat sich Stefan Schmids Sieg in  Cozumel“ abgezeichnet. Er ist für ihn die Krönung der Saison.

Eines stellte Stefan Schmid gleich mal klar: Auch ohne den Triumph beim „Ironman“ auf der mexikanischen Insel Cozumel „war diese Saison die beste meiner gesamten Karriere“. Zuvor hatte er mit einem fünften Platz in Roth und einem dritten Platz in Chattanooga, wo er sich im knappsten Rennen des „Ironman“-Wettbewerbs nur um acht Sekunden hatte geschlagen geben müssen, bereits aufhorchen lassen. Der Triumph am vergangenen Sonntag war im Grunde nur noch das Sahnehäubchen – allerdings ein ziemlich großes – auf ein grandioses Triathlon-Jahr des 28-jährigen Peißenbergers. „Das alles ist schon ein Traum“, so Schmid, „ich bin so überglücklich“.

Wie aus heiterem Himmel kommt dieser größte Erfolg seiner bisherigen Karriere laut Schmid aber nicht. „Ich habe schon mit dem Gedanken an den Sieg gespielt.“ Nicht nur die bisherigen Platzierungen, auch die erzielten Zeiten signalisierten ihm, „dass ich in der Weltspitze angekommen bin“. So etwas macht selbstbewusst und entspannt: „Ich habe das ganz locker gesehen, denn ich hatte ja schon was auf der Habenseite“, so der Triathlon-Profi. Einer der Gründe für den Sieg sei auch sein dreieinhalbwöchiger Aufenthalt in Florida im Vorfeld des Wettkampfes gewesen: „Da habe ich mich gut akklimatisieren können“, so Schmid. Auf der Insel Cozumel, nur wenige Kilometer vor der Halbinsel Yucatan gelegen, herrschten laut Schmid Temperaturen um die 30 Grad. „Beim Radfahren geht’s ja noch, aber beim Laufen ist die Sonne schon unmenschlich.“ Der 28-Jährige kam mit den Bedingungen aber gut zurecht, „ich hab’s ja gern etwas wärmer“.

Der Start in dieses hochkarätig besetzte Rennen war bei Schmid eher verhalten. Doch je länger das 3,8 Kilometer lange Schwimmen dauerte, umso deutlicher war zu bemerken, „dass ich gut dabei bin“, so der Peißenberger. Er verließ nach 47:02 Minuten als Fünfter das Wasser. Ein besonderes Augenmerk hatte er dabei auf den Sieger der vergangenen beiden Jahre auf Cozumel, den Österreicher Michael Weiss. Der 34-jährige Triathlet aus dem Nachbarland war zwar fast drei Minuten langsamer, „aber er kann sehr gut radfahren“, so Schmid.

Mehrmals über dem Limit

Der Österreicher, der gesundheitlich etwas angeschlagen war, holte den Peißenberger auch relativ schnell ein und übernahm gemeinsam mit Patrik Nilsson (Gewinner des „Ironman Sweden“ 2015) die Führung. Schmid versuchte hartnäckig, die beiden nicht davonziehen zu lassen. „Das war sehr hart. Ich bin oft über meinem Limit gewesen“, so der Peißenberger, „aber es hat geklappt“. Es war unübersehbar, dass der Österreicher Probleme hatte. Zwei Kilometer lang fuhr Schmid hinter dem Führungsduo hinterher, dann überholte er es. Als er sich kurz darauf umblickte, sah er, dass ihm nur noch der Schwede auf den Fersen war. Bis zum Ende der 180 Kilometer langen Strecke, die er in 4:26,55 Stunden bewältigte, hatte Schmid einen Vorsprung von 40 Sekunden auf Nilsson herausgefahren. Allerdings hatte dieses Manöver viel Kraft gekostet. „Am Schluss habe ich richtig überzogen“, berichtete der 28-Jährige. Als er vom Rad stieg, sei es noch gegangen, doch als sich die Laufschuhe anzog, merkte er, wie angeschlagen er war. „Ich war total neben mir, das war eine Katatstrophe.“ Und so war der schöne Vorsprung schon in der Wechselzone wieder dahin, gemeinsam mit dem Schweden begab sich Schmid auf die abschließende 42-Kilometer-Strecke. Bis zur Hälfte des Rennens waren die beiden gleichauf, dann musste der Peißenberger Nilsson ziehen lassen. Nichts deutete zu diesem Zeitpunkt darauf hin, dass er wieder aufholen würde. „Ich habe mich richtig schlecht gefühlt“, so Schmid, der sogar einen kurzen Stopp einlegen musste.

In diesem Moment verschwendete er keinen Gedanken mehr an einen Sieg. Vielmehr ging es zunächst darum, die hinter ihm lauernde Konkurrenz nicht vorbeiziehen zu lassen, vor allem den US-Amerikaner Matt Russell. Der 32-jährige Gewinner des „Ironman Canada“ von 2012 hatte nach dem Radfahren einen Rückstand von acht Minuten auf Schmid, der jedoch kontinuierlich zusammenschmolz. Doch dann ereignete sich Wundersames: Auf der sieben Kilometer langen Wendestrecke, die sechsmal zu absolvieren war, hätte Nilsson dem Peißenberger eigentlich irgendwann wieder entgegenkommen müssen, doch das tat er nicht. Des Rätsels Lösung: Der Schwede hatte aufgegeben. „Genau in dem Moment, als es mir körperlich am schlechtesten gegangen ist, habe ich die Führung übernommen“, so Schmid.

Zwischen Euphorie und Panik

Der Effekt war enorm, der 28-Jährige bekam mit einem Mal die zweite Luft. In die Euphorie mischte sich bei dem 28-Jährigen aber auch ein Anflug von Panik, weil der Amerikaner Russell das Tempo weiter enorm hochhielt. Vor dem letzten Wendepunkt – von dort bis ins Ziel waren es noch sieben Kilometer – begannen bei Schmid dann die Rechenspiele. Zu diesem Zeitpunkt hatte er auf Russell noch zwei Minuten Vorsprung. Der Peißenberger kalkulierte: Wenn er jeden dieser sieben Kilometer in einer Zeit zwischen 4:00 und 4:10 Minuten absolviert, dann reicht’s zum Sieg. Dieses Vorhaben sollte klappen, am Ende hatte Schmid (Gesamtzeit 8:12:27 Stunden) einen Vorsprung von 1:43 Minuten auf Russell. Der drittplatzierte Weiss kam erst 11:57 Minuten nach Schmid ins Ziel. Trotz des am Ende ungefährdeten Vorsprungs „habe ich erst in der letzten Kurve vor dem Ziel wahrhaben wollen, dass ich gewonnen habe“, so Schmid. Für die 42 Kilometer hatte er 2:53,44 Stunden benötigt.

Stefan Schnürer

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