Zvjezdana Culum aus Weilheim ist in der Regel viermal pro Woche (hier am Dietlhofer See) beim Laufen.
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Laufen ist gut für Körper und Geist: Zvjezdana Culum aus Weilheim ist in der Regel viermal pro Woche (hier am Dietlhofer See) flotten Schrittes unterwegs. Dabei läuft sie grundsätzlich mit Musik.

Sport nicht nur in Corona-Zeiten

Zvjezdana Culum: Laufen als besondere Kraftquelle

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Eine hartnäckige Fußverletzung setzte Zvejzdana Culum lange außer Gefecht. Irgendwann hatte die Weilheimerin genug - und versuchte es mit Laufen. Sie machte dabei eine erstaunliche Erfahrung.

Weilheim – Der innere Schweinhund, er muss überlistet werden. Und Zvjezdana Culum hat ein eigenes Rezept entwickelt. Als die 47-Jährige mit dem Laufen begann, da kam ihr die Idee, vor dem Schlafengehen ihre Sportklamotten und -schuhe so hinzulegen, dass sie am Morgen gar nicht anders kann, als sie anzuziehen. „So kommt nie die Frage auf, ob man Laufen gehen soll“, sagt die Weilheimerin mit einem Lächeln. Mittlerweile geht das mit dem Laufen von ganz allein, vier Mal die Woche macht sich Culum zu einer Runde auf. Für sie ist die Aktivität eine Befreiung – auch und gerade in Corona-Zeiten.

Einen Bewegungsdrang hatte Zvjezdana Culum schon immer. Als Zwölfjährige entdeckte die Bosnierin den Basketball für sich, spielte beim Top-Klub Tuzla und in der Jugendnationalmannschaft. Der Balkankrieg war dafür verantwortlich, dass Deutschland für sie und ihren späteren Ehemann Goran Culum zur neuen Heimat wurde. In der Basketball-Szene im Umkreis sind die Culums bekannt. Auch die drei Kinder (Enya, Arian und Damian) sind als Spieler erfolgreich.

Zvejzdana Culum spielte Basketball auf hohem Niveau

Bei aller Sportlichkeit hätte Zvjezdana Culum das regelmäßige Laufen wohl nicht für sich entdeckt, hätte es nicht diese Verletzung im Oktober 2019 gegeben. Beim Fangen-Spielen mit der ihr anvertrauten Mädchen-Gruppe – Culum arbeitet in der Offenen Ganztagsschule der Hardtschule als Betreuerin – knickte sie unglücklich mit dem linken Fuß um. „Dass ausgerechnet mir so etwas passiert. Ich habe mich geschämt“, sagt sie rückblickend. Vor derlei Pech ist eben niemand gefeit. Eine echte, vor allem psychische, Belastung für die Weilheimerin stellte die folgende mehrmonatige Leidenstour dar. Erst dauerte es lang, bis klar war, was alles an Bändern und Sehnen beeinträchtigt ist. Danach zog sich die Heilung hin. Als sie die Nachricht bekam, dass sie den Spezialschuh, den sie verpasst bekommen hatte, noch einige Wochen mehr tragen müsse, reichte es ihr. „Ich habe mir gedacht: Die ganze Energie muss raus.“

Culum fing an, Liegestütze zu machen. Ende Januar legte sie auch den Spezialschuh ab und ging zum Laufen. „Ich habe angefangen, zweimal die Woche ein bis zwei Kilometer langsam zu laufen“, berichtet sie. Das tat ihr vor allem mental gut. „Im März war der Kopf frei.“ Der Fuß machte alles anstandslos mit. Er bereitet ihr seither keine Probleme mehr, auch wenn eine Stelle noch verhärtet ist. Der erste Corona-Lockdown Ende März bremste den Elan von Culum nicht – im Gegenteil. „Da habe ich angefangen, richtig zu laufen.“ Durch die Bewegung „habe ich mich total befreit und mir Kraft geholt“, sagt sie und klingt dabei rundum zufrieden. „Ich bin mental stärker geworden.“

Ihr Laufpensum steigerte Zvejzdana Culum stetig

Laufen und das Training kann zu einer regelrechten Wissenschaft mutieren. Auch Culum habe dazu einiges gelesen, erzählt sie. Zu Weihnachten bekam sie ein Buch der ehemaligen deutschen Top-Athletin Sabrina Mockenhaupt. Für sich hat sie allerdings entschieden: „Ich will mir darüber nicht einen zu großen Kopf machen.“ Wichtig sind ihr zufolge vor allem zwei Dinge: sehr gute Laufschuhe und gute Sportkleidung, die Muskeln warm hält und gut sitzt. Eine passende Kleidung „schaut auch gut aus“, sagt Culum. So etwas könne durchaus eine zusätzliche Motivation sein. Der im US-Sport geprägte Spruch „Look good, feel good, play good“ (für Hobbyläufer frei übersetzt: wer gut aussieht, fühlt sich gut und sportelt auch lieber) ist ja auch nicht gänzlich aus der Luft gegriffen.

Culum läuft am liebsten in der Früh, zwischen sieben und halb acht Uhr geht es meistens los. Auch Minusgrade schrecken die Weilheimerin nicht. Danach „startet man ganz anders in den Tag“. Eine Besonderheit: Culum läuft grundsätzlich mit Musik, also mit Kopfhörern im Ohr. Ihre bevorzugten Strecken führen um den Dietlhofer See herum und an der Ammer entlang. „Ich muss immer Wasser sehen“, sagt sie schmunzelnd. Aber auch übers Gögerl führt sie der Weg. Rund um die Kreisstadt „gibt es viel zu sehen“. Die Strecken sind zwischen acht und zehn Kilometer lang. Vermessen hat sie sie nur, „damit ich mal weiß, wie lange ich eigentlich laufe“. Auf eine (Puls-)Uhr verzichtet Culum. Sie laufe für sich, und wolle sich nicht damit stressen, „eine Strecke in einer bestimmten Zeit zu rennen“. Wohlfühlen statt Leistungskontrolle also.

Umstellung der Ernährung „passierte automatisch“

Parallel zum Laufen änderte sich bei Culum die Art der Ernährung. „Das ist ganz automatisch passiert“, sagt sie. Mit schwerem Magen zu laufen, sei nicht angenehm. Haferflocken, Fisch, Nüsse und Quark stehen nun vermehrt auf dem Speiseplan. Hin und wieder gibt’s zusätzlich Proteine. Culum hat eigenem Bekunden nach „innerhalb eines Jahres 20 Kilo abgenommen“. Zu ihren bisherigen Essgewohnheiten sagt sie mit einem vielsagenden Lächeln: „Ich komme eben aus dem ehemaligen Jugoslawien. Essen muss immer reichlich da sein.“

Aus ihrem Bekannten- und Freundeskreis bekomme die 47-Jährige viele lobende Worte dafür, dass sie so konsequent läuft und sich bewegt. Zugleich hat sie aber auch festgestellt, dass es vielen schwer fällt, einen Anfang zu wagen. Ein Patentrezept hat Culum nicht. Man müsse eben einfach beschließen: „Ja, ich mach’ das.“ Die ersten Erfolge, so ihre Erfahrung, stellen sich schnell ein: „Nach zwei Wochen bist du schon drin.“

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