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Allein auf weiter Flur: Nick Jäger vom TSV Penzberg  ließ in seinem Zeitlauf über 800 Meter die Konkurrenz weit hinter sich und holte damit in persönlicher Bestzeit Gold. 

Leichtathletik: bayerische meisterschaften

Nick Jägers Husarenritt zum Titel

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Penzberg - Nick Jäger  vom TSV Penzberg holt über 800 Meter in 2:01,25 Minuten Gold.  Hürden-Silber gab es für Andreas Kölbl und Sharon Müller.

An der letzten Hürde noch gleichauf: Andreas Kölbl (r.) vom TSV Penzberg im Duell mit Paul Bobinger (l.).

 Die Psychologie spielt auch in der Leichtathletik eine große Rolle. Und das hat der 16-jährige Nick Jäger schon bestens verinnerlicht. Als der Athlet des TSV Penzberg bei den bayerischen Meisterschaften in Erding zu seinem Zeitlauf über 800 Meter antrat, war für ihn klar: „Ich wusste, ich muss alleine von der Spitze laufen um den Jungs im schnelleren Finallauf einen kleinen Schock zu versetzen.“ Da er als neuntschnellster Teilnehmer gemeldet war, musste Jäger im langsameren Zeitlauf starten. Jägers „Schock-Taktik“ ging auf: Mit einem regelrechten Husarenritt gewann er letztlich die Goldmedaille – eine Überraschung nicht nur für ihn, sondern auch die Konkurrenz.

In seinem Zeitlauf setzte sich Jäger sofort an die Spitze des Feldes. Nach einer ersten Runde von 59,85 Sekunden setzte er sich mehr und mehr von den Konkurrenten ab. Mit der persönlichen Bestzeit von 2:01,25 Minuten überquerte er die Ziellinie; seinen bisherigen Rekord hatte der 16-Jährige um mehr als fünf Sekunden unterboten. Danach hieß es warten und bangen. Die acht Teilnehmer im vermeintlich schnelleren Finallauf starteten mit 58,30 Sekunden für die ersten 400 Meter deutlich schneller als der Penzberger. Auch nach 600 Metern hatten sie noch eine Sekunde Vorsprung, doch auf der Zielgerade wurden die Läufer langsamer und langsamer. Am Ende hatte Jäger 73 Hundertstel Vorsprung auf den Sieger des zweiten Laufs, Sebastian Eis (LG Kreis Dachau).

Tags darauf holte sich Jäger über die 1500 Meter noch eine Silbermedaille. In einem „spannenden Taktiktrennen“, so der TSV Penzberg in einer Mitteilung, musste sich der Youngster (4:31,65) nur um 0,37 Sekunden Valentino Masi (LG Hof) geschlagen geben. Beide Läufer blieben mehr als 25 Sekunden über ihrer Bestzeit.

Weitere Silbermedaillen holten Sharon Müller (Frauen) und Andreas Kölbl (Männer) über 400 Meter Hürden. Beide mussten sich dabei nur knapp geschlagen geben und lagen bei der letzten Hürde noch gleichauf mit ihren Gegnern. Müller (62,32 Sekunden) unterlag im Zielsprint ihrer Konkurrentin mit Sonja Keil (LG Ausburg/61,66), die ihre Bestzeit um mehr als eine Sekunde steigerte. Die Penzbergerin war mit dem zweiten Platz zufrieden, „schließlich hatte sie die vergangenen Wochen nur sehr wenig trainieren können“, so TSV-Trainer Markus Brennauer.

Der 21-jährige Kölbl (53,86) lief zwar eine persönliche Bestzeit, doch da auch sein Konkurrent Paul Bobinger (TSV 1860 München/53,50) eine neue Bestmarke schaffte, reichte es „nur“ zum zweiten Rang. „Leider bin ich an der letzten Hürde mit dem Knie hängen geblieben bin, sodass ich ins Straucheln geriet. Zudem hat der Rhythmus zwischen den beiden ersten Hürden nicht gepasst“, sagte Kölbl.

In der U-18 belegte Elisabeth Mayr über 800 Meter (2:22,80) Rang fünf, über die 1500 Meter (4:54,33) sprang ein sechster Platz heraus. Zufrieden war sie damit nicht, die Uffingerin blieb jeweils knapp vier Sekunden über ihrem Hausrekord.

Matthias Bauer mit Saisonbestzeit

Wesentlich zufriedener war Matthias Bauer, der bei den Männern über die 400 Meter mit Saisonbestzeit von 51,45 Sekunden den sechsten Platz belegte. „Ich bin deutlich langsamer als sonst gestartet, dafür konnte ich dann hinten raus noch zusetzen“, sagte der 24-jährige Chemiestudent. Ebenfalls gelungen war der Auftritt von Felix Zimmermann, der mit 15:33,86 Minuten über 5000 Meter Zehnter bei den Männern wurde. Der 26-jährige BWL-Student steigerte seine Bestzeit um mehr als 15 Sekunden. „Leider habe ich in der letzten Runde noch vier Plätze verloren, ich muss also noch an meinem Endspurt arbeiten“, meinte er.

Lucas Herbeck (U-20) schaffte sowohl über 1500 Meter (4:14,99/4. Platz) als auch 3000 Meter (9:23,03/5. Platz) eine persönliche Bestzeit. Im ersten Rennen fehlten ihm nur zwei Sekunden zu einer Medaille. Albin Pestisha und Dominik Thalbauer liefen mit den Geretsriedern Julian Meyer und Luis Haimerl in der 4 x 100-Meter-Staffel (45,03) auf Rang fünf. Die vier Athleten zeigten ausgezeichnete Wechsel und ließen so einige höher eingeschätzte Staffeln hinter sich. Für Pestisha war es ein versöhnlicher Abschluss, nachdem er im Weitsprung mit 6,19 Metern nur den achten Platz belegt hatte. „Ich kam überhaupt nicht in Schwung“, so der 17-jährige Realschüler.

Pech hatte bei ihrer ersten bayerischen Meisterschaft Alicia Wutz (15), die als Startläuferin über 4 x 100 Meter mit der Staffel des TuS Geretsried angetreten war. Wutz zeigte eine gute Leistung, doch ein folgender Wechsel ging schief, so dass die Staffel ausschied.  

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