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Zentrale Figur des Penzberger Leichtathletik-Erfolgs: Melanie Jäger arbeitet beim TSV als Abteilungsleiterin und Trainerin. Das Foto zeigt sie im Nonnenwaldstadion zusammen mit einem Teil ihrer Laufgruppe, der Sportler ab 14 Jahren angehören. 

Das Porträt

Melanie Jäger: Eine ruhige Tempomacherin

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Sie macht den TSV-Ahtleten Beine: Melanie Jäger betreut die Läufer für die Mittel- und Langstrecken beim TSV Penzberg. Wir haben ein Porträt.

Penzberg – Der kalte Wind pfeift unangenehm übers Sportgelände des Post SV München. Der Himmel ist grau, immer wieder jagen einzelne Schneeflocken durch die Luft. Bei der Siegerehrung des Nachwuchses beim Stadioncross des PSV bittet der Streckensprecher zum wiederholten Mal einen jungen Athleten des TSV Penzberg aufs Podest nach vorn. „Der Verein aus dem Süden arbeitet seit Jahren sehr erfolgreich“, sagt der Sprecher – und er blickt dabei hinüber zu einer Frau, die die Zeremonie beobachtet: Melanie Jäger.

Als Abteilungsleiterin und Trainerin ist die 51-Jährige eine zentrale Figur in der Sparte, die Erfolge an Erfolge reiht und überregional in Sachen „Leichtathletik“ bekannt geworden ist. Die jüngsten beiden Coups der Sparte: die Einzel-Goldmedaille von Nick Jäger (18) bei den deutschen Crosslauf-Meisterschaften in der U-20-Klasse und die Team-Silbermedaille von Luk Jäger (15), Marvin Bertram (16) und Sebastian Proksch (15) in der U-18. Nick und Luk sind die Söhne von Melanie Jäger. Auch der älteste Sprössling, Tom (20), ist ein starker Läufer, der schon bei deutschen Leichtathletik-Jugend-Meisterschaften gestartet ist. Dass Melanie Jäger als Übungsleiterin arbeitet, hat allerdings nichts mit ihren Söhnen zu tun – eher brachte sie die Söhne zur Leichtathletik.

Geboren und aufgewachsen in Nettetal am Niederrhein (Nähe Mönchengladbach), war Melanie Jäger schon als Kind dem Laufen zugetan. „Aber ich war nie so gut“, sagt sie und winkt ab. Naja, zu einer Teilnahme an der deutschen Leichtathletik-Meisterschaft in der U-20 hat es seinerzeit schon gereicht. Über die 1500 Meter „bin ich gleich im Vorlauf ausgeschieden“, sagt die Penzbergerin. Ihre Bestzeit? „Irgendwas um die 4:40 rum.“

Beim LC Nettetal bekam sie als 13-, 14-Jährige die Möglichkeit am „Deutschlandlauf“ teilzunehmen. Eine Gruppe Kinder absolvierte im Wechsel 10-Kilometer-Etappen. In einer Woche kam Melanie Jäger so auf 70 Kilometer. „Das war ein tolles Erlebnis, übernachtet haben wir in Jugendherbergen“, erinnert sich die Penzbergerin.

Nach dem Sport-Studium in Tübingen arbeitete Jäger zwei Jahre lang als hauptamtliche Trainerin bei der MTG Mannheim. Während des Studiums lernte sie ihren späteren Ehemann Stephan kennen, der in Jugendzeiten einer der besten Langstreckenläufer Deutschlands war. Der studierte Biologe fand bei „Roche“ eine Stelle – so kam die Familie im Mai 1997 nach Penzberg. Schon im September begann Melanie Jäger beim TSV Penzberg, sich als Übungsleiterin zu engagieren. Schon bald darauf kam der Posten der Abteilungsleiterin hinzu. TSV-Vorzeigeläufer Markus Brennauer (38) bezeichnet Jäger als „absoluten Glücksfall“. Die Abteilung wäre ohne ihr beständiges Engagement „nicht das, was sie heute ist“. Als Jäger die Geschäfte übernahm, hatte die Sparte nur einen Athleten, der an Wettkämpfen teilnahm, und das war Brennauer. Ihn und seine spätere Frau Conny Lechner brachte Jäger auch dazu, den Trainerschein zu machen.

Dass die 51-Jährige, die bei der Münchener Montessori-Initiative „Aktion Sonnenschein“ als Sportpädagogin arbeitet, Inhalte gut vermitteln kann, wird im Gespräch mit ihr deutlich. Die schlanke Frau mit den grauen Haaren blickt ihr Gegenüber an, spricht ruhig, dialektfrei, und was sie sagt, ist wohlüberlegt. „Sie kann wunderbar mit Athleten umgehen“, sagt Brennauer. Einerseits sei sie in Sachen „Training“ absolut kompetent, andererseits wisse sie auch auf emotionaler Ebene mit den Mitgliedern umzugehen.

In Penzberg fühlt sich Jäger wohl. „Man hat hier alles. Ich wüsste keinen Grund, warum wir wegziehen sollten“, sagt sie mit einem Lachen. Die Familie wohnt – gemeinsam mit dem pechschwarzen Kater „Nero“ – in einem Reihenhaus am südlichen Stadtrand. Zum Wald in Richtung St. Johannisrain sind es nur ein paar Meter – ein idealer Ausgangspunkt für Trainingsläufe. Sie selbst kommt eher selten zum Laufen: „Zweimal die Woche ist schon viel.“

Die Gruppe, die Jäger beim TSV anleitet, umfasst rund 15 junge Frauen und Männer ab 14 Jahren, der überwiegende Teil davon nimmt regelmäßig an Wettkämpfen teil. Dreimal die Woche steht „betreutes Training“ auf dem Programm. Die Top-Athleten im Verein trainieren dazu selbstständig an den restlichen Tagen in der Woche. Wenn die eigenen Söhne ein wichtiges Rennen absolvieren, bei dem es zum Beispiel um eine Norm für eine deutsche Meisterschaft oder einen Titel geht, fiebert Melanie Jäger natürlich mit. „Aufgeregter bin ich aber bei den anderen, denn die eigenen Kinder kennt man ja besser und weiß, was sie leisten können“, sagt sie. Schneller Erfolg um jeden Preis ist ihr ein Graus: „Wir versuchen das Training so zu gestalten, dass die Athleten sich von Jahr zu Jahr verbessern können.“ Klar ist auch: „Schule und Ausbildung steht an erster Stelle.“

Melanie Jäger selbst hat andere Hobbys hintangestellt. Neben Arbeit, Familie, Training und den Wettkämpfen an den Wochenenden fehlt schlicht die Zeit. „Da wohnen wir so nah an den Bergen, und kommen kaum hin...“, sagt sie mit einem Lächeln. Vier Wochen im Jahr, nach der Bahnsaison, geht es auch mal zum Wandern. „Da gehe ich auf keinen Sportplatz“, sagt Jäger. 

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