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Pfeilschnell: Nick Jäger vom TSV Penzberg - hier beim Penzberger Teamtrail 2018.

Leichtathletik

Nick Jäger stürmt solo zur persönlichen Bestzeit

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Sich ohne Konkurrenten ans Limit pushen - das ist unendlich schwer. Nick Jäger vom TSV Penzberg hat bei einem Solo-Lauf im Rahmen eines virtuellen Rennens seinen 10-Kilometer-Rekord geradezu pulverisiert.

Penzberg - Digitalisierung und sportliche Aktivität – das muss sich nicht ausschließen. In Corona-Zeiten sind Lauf-Wettkämpfe zwar verboten, doch sogenannte virtuelle Rennen sind groß in Mode. Dabei treten die Athleten auf ihren Laufstrecken zu Hause an, die Ergebnisse werden via GPS-Uhr an eine zentrale Stelle gemeldet und können so zu einer Ergebnisliste zusammengefasst werden. Bei einer solchen Veranstaltung hat Nick Jäger am Wochenende für einen Paukenschlag gesorgt. 

Der 20-Jährige vom TSV Penzberg, der dem DLV-Nationalkader angehört, hat eine persönliche Bestzeit im 10-Kilometer-Straßenlauf aufgestellt. 30:46 Minuten standen auf Jägers GPS-Uhr. „Dass es so schnell wird, damit hatte ich nicht gerechnet“, so lautete sein Kommentar. Seine bisherige Bestmarke unterbot er um satte 104 Sekunden. Der Penzberger nahm bei der „Virtual run2gether Challenge“ teil. Er ging als Solo-Läufer an den Start. „Meine Freundin Laura hat mich auf dem Fahrrad begleitet. Als Kurs hatte ich mir eine flache asphaltierte Strecke in der Nähe ihres Wohnorts bei Ingolstadt ausgesucht“, berichtete der Student. Da er wusste, dass er in guter Form ist, hatte er sich vorgenommen, seine 10-Kilometer-Bestzeit von 32:30 Minuten zu attackieren.

Nick Jäger in der „Form seines Lebens“

Deshalb startete er auch sehr offensiv in sein Rennen und legte den ersten Kilometer in 2:57 Minuten zurück. Das entspricht einem Tempo von 20,3 km/h. „So schnell wollte ich eigentlich gar nicht starten“, gab Jäger nachher zu Protokoll. Von der Durchgangszeit regelrecht angestachelt, ließ er nun nicht mehr locker. Auch der einsetzende Regen und aufkommende Gegenwind hielten ihn nicht mehr auf, sodass er dieses hohe Tempo fast bis zum Schluss durchhielt. Für Jäger war diese Zeit ein wichtiger Anhaltspunkt, schließlich war er direkt nach den deutschen Crosslaufmeisterschaft Anfang März – dort hatte er in der U-23-Klasse Silber geholt – ins Höhentrainingslager nach Südafrika gereist. Dieses musste er nach zehn Tagen aufgrund der Corona-Wirren frühzeitig beenden. Darüber hinaus musste das schon traditionelle Trainingslager des TSV Penzberg an Ostern in Italien abgesagt werden. Trotz allem befindet sich Jäger „im Moment in der Form seines Lebens“, so TSV-Trainer Markus Brennauer.

Nick Jäger bester Europäer im Rennen

Mit seiner Zeit belegte Nick Jäger im Gesamtfeld den achten Platz unter mehr als 150 Männern. Vor ihm waren ausschließlich Athleten aus Kenia platziert. Die Top-Zeit hatte Dickson Simba Nyakundi (29:10) geschafft. Zweitbester Europäer war der Schweizer Buolf Näff (32:23). Als schnellste Frau tat sich die Kenianerin Teresiah Kwamboka Omosa (33:28) hervor. Ebenfalls sehr gut in Form präsentierte sich in den vergangenen Tagen Nick Jägers älterer Bruder Tom, der seinen 10-Kilometer-Lauf bei der „Virtual run2gether Challenge“ in Ulm und Neu-Ulm absolvierte. Allerdings blieb der TSV-Athlet auf der flachen Strecke entlang der Donau mit 34:13 Minuten mehr als zwei Minuten über seiner Bestzeit. Der Grund dafür: Seitenstechen.

Tom Jäger von Seitenstechen geplagt

Die Jäger-Brüder werden die „Virtual run2gether Challenge“ zumindest teilweise fortsetzen. Auf dem Programm stehen noch die 5 Kilometer (15./16. Mai), ein 60-Minuten-Lauf (29./30. Mai) sowie weitere 10 Kilometer (12./13. Juni). Die Serie wird von dem österreichischen Verein „run2gether“ mit Sitz in Graz veranstaltet. Er wurde 2009 gegründet und bietet Laufcamps für deutsche und österreichische Läufer in Kenia an und unterstützt zugleich kenianische Athleten finanziell.

Die Jäger-Brüder waren über den Jahreswechsel mit „run2gether“ im Trainingslager in Kenia. Die virtuelle Laufserie unterstützt die Initiative des Vereins. „Da die kenianischen Athleten im Moment kein Geld verdienen können, versucht der Verein, auf diese Art und Weise etwas Geld einzunehmen“, erklärt Vater Stephan Jäger. Die Teilnahme am Lauf beträgt fünf Euro. Mit dieser Spende will der Verein (www.run2gether.com) die Lebensgrundlage der kenianischen Läufer in dieser Zeit sichern.

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