Sprint-Training auf Spazierwegen: In diesen Tagen muss 400-Meter-Läufer Johannes Trefz auch zu unkonventionellen Methoden greifen.

Leichtathletik

Corona stellt Sprinter Johannes Trefz viele Hürden in den Weg

  • Paul Hopp
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Die Beschränkungen durch Corona bremsen auch 400-Meter-Sprinter Johannes Trefz auf seinem Weg nach Tokio aus. Jüngst hat der Weilheimer aber einen Erfolg in Sachen „Training“ errungen.

Weilheim – Hartnäckigkeit und Geduld zahlen sich auch in Corona-Zeiten aus. Nach langem Hin und Her und ordentlich Schriftverkehr hat es Johannes Trefz tatsächlich geschafft, eine Sondergenehmigung zu erwirken. Die ermöglicht es dem Weilheimer nun seit einigen Tagen, die Sportanlage des TSV Gräfelfing zu nutzen. Dem Verein, dem der 400-Meter-Spezialist (Bestzeit 45,70 Sekunden) seit vorigem Jahr angehört, „bin ich dafür extrem dankbar“. Denn nur so hat der dreifache deutsche Meister (2016 bis 2018) die Chance, seine hohen sportlichen Ziele auch zu erreichen – die da lauten: Teilnahme an Olympia 2021 in Tokio und an den European Games 2022 in München.

Von der Corona-Krise ist auch Trefz, der seinen Master in Biologie abgeschlossen hat und derzeit Sportsoldat ist, regelrecht überrollt worden: „Es ging so rasend schnell.“ Und das hieß auch, dass sich Trainings- und Saisonpläne beinahe täglich änderten. Und immer noch ist alles im Fluss. Ursprünglich wollten die DLV-Langsprinter Anfang April in Florida ein Trainingslager absolvieren. Das fiel aus. Als Ersatz war – über den TSV Gräfelfing – ein Camp in Südtirol angepeilt. Dieses Vorhaben löste sich auch alsbald in Luft auf. Und dann machte auch noch der Olympia-Stützpunkt in München komplett dicht. Den Top-Athleten „ist man auch nicht entgegen gekommen“, sagt Trefz. In anderen Bundesländern gab es dagegen recht schnell Ausnahmegenehmigungen. Trefz behalf sich mit Läufen auf Spazierwegen und durch Wälder sowie mit Krafttraining in den eigenen vier Wänden.

Johannes Trefz: Sprinttraining auf Spazierwegen

„Von Formaufbau kann keine Rede sein, es geht momentan nur darum, die Form irgendwie zu erhalten“, so lautete sein Fazit. Wenig glücklich mit diesem Zustand war auch sein Arbeitgeber, die Bundeswehr. Die Sportfördergruppe empfahl ihren Athleten, sich für Sondergenehmigungen einzusetzen. „Als Berufssoldat ist meine Arbeit der Sport“, stellt Trefz klar. Ob er weiter in der Sportfördergruppe bleibt, wird ja auch an Resultaten gemessen. Als „turbulent“ bezeichnet der Weilheimer die vergangenen Wochen. Die Verträge, auch mit anderen Sponsoren, waren ursprünglich bis Olympia 2020 angelegt. Angesichts der Verlegung (siehe Kasten) wird nun allerorten seitens von Geldgebern neu überlegt. Die Rückmeldungen, die Trefz erhielt, seien positiv ausgefallen. Ihm sei vermittelt worden, dass er in Ruhe weiterarbeiten könne und dass keine Kurzschluss-Handlungen erfolgen. „Ich bin optimistisch“, sagt der DLV-Athlet.

Johannes Trefz: Sondergenehmigung „hilft extrem“

Die jetzige Möglichkeit, in Gräfelfing zu trainieren, „hilft mir extrem weiter“, sagt der 27-Jährige. Neben der Tartanbahn steht ihm dort auch ein kleiner Kraftraum zur Verfügung. Angesichts des schon drohenden „Lockdowns“ hätten einige Mitglieder vorab aber Langhanteln und Gewichte mit nach Hause genommen. „Ich musste die Leute anrufen, damit sie die Sachen wieder zurückbringen“, sagt Trefz mit einem Schmunzeln. Das gute Wetter spielt ihm auch in die Karten. „Es sieht also ganz gut aus.“ Noch bis Ostern spult Trefz ein komplettes Trainingslager-Programm ab mit zehn Vollast-Einheiten binnen sechs Tagen. Da ist es allerdings „schade, dass ich alles alleine machen muss“. Die Kontaktbeschränkung gilt freilich auch dort. „Wir halten uns an die Vorgaben“, betont Trefz.

Johannes Trefz: Die Vereinskollegen fehlen beim Training

Bei einem Wettkampf „kann ich allein gegen die Uhr laufen“, erklärt Trefz. Doch bei der tagtäglichen Schinderei ist die direkte Konkurrenz zu Mitstreitern wichtig. Vor allem bei den knallharten Einheiten unter anderem mit Tempoläufen über 5 x 500 Meter „ist es fast unmöglich, sich allein bis an die Grenze zu pushen“. Eingeschränkt ist auch der Kontakt zu den Trainern, Korbinian Mayr (Kraft) und Peter Rabenseifner (Laufen) – eine weitere Hürde im Kampf um die Topform.

Wann er die denn erreichen soll (Stichwort „Trainingssteuerung“) – das ist nun auch so eine Sache, da noch nicht fest steht, wann wieder Wettkämpfe stattfinden können. „Ich hoffe, dass in irgendeiner Form eine Saison stattfindet.“ Der TSV Gräfelfing habe schon angeboten, notfalls selbst ein Event auf die Beine zu stellen. Ein Höhepunkt soll heuer noch die Leichtathletik-EM im August in Paris sein.

Johannes Trefz: Dank an den TSV Weilheim 

Die Umstände sind alles andere als gut, doch insgesamt „brauche ich mich nicht zu beklagen“, sagt Trefz. Eine schöne Nachricht erhielt der Langsprinter von dem Verein, bei dem er seine Laufbahn begonnen hat: dem TSV Weilheim. Von diesem sei er zum Ehrenmitglied ernannt worden. „Das macht mich stolz, und ich bedanke mich dafür herzlich“, so Trefz. In den vergangenen Jahren war er einige Male beim TSV in Aktion – unter anderem als „Stargast“ beim Weilheimer Aulauf und bei einem Sondertraining mit dem Leichtathletik-Nachwuchs.

Johannes Trefz: Der Weg nach Tokio

Seit August 2019 hatte Johannes Trefz alles auf den Juli 2020 mit Olympia in Tokio ausgerichtet. Was den Formaufbau anbelangt, „bin ich noch voll im Fahrplan“ auf den ursprünglichen Termin, sagt er. Nun heißt es umsteuern. Die Spiele sind auf 2021 verschoben,was Trefz als „die absolut richtige Entscheidung“ ansieht. Eine angemessene Vorbereitung auf ein Olympia 2020 sei wegen Corona nicht möglich. Eine Qualifikation möchte Trefz in der 4 x 400-Meter-Staffel (Männer oder Mixed) schaffen. Die Einzel-Norm (sie hat der DLV auf 44,90 Sekunden festgelegt) „ist nicht in meinem Fokus“. Trefz’ Bestzeit liegt bei 45,70 Sekunden. Die Staffeln können sich über die Weltrangliste qualifizieren; die besten 16 dürfen zu Olympia. Die Mixed-Staffel des DLV liegt derzeit auf Rang zwölf. Für sie werden (mit Ersatzläufern) drei Männer und drei Frauen nominiert. Die reine Männer-Staffel liegt in der Weltrangliste noch außerhalb der Top-16.

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