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Alles im grünen Bereich: Laura Sanktjohanser hatte auf der Strecke offensichtlich ihren Spaß. Ihr Freund Nico Damrat (vo.) fungierte als Pacemaker. 
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Spektakulärer Zieleinlauf: Die letzten 100 Meter in der „Ciutat de les Arts i les Ciències“ führen übers Wasser und einen extra für den Marathon errichteten Steg. 
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Laura Sanktjohanser und Nico Damrat auf den letzten Metern der 42,195 Kilometer.
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Zufrieden im Ziel: Laura Sanktjohanser und Nico Damrat. 

Laufsport

Laura Sanktjohansers irres Marathon-Debüt

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Erst vor ein paar Wochen hatte sich Laura Sanktjohanser überreden lassen, ihren ersten Marathon zu laufen. In Valencia war sie dann beste Deutsche.

Peißenberg/Valencia – Auf den berühmten „Mann mit dem Hammer“, der die Marathonläufer in der Regel ab Kilometer 35 ereilt, wartete Laura Sanktjohanser vergeblich. „Das hat mich schon gewundert“, sagte die Peißenbergerin. Ein wenig langsamer war sie vor der ominösen Marke schon geworden, doch auf den letzten sieben Kilometern nahm sie dann sogar wieder Tempo auf. „Da hatte ich ja dann das Ziel vor Augen“, sagte die 23-Jährige mit einem Lachen. Beim Marathon im spanischen Valencia kam die Athletin der „Lauffreunde Pfaffenwinkel“ letztlich zu einem starken Debüt auf der 42,195-Kilometer-Strecke. Nach 3:18:47 Stunden überquerte Sanktjohanser die Ziellinie. Damit war sie Beste von immerhin 54 deutschen Frauen unter den insgesamt rund 22 000 Teilnehmern.

Für die Ergebnisliste spielten nur die Bruttozeiten eine Rolle, Sanktjohansers Platz nach ihrer reinen Laufzeit ist so nicht genau zu ermitteln. Er dürfte so um Rang 170 unter 3337 Frauen liegen. Die Gesamtzeit der Peißenbergerin betrug 3:24:48 Stunden. „Wir sind etwas zu spät zum Start gekommen“, gestand sie. Angesichts des großen Starterfeldes dauerte es nach dem Startschuss eine eben geraume Zeit, bis Sanktjohanser die eigentliche Startlinie passiert hatte. Und auch danach war es im Gedränge „gar nicht so einfach, den eigenen Schritt zu finden“, so Sanktjohanser.

Auf der Strecke wurde die junge Athletin, die in Amsterdam Produktdesign studiert, von ihrem Freund Nico Damrat begleitet. Der 24-jährige Esslinger hat schon zahlreiche Top-Plätze bei überregionalen Laufwettbewerben erreicht. Die deutsche Berglaufmeisterschaft 2018 auf den Brocken hinauf beendete er in den Top-20. Vor wenigen Wochen lief er den Amsterdam-Marathon in 2:47:48 Stunden. Und beim Hapfelmeier-Lauf in Polling gewann er heuer die 10 Kilometer in 33:18 Minuten. Der Auftritt in Valencia war Damrats elfter Marathon, für Sanktjohanser fungierte er als Betreuer und Pacemaker. Angepeilt hatte die Peißenbergerin eine Zeit von 3:30 Stunden. Dass sie nun gewaltige zwölf Minuten schneller war, „habe ich Nico zu verdanken“, sagte sie. Er hatte die Zeiten im Blick, „ich durfte gar nicht auf die Uhr schauen“, so Sanktjohanser mit einem Schmunzeln.

Letztlich gingen beide das Rennen deutlich schneller an als die von Sanktjohanser anvisierten fünf Minuten pro Kilometer. Am Ende kam das Duo auf ein Durchschnittstempo von 4:42 Minuten pro Kilometer (entspricht 12,7 km/h). Das „sind wir recht konstant durchgelaufen“, so die Peißenbergerin. Ab Kilometer 20 spürte die Debütantin, die heuer im Frühjahr ihren ersten Halbmarathon (1:34) gelaufen war, ihren linken Oberschenkel. Bremsen konnte sie das aber nicht. Eine Rolle spielten dabei auch das gute Wetter und vor allem die Atmosphäre. „Die Stimmung war Bombe“, sagte Sanktjohanser. Rund 200 000 Zuschauer, so eine Schätzung der Veranstalter, feuerten die Athleten an. Das zeigte offenbar auch bei den Top-Läufern Wirkung. Der Sieger, der Äthiopier Leul Aleme Gebrsilase, erzielte mit 2:04:31 Stunden eine der schnellsten Marathon-Zeiten des Jahres. Die Top Drei blieben alle unter 2:05 Stunden. Und auch die Frauen-Siegerin, die Äthiopierin Ashete Bekere Dido, war mit 2:21:14 Stunden sehr flott unterwegs.

Sanktjohansers Teilnahme in Valencia kam sehr kurzfristig zustande. Erst vor wenigen Wochen kam ihr Freund mit der Idee daher, man könne ja zusammen noch einen Marathon laufen. „Ich habe erst gedacht, das ist ein Spaß“, so die Peißenbergerin. Die Wahl fiel schnell auf Valencia, doch die Voranmeldung war schon geschlossen. Eine Woche vor dem Wettkampf bekam das Duo doch noch ein Okay, dass es mit zwei Startplätzen geklappt hatte. Sanktjohanser, die ein Praktikumssemester in Aalen absolviert und sich dort einer Laufgruppe angeschlossen hat, ging das Wagnis ein. Ganz problemlos ging ihr Debüt aber auch nicht ab. Nach der Ziellinie „habe ich gedacht, ich kann überhaupt nicht mehr gehen.“

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