Ferdinand Oswald absolvierte alle bisherigen 22 Bundesliga-Spiele der WSG Swarovski Tirol in dieser Saison. Imago Images7Beganovic
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Als Torwart gesetzt: Ferdinand Oswald absolvierte alle bisherigen 22 Bundesliga-Spiele der WSG Swarovski Tirol in dieser Saison.

FUSSBALL

Ferdinand Oswald: Glanzparaden, gehaltener Elfer und Riesenjubel mit der WSG Tirol

  • Paul Hopp
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Seit 2014 spielt Torwart Ferdinand Oswald für den Fußballklub aus Wattens. Mit ihm hat es der Hohenpeißenberger bis in in die österreichische Bundesliga geschafft. Und nun gelang ein echter Coup - in einem dramatischen Finish.

Wattens – Den ganzen Wahnsinn der Schlussphase inklusive Nachspielzeit und die bangen Minuten nach dem Abpfiff packte Ferdinand Oswald in ein Wort: „Tohuwabohu.“ Der Torhüter aus Hohenpeißenberg erlebte am 22. Spieltag der „Tipico Bundesliga“ mit der WSG Swarovski Tirol ein dramatisches Finale des „Grunddurchgangs“, wie die erste Saisonhälfte in Österreich genannt wird. Am Ende schafften die Tiroler tatsächlich den Einzug in die Meisterrunde. „Ein cooles Erlebnis. Wir haben uns riesig gefreut“, berichtet der 30-Jährige.

Ferdinand Oswald packt mit WSG Swarovski Tirol Einzug in Meisterrunde

Drei Teams kämpften und bangten am letzten Spieltag um einen Platz unter den besten sechs. Für die WSG ging es im Heimspiel gegen den Tabellenzweiten SK Rapid Wien darum, den sechsten Tabellenplatz zu halten. Zu den direkten Konkurrenten zählten die Teams RZ Pellets WAC (5./drei Punkte voraus) und der TSV Hartberg (7./einen Punkt zurück). Zunächst lief alles in sicheren Bahnen. Doch dann kassierte Wattens das 0:1 (74.) und parallel machte Hartberg binnen vier Minuten aus einem 1:2-Rückstand eine 3:2-Führung. Die Tiroler waren in Zugzwang, doch die besseren Chancen hatte Rapid. Zweimal klärte Oswald, der für seine Leistung in der Partie auf der Vereinshomepage die Attribute „sensationell“ und „großartig“ verpasst bekam. Der eingewechselte Youngster Tobias Anselm traf für die WSG zum 1:1 (84.). Doch das reichte für die Tiroler zu diesem Zeitpunkt nicht, sie warfen alles nach vorn. Zu allem Überfluss kursierten auf dem Platz falsche Spielstände aus den anderen Stadien. In der Nachspielzeit bekam Rapid einen Strafstoß zugesprochen. Ercan Kara (12 Saisontore) trat an, Oswald parierte mit dem Fuß. Dann war Schluss – und alle blickten gespannt auf den Liveticker an der Videoleinwand. Dort leuchtete schließlich auf, dass Hartberg in der Nachspielzeit das 3:3 kassiert hatte – die WSG war in der Meisterrunde. Vor dem Stadion feierten diverse Tiroler Fans, zündeten Rauchbomben.

Dass es die Grün-Weißen unter die besten sechs der 1. Liga geschafft hatten, ist eine faustdicke Überraschung. In der Saison davor waren sie – als Aufsteiger gestartet – in der Abstiegsrunde Letzter geworden und nur aufgrund des Rückzugs des SV Mattersburg in der höchsten Spielklasse geblieben. Mit der Teilnahme an der Meisterrunde „haben wir nicht gerechnet“, sagt Oswald. In der zweiten Saisonphase „ist es nun einfacher für alle von uns“, so der Stammkeeper. Der Klassenerhalt ist schon gesichert.

Jubel mit dem Team: Ferdinand Oswald (im gelben Torwarttrikot) und seine Kameraden feierten auf dem Spielfeld, als der Einzug in die Meisterrunde feststand.

Im Sommer 2020 gab es einen großen Umbruch, neun Spieler verließen den Klub, der bis 2019 unter dem Namen „Werksportgemeinschaft Wattens“ firmierte. Zunächst hatten die Verantwortlichen damit gerechnet, in der 2. Liga antreten zu müssen. Nach dem Mattersburger Rückzug ergab sich die Chance, erneut in der Bundesliga zu starten. Oswald, seit 2014 im Verein, spricht von einem „kompletten Reset“, der vollzogen wurde. Mit einem verjüngten Kader (das Durchschnittsalter beträgt 24,1 Jahre) treten die Tiroler nun an – und mischten von Beginn an um einen Platz in der oberen Tabellenhälfte mit. Über seine Kollegen ist Oswald voll des Lobes: „Eine coole Mannschaft.“ Mit den Zugängen hielt auch eine Wandlung Einzug: „Wir versuchen, Fußball zu spielen“, sagt der Routinier, der als Kapitän fungiert und mit dem Team den Weg von der Regionalliga bis in die Bundesliga mitmachte.

Ferdinand Oswald spielt seit 2014 im Verein und ist kapitän

Zur Winterpause stand das von Thomas Silberberger trainierte Team (13 Spiele/20 Punkte) als Fünfter gut da. Zu Jahresbeginn schwächelte die WSG, sechs Spiele lang gelang kein Sieg. Besonders bitter war das 2:4 gegen Titelfavorit Red Bull Salzburg: Bis zur 79. Minute führten die Tiroler nach starker Leistung mit 2:1. Mit einem 5:3-Erfolg am vorletzten Spieltag über RZ Pellets WAC bekamen sie noch die Kurve.

Bevor es in der Meisterrunde losgeht (3./4. April), haben Oswald und seine Kollegen aufgrund der Länderspielpause ein paar Tage zum Durchschnaufen. Das weitere Saisonziel „müssen wir erst mal intern definieren“, sagt der Keeper. Auf alle Fälle wolle man unter den Top-Teams „eine gute Rolle spielen“. An guten Tagen, das hat der jüngste Auftritt gegen Salzburg gezeigt, „können wir selbst Red Bull weh tun“. Absolut schade sei, dass wegen Corona keine Zuschauer zugelassen sind. Tirol habe „ein Eventpublikum“, so Oswald. Angesichts des überraschenden Erfolgs wären die Heimspiele in der Meisterrunde sehr gut besucht gewesen. Groß klagen will Oswald aber nicht: „Wir sind froh, unseren Beruf ausüben zu dürfen.“ Übergangsweise absolviert die WSG ihre Heimauftritte im Innsbrucker Tivoli-Stadion. Die eigentliche Heimstatt der Grün-Weißen, das Gernot-Langes-Stadion direkt in Wattens, wird auf ein bundesligataugliches Niveau gebracht.

Ferdinand Oswald ist absolut zufrieden, wie es derzeit läuft

Ferdinand Oswald ist, so wie es derzeit läuft, absolut zufrieden. „Alles tip-top“, sagt er. Die Familie ist mittlerweile angewachsen: Zu Tochter Larissa sind die zweite Tochter Theresa und Sohn Raphael hinzugekommen. Direkt im Stadion können sie den Papa zwar nicht verfolgen, „sie schauen aber fleißig am Fernseher“, sagt Oswald mit einem Schmunzeln. Die Familie fühlt sich wohl in Österreich. Corona sorgt allerdings für große Einschränkungen. Sowohl Eltern als auch Schwiegereltern „waren das letzte Mal im Januar bei uns“, berichtet der Torwart. In Hohenpeißenberg weilte Oswald letztmals im Oktober, als er seinen 30. Geburtstag feierte.

Auch das ist interessant: Die „Peißenberg Miners“ haben für die kommende Bayernliga-Saison das Grundgerüst des Kaders schon beisammen. Triathletin Franca Henseleit aus Steingaden freut sich auf die deutsche Junioren-Meisterschaft, die heuer in Schongau stattfinden soll. Der EC Peiting hat sein erstes Play-off-Spiel in der Oberliga Süd gegen Rosenheim verloren, war dabei aber über weite Strecken gleichwertig.

In der Meisterrunde besteht für die WSG nun sogar die Chance, sich für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. Der Vierte und Fünfte können ein Ticket für die Qualifikationsphase der UEFA Europa Conference League erhalten. Im Jahr 2014, damals spielte er in der U23 des FC Schalke 04, war Oswald beim Champions-League-Spiel der Königsblauen im Achtelfinale bei Real Madrid als Ersatzkeeper dabei.

Für ein Engagement in der deutschen Bundesliga hat es nicht gereicht, auch wenn er auf Schalke überzeugte: 65 Begegnungen absolvierte er binnen zwei Spielzeiten für die zweite Garnitur in der Regionalliga West. In der Saison 2013/2014 blieb er in 32 Spielen 14 Mal ohne Gegentor. Mit 1,83 Metern Körpergröße fällt Oswald jedoch aus dem Such-Raster der deutschen Top-Vereine. „Viele Klubs fangen erst ab 1,87 zu suchen an. Und außerdem war ich damals noch nicht so weit, wie ich es jetzt bin“, wird er in einem Artikel der „Tiroler Tageszeitung“ aus dem Sommer 2019 zitiert. Oswald sagt: „Ich bin glücklich so, wie es gekommen ist.“

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