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Geballtes Interesse: Para-Biathletin Clara Klug wird bei einer Trainingseinheit im Weilheimer Hardt ganz genau beäugt. Gemäß der Infektionsschutzverordnung ist Publikum derzeit bei Training oder Wettkämpfen verboten, doch in diesem Fall „hatten wir legale Zuschauer“, wie Trainer Martin Härtl schmunzelnd anmerkte. Er war es auch, dem der Schnappschuss gelang. 

Biatlhon/Skilanglauf

Clara Klug und Martin Härtl plagen sich im Hardt für die Paralympics

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Wintersportler werden im Sommer gemacht - bei Para-Biathletin Clara Klug ist das nicht anders. Sie und ihr Coach sind dafür auch im Hardt bei Weilheim unterwegs - für ganz spezielle Übungen.

Weilheim – Der Hardt bei Weilheim ist bei Erholungssuchenden sehr beliebt, er ist derzeit aber auch ein Trainingsrevier einer mehrfachen Weltmeisterin. Clara Klug, die bei den sehbehinderten Frauen im Biathlon und Skilanglauf startet, absolviert in diesen Wochen zusammen mit ihrem Guide und Heimtrainer, dem Weilheimer Martin Härtl, regelmäßig Einheiten in dem Gebiet östlich der Kreisstadt. Vor allem zwischen Marnbach und Hardtwiese ist das Duo unterwegs.

Das Geländeprofil im Hardt eignet sich gut für Übungen auf den Skirollern. „Da kannst du sauber Techniktraining machen“, sagt der Coach. Was den Autoverkehr betrifft, „ist es da normalerweise ruhig.“ Zweimal pro Woche sind Klug und Härtl im Umfeld der Kreisstadt unterwegs – auf dem Programm stehen auch das berühmte „Lauf-Abc“ (mit dem man die Lauftechnik verbessert), Schrittsprünge bergauf oder Doppelstock-Einsätze. 

Paralympics: Training in Weilheim, München und Kaltenbrunn

Hinzu kommen Einheiten in München, wo Klug (seit gestrigem Dienstag 26 Jahre alt) wohnt, und am Biathlon-Stützpunkt in Kaltenbrunn. Sechs Mal pro Woche wird trainiert, „am Sonntag ist Pause“, sagt Härtl. „Wir arbeiten zurzeit im Grundlagenbereich.“ Krafttraining an einer Zugmaschine gehört ebenso dazu wie Übungen auf dem Laufband. Dort muss Klug unter anderem auf simulierten zwei Prozent Steigung vier Minuten lang mit exakt 10,5 km/h laufen. Eine kurze Pause, und weiter geht’s – und das mit Wiederholungen.

Paralympics: Die größten Konkurrentinnen kommen aus Russland

Die Corona-Pandemie hat die vergangene Saison abrupt beendet. Der ganze Tross der nordischen Para-Sportler war schon zur Premiere einer reinen Biathlon-WM nach Östersund gereist; Stunden vor dem Start wurden die Wettbewerbe abgesagt. Eine Enttäuschung für Klug und Härtl, die bei der Ski-nordisch-WM im Frühjahr 2019 in Kanada dreimal Biathlon-Gold sowie zweimal Langlauf-Bronze geholt hatten. Denn nach Problemen (Sturz, Krankheit) zu Beginn und während des Winters war das Duo für Östersund „topfit“, wie der Weilheimer sagt. Für die kommende Saison gibt es in Sachen „Wettkämpfe“ eine Grobplanung, doch was wirklich stattfinden kann, weiß derzeit niemand. „Wir stellen uns auf viele Verschiebungen ein“, sagt Härtl.

Paralympics: Klug/Härtl nutzen Corona-Zeit ganz gezielt

Der Trainer, der Klug bei Rennen auch in der Loipe als Guide unterstützt, ihr vorausläuft und sie dabei mit Kommandos anleitet, sieht in der Corona-Pause auch etwas Positives: „Wir nutzen die Zeit, um in aller Ruhe sauber trainieren zu können.“ Der zurückliegende Winter hat gezeigt: Die russischen Frauen, die nach einer Sperre durch das Internationale Paralympische Komitee wieder im Weltcup starten durften, „sind so dermaßen stark“, sagt Härtl. Vera Khlyzova und Anna Panferova dominierten das Geschehen sowohl im Biathlon als auch im Langlauf. Was das Leistungsvermögen von Panferova auf Skiern betrifft, zieht der Coach gar einen Vergleich mit der Norwegerin Therese Johaug, die im FIS-Bereich allen davonläuft.

Um im Kampf um die Medaillen künftig mitmischen zu können, müssen Klug/Härtl ihr Niveau anheben. Das Duo gehört seit vorigem Herbst der Trainingsgruppe „Spitzensport“ der Bayerischen Polizei an. „Das hilft gigantisch. Dadurch konnten wir die Umfänge nach oben fahren“, sagt der Coach. Auf 20 Stunden reine Trainingszeit kommt das Duo mittlerweile. Nicht darin enthalten sind Vor- und Nachbereitung (Physiotherapie etc.) und die Anfahrten.

Kein Top-Platz ohne gute Schießergebnisse  

Mit der Linie München- Weilheim-Kaltenbrunn halten sich die Wege relativ im Rahmen. „Wir sind fast in einem Idealzustand“, sagt Härtl. Am Biathlon-Stützpunkt übt Klug mit Trainer Herbert Mayer. Der „ist eine Koryphäe“, lobt Härtl. Jemanden „mit so einer Erfahrung findest du selten.“ Die sehbehinderten Biathleten schießen zwar mit einem Lichtgewehr, doch die Abläufe sind dieselben wie beim Kleinkaliber. Ein Unterschied: Klug zielt mit den Ohren. Die Nähe zum Ziel wird mittels Kopfhörer und über einen sich verändernden Ton angezeigt. Dem Schießen kommt eine hohe Bedeutung zu, da im kommenden Winter die Distanzen wieder auf die herkömmlichen Längen (Sprint: 6 Kilometer, Mitteldistanz 10 Kilometer, Einzel: 12,5 Kilometer) verkürzt werden. Um ganz vorn dabei zu sein, „musst du die Null bringen“, sagt Härtl.

Ab September beginnt für Klug/Härtl wieder die Zeit es Reisens

Bis Ende August will das Duo sein Programm durchziehen. Danach sind erste Leistungstests in Oberwiesenthal geplant. Anfang September soll es ins Höhentrainingslager gehen – ob nach Livigno oder ins Kühtai, das steht noch nicht fest. Die ersten Einheiten auf Schnee sollen im November absolviert werden. Fraglich ist, was Corona alles zulässt.

Der wahre Fokus liegt aber nicht auf dem kommenden Winter, auch wenn in Lillehammer eine WM ansteht. „Ich schaue auf die Paralympics 2022“, sagt Härtl. Bei den Spielen in Peking wollen er und Klug dann auf Augenhöhe mit den Russinnen sein. In Südkorea hatten die Deutschen schon aufgetrumpft.

Weltcup-Kalender: Einer ersten Planung zufolge startet der Ski-nordisch-Weltcup der paralympischen Athleten im Dezember in Östersund. Zudem gibt es Wettbewerbe in Planica, Peking (Paralympics-Test) und Sapporo. Im Februar steigt die Ski-nordisch-WM der paralympischen Athleten mit Biathlon und Skilanglauf in Lillehammer.

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