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Bilden derzeit eine „Sport-WG“: Martin Härtl und Clara Klug in der Wohnung des Weilheimers. Die Zugvorrichtung an der Sprossenwand dient zu Kraftübungen. 
Clara Klug hält sich bei der Abfahrt am Stock von Guide Martin Hartl fest.
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Das Duo in Aktion: Clara Klug hält sich bei der Abfahrt am Stock von Guide Martin Hartl fest.
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Trainingslager in Seefeld: Clara Klug und Martin Härtl.
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Auch Spaß muss sein: Clara Klug und Martin Härtl kurz vor dem Weltcup-Auftakt in Canmore.
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Eine Szene aus dem Trainingslager in Livigno. Unterwegs mit neuen Skieren.
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Clara Klug mit Helfern kurz nach ihrer Daumenverletzung in Canmore.
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Clara Klug und Martin Härtl auf der Loipe.
Clara Klug nimmt nach dem Schießen wieder die Stöcke in die Hand, um das Rennen wieder aufzunehmen. Das Foto entstand bei der WM in Finsterau.
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Clara Klug nimmt nach dem Schießen wieder die Stöcke in die Hand, um das Rennen wieder aufzunehmen. Das Foto entstand bei der WM in Finsterau.

Behindertensport

„Im Tunnel“ in Richtung Paralympics

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Medaillen bei den Paralympics - das ist das Ziel von Para-Sportlerin Clara Klug und Guide Martin Härtl. Das Duo hat derzeit seine Basis in Weilheim.

Weilheim – Oberhof, Livigno, Seefeld, Canmore: Para-Biathletin/Langläuferin Clara Klug (23) und ihr Begleitläufer, der Weilheimer Martin Härtl (42), waren in der Vorbereitung und beim ersten Weltcup nur in den Hotspots der Szene unterwegs. Derzeit befindet sich das „Basislager“ des Duos, das bei den kommenden Paralympics in Pyeongchang zu den Medaillenkandidaten zählt, allerdings in Weilheim – in Sachen „Wintersport“ eher Diaspora. In der Wohnung Härtls haben die Behinderten-Athletin und der Guide eine „Sport-WG“ installiert. Das Krafttraining geht im Wohnzimmer über die Bühne, dort hat Härtl allerlei Gerätschaften parat.

Es mache Sinn, diese Phase gemeinsam zu absolvieren, sagt Härtl, der auch Klugs Coach ist. Das Training lasse sich so gezielter und auch flexibler steuern. Der Fokus der beiden liegt ohnehin schon auf dem März, der Zeit der Paralympics. „Man ist bereits in einem Tunnel. Es ist einfacher, das zusammen zu erleben“, sagt der Zollbeamte. Klug, die eigentlich in München wohnt und dort Computerlinguistik studiert, profitiert auch in anderer Hinsicht von der Konstellation: „Ich brauche mich nicht noch zusätzlich auf den Alltag zu konzentrieren.“

Einkäufe und Hausarbeit fallen für sie weg bzw. werden von Härtl erledigt. Die sehbehinderte Klug schafft derlei Tätigkeiten zwar selbst, „aber bei mir dauert es halt immer etwas länger“. So bleibt mehr Zeit fürs Training, das derzeit meist in Kaltenbrunn stattfindet. Und das ist anstrengend. „Es sind jetzt noch einmal große Umfänge möglich“, sagt Härtl. Januar und Februar „sind für uns massive Arbeitszeit“, sagt Klug. Blöd also, dass sich Klug Mitte Dezember beim Weltcup-Auftakt im kanadischen Canmore eine Kapselverletzung am rechten Daumen zugezogen hat. Die Verletzung „kam zu einem verflucht dummen Zeitpunkt“, so Klug.

Bei jedem Stockeinsatz drückt die Schlaufe auf die lädierte Stelle – entsprechend musste das Training dosiert werden. Längere Zeit musste die Athletin ihre Langlaufeinheiten ganz ohne Stöcke absolvieren. Um die Belastung auf den Daumen so gering wie möglich zu halten, wird Klug beim kommenden Weltcup in Oberried im Schwarzwald (20. bis 28. Januar) komplett auf die Langlauf-Wettbewerbe verzichten und nur die Biathlon-Rennen bestreiten.

Ein Gutes hatte die Daumenverletzung zumindest: „Wir konnten die Trainingsreduktion nutzen, um am Schießen zu arbeiten“, so Härtl. In Canmore leistete sich Klug im Sprint überraschend drei Fehlschüsse. „Das ist eine Schwäche, die ich aus dem letzten Jahr nicht kenne“, sagt die Münchenerin. Um die Schwäche zu beheben, arbeitet sie in diesen Tagen mit Herbert Mayer zusammen. Er ist Gesamttrainer des Zoll-Ski-Teams und Leiter des Stützpunktes in Mittenwald. Dem Zoll-Ski-Team gehören die meisten deutschen Top-Biathleten an, unter anderem Laura Dahlmeier und Simon Schempp. Mayer „hat sich mein Schießen angeschaut und mich auf Details hingewiesen“, sagt Klug.

Die Norm für die Paralympics haben sie und Härtl schon längst in der Tasche, und dennoch ist der Weltcup im Schwarzwald einer, auf den das Duo vom „Nordic Para-Skiteam Deutschland“  besonders gespannt ist. Denn es gibt Ähnlichkeiten zum Ablauf im März bei den Paralympics. Das heißt: Die Athleten kommen aus einer längeren Wettkampf-Pause. Und die Biathlon-Rennen beginnen gleich mit dem Sprint, in dem Klug sich sehr wohl fühlt. „Wir können also unter Realbedingungen testen“, sagt Härtl. „Das ist hervorragend.“

Beim Weilheimer lief in körperlicher Hinsicht im Vorfeld der Saison auch nicht alles rund. Am 21. April 2017 wurde – Nachwehen eines Trainingsunfalls – eine Platte aus dem linken Fußgelenk entfernt. Die OP in Murnau und auch der Genesungsprozess verliefen gut. Doch im Sommer traten plötzlich Probleme auf, der Fuß war ständig geschwollen. „Ich habe lange gekämpft, um wieder zurückzukommen“, sagt Härtl. Vor der (für alle deutschen Kader-Athleten verbindlichen) sportmedizinischen Untersuchung war er sich nicht sicher, ob er den Test auf dem Laufband bestehen würde: „Der Fuß hat gestochen, es war alles blockiert.“ Doch kurz vor dem Test ging es wieder aufwärts, „das war erstaunlich“. Der Fuß ist derzeit zwar getaped, doch Training und Wettkampf kann Härtl bestreiten. Als Begleitläufer muss er immer ein Stück besser sein als der Athlet. Denn im Rennen ist es seine Aufgabe, vorauszulaufen, Kommandos zu geben und die Konkurrenz im Auge zu behalten. Was seine reine Leistungsfähigkeit betrifft, „bin ich besser drauf als in Finsterau“, sagt Härtl. Im vergangenen Februar holten er und Klug im Bayerischen Wald schon drei Medaillen. Für die Paralympics lässt das einiges erhoffen.

Über Doping und die Russen

Doping und ein möglicher Ausschluss russischer Athleten von Olympia ist auch im Behindertensport ein großes Thema. Bei den Paralympics 2016 in Rio waren russische Sportler komplett ausgeschlossen. Für die Paralympics in Pyeongchang steht eine Entscheidung noch aus. Mehrmals wurde der Termin verschoben, Ende Januar soll kundgetan werden, ob russische Sportler starten dürfen. Die Hinhalte-Taktik nervt die Athleten der anderen Nationen im Bereich „Ski Nordisch“: Athletensprecher Mark Arendz (der Kanadier gewann bislang zwei Paralympics- und acht WM-Medaillen) hat einen Brief an das IPC (International Paralympic Committee) geschickt. Darin werden unter anderem klare Maßnahmen gefordert. „Wir brauchen mal eine klare Ansage. Alles andere ist uns und auch den russischen Athleten gegenüber unfair“, sagt Clara Klug.

Im Ski-Nordisch-Weltcup der Behinderten dürfen russische Athleten unter neutraler Flagge starten. Klug trat in Canmore gegen Mikhalina Lysova an, die im McLaren-Report genannt ist. Früher sei Lysova angesichts ihrer Erfolge ein Vorbild für sie gewesen. „Das muss ich revidieren.“ Für Klug ist klar: „Doping geht mit meiner Vorstellung von Leistungssport nicht einher.“ Was die Paralympics betrifft, sagt Guide Martin Härtl: Sportler, die im McLaren-Report stehen, „sollten definitiv nicht starten dürfen“. Es brauche klare Sanktionen, aber auch einen klaren Plan, wie man sich als überführter Sportler rehabilitieren kann.

Klug und Härtl ärgert, dass in manchen Ländern der Anti-Doping-Kampf lax gehandhabt wird. „Wir deutsche Athleten schränken uns massiv ein, um sauberen Sport zu betreiben“, sagt Klug. Allerwelts-Medikamente wie „Aspirin Komplex“ und „Wick Medinait“ können sie zum Beispiel nicht nehmen, denn die Wirkstoffe darin sind im Wettkampf verboten. Beide müssen im ADAMS-System auch stets angeben, wo sie sich aufhalten, bzw. müssen binnen einer Stunde den angegebenen Ort erreichen können. „Ich empfinde das als Überwachung“, sagt Härtl. Anders als ein Profi-Radrennfahrer betreibt das Duo den Sport praktisch als Hobby. Härtl arbeitet beim Zoll, Klug ist Studentin (Computerlinguistik). Der Weilheimer wurde 2017 einmal kontrolliert, um 6 Uhr früh stand der Kontrolleur vor der Tür. Klug wurde 2017 zweimal kontrolliert.

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