Sascha Pirke im Ziel beim Trans Gran Canaria Run auf der Advanced-Strecke über 65 Kilometer.
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Glücklich im Ziel: Sascha Pirke landete auf der Advanced-Strecke über 65 Kilometer (2566 Höhenmeter) im Vorderfeld. Die Distanz lief er in 6:08:21 Stunden.

LAUFSPORT

Sascha Pirke und sein Kampf auf Gran Canaria

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Gran Canaria ist als Urlaubsinsel bekannt, zieht aber auch Sportler an. Sascha Pirke nahm am „Trans Gran Canaria“-Lauf teil. Er schaffte ein Top-Ergebnis, die letzten Kilometer waren aber purer Kampf.

Gran Canaria – Sascha Pirke war vollkommen geschafft, aber die Freude musste schon noch raus. Beim finalen Schritt über die Ziellinie ballte er beide Fäuste und ließ den Emotionen freien Lauf. Der Neuzugang des TSV Penzberg hatte beim Lauf-Event „Trans Gran Canaria“ eine Leistung geboten, die TSV-Trainer Markus Brennauer als „sensationell“ einstufte.

Pirke (31) belegte auf der „Advanced“-Distanz mit 65 Kilometern und 2566 Höhenmeter den elften Platz unter 214 Finishern. Am Ende fehlten dem Ultraläufer, der sowohl in Dachau als auch in Garmisch-Partenkirchen beheimatet ist, nur 18 Sekunden auf einen Top-Ten-Platz.

Der wurde ihm vom Russen Anton Samokhvalov rund zwei Kilometer vor dem Ziel noch entrissen. Zu diesem Zeitpunkt war das Pirke „recht herzlich egal – ich war vollkommen im Arsch“, sagte er unverblümt. Ganz klar überwog beim Ultraläufer die Freude: Der elfte Rang „innerhalb internationaler Konkurrenz kann sich echt sehen lassen und ich bin stolz auf die Leistung“, berichtete Pirke. Für die Strecke von Artenara nach Maspalomas benötigte der TSV-Athlet 6:08:21 Stunden. Den Gesamtsieg holte sich der Spanier David Prades Monfort ganz überlegen in 5:47:12 Stunden. Das Zeitlimit, um in die Wertung zu kommen, betrug 15 Stunden.

Sascha Pirke orientiert sich an den Elite-Läufern

Aufgrund der Corona-Pandemie war das Wettkampfformat angepasst worden, die Läufer wurden einzeln, in einem Fünf- bis Zehn-Sekunden-Abstand, auf die Strecke geschickt. Pirke, der 2019 beim Zugspitz-Ultratrail Vierter in seiner Altersklasse geworden war, orientierte sich sofort an den spanischen und französischen Elite-Läufern. „Ich habe einen nach dem anderen der vor mir gestarteten Läufer überholt“, so der Trailläufer. An der ersten Verpflegungsstation, nach zwölf Kilometern und 700 Höhenmetern auf und ab, befand er sich an der zwölften Stelle. Dort verlor er dann aber Zeit. Aufgrund der kalten Temperaturen – am Start herrschten fünf Grad Celsius, Nieselregen und starker Wind – konnte er nur mit großer Mühe seinen Rucksack und die darin enthaltenen Gel-Packungen öffnen. „Meine Finger waren quasi eingefroren, sodass ich erst nach einigen Minuten wieder weiter laufen konnte.“

Daumen hoch: Sascha Pirke trotzte im Lauf auch den schwierigen Witterungsbedingungen.

Die verlorenen Plätze machte er aber im zweiten Anstieg hinauf in Richtung des Roque Nublo (1744 Meter Höhe) wieder gut. An der zweiten Verpflegungsstation, sie lag in Garanon, blieb er nicht stehen, auch, weil das Wetter mit Temperaturen um den Gefrierpunkt und Wind sehr ungemütlich waren. „Beschissener kann man das Wetter mit den kurzen Klamotten nicht treffen“, so Pirke. Die rund 1000 Höhenmeter hinunter nach Tunte absolvierte Pirke richtig flott. „,Ballern‘ mit Dauergrinsen“, war angesagt, berichtete der TSV-Athlet.

Bei der nächsten Verpflegungsstation lief alles reibungslos, der nächste kurze Gegenanstieg wurde in Windeseile erklommen. „Den Beinen ging es besser als gedacht, dafür machte mir langsam mein Magen zu schaffen“, so Pirke. „Das nächste Gel gab meinem Magen den Rest. Von da an konnte ich nur noch Wasser zu mir nehmen, aber keine Kohlenhydrate mehr.“ Er wollte unbedingt verhindern, wegen Magenproblemen aussteigen zu müssen. Noch aber lagen knapp 20 Kilometer und 1500 Höhenmeter bergab vor ihm, inklusive einiger Gegenanstiege. „Ich wusste, dass es nun hart werden würde“, so Pirke. In dieser Rennphase lag er auf Rang acht.

Sascha Pirke muss auch gegen Magenprobleme ankämpfen

13 Kilometer vor dem Ziel schlossen dann zwei Läufer von hinten auf, die er nach dem letzten Downhill davonziehen lassen musste. Auf den letzten 5 Kilometern in Richtung Expomeloneras kämpfte er nicht nur mit seinem Körper, sondern auch mit der Psyche. Der Abschnitt „auf der stupiden Schotterpiste, dem künstlichen Bachbett und dem dauerhaften Gegenwind machten es zu meinem persönlichen Kampf“, so Pirke. Den gewann der Ultraläufer schließlich. Und Pirke hat auch schon wieder andere Läufe im Blick: „Auf zum nächsten Abenteuer…“, so lautet sein Schlusswort.

Infos zum Wettbewerb: Das Lauf-Event Trans Gran Canaria, das quer über die gleichnamige spanische Insel vor der afrikanischen Atlantikküste führt, gibt es seit 2013. In diesem Jahr standen insgesamt acht Wettbewerbe auf dem Programm. Die Königsstrecke ist die WAA 360 mit 262 Kilometern und 11 007 Höhenmetern. Die Advanced-Strecke (65 Km/2566 Hm), die Sascha Pirke lief, ist die drittlängste im Angebot. 206 Männer und 35 Frauen kamen auf der Distanz ins Ziel. Die Top-Zeiten liefen David Prades Monfort (Spanien) mit 5:47:12 Stunden und Maryline Nakache (Frankreich) mit 6:32:34 Stunden. Insgesamt waren heuer 16 Männer und elf Frauen aus Deutschland mit dabei. Andreas Kohlhund vom SV Söchering hatte in den Jahren 2015, 2017 und 2019 am „Trans Gran Canaria“ teilgenommen. Vor zwei Jahren lief Kohlhund den Trans-GC-Wettbewerb (128 Km/7400 Hm) in 27:28:57 Stunden, was den 429. Platz unter knapp 800 Frauen und Männern bedeutete

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