Jung und erfolgreich: Finn Kenter (rechts) und seine Crew haben bereits bewiesen, dass sie trotz ihres noch zarten Alters in der H-Boot-Klasse oben mitmischen können.
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Jung und erfolgreich: Finn Kenter (rechts) und seine Crew haben bereits bewiesen, dass sie trotz ihres noch zarten Alters in der H-Boot-Klasse oben mitmischen können.

Segeln: Junge Seeshaupter Crew in der H-Boot-Klasse erfolgreich

Youngster Finn Kenter mischt in Bootsklasse der erfahrenen Segler munter mit

  • vonChristian Heinrich
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In der Klasse „H-Boot“ sind vor allem arrivierte Segler anzutreffen. Die Ausnahme macht Finn Kenter: Der 20-jährige Seeshaupter und seine Crew mischen dort munter mit.

Seeshaupt – Der Name ist Programm: „Kia ora“ heißt das Boot von Finn Kenter, was in der Sprache der Maori, der Ureinwohner Neuseelands, so viel wie „Grüß Gott“ oder „Hallo“ bedeutet. Dass der Skipper vom Yachtclub Seeshaupt mit dem Boot seiner Eltern in der H-Boot-Klasse einfach mal „Servus“ sagte, sorgte schon für etwas Aufsehen. Denn mit seinen 20 Lenzen zählt Kenter zu den mit Abstand jüngeren Exemplaren in einer Bootsklasse, die vor allem von etwas gesetzteren Herrschaften dominiert wird.

Doch Kenter und seine Crew kommen gut an, schließlich ist man sich in der Szene bewusst, dass Blutauffrischung nötig ist. „Alle freuen sich, dass junge Leute in die Klasse kommen“, bedankt sich der Steuermann für die freundliche Aufnahme. Im vergangenen Jahr hat der Student den Arrivierten demonstriert, dass er nicht nur gekommen ist, um die Regattenlisten aufzufüllen, sondern um ernsthaft mitzumischen. „Ich wusste, dass es mit Leistungssport und Studium zu schwierig wird“, sagt Kenter. Der 20-Jährige bezeichnet seinen Entschluss, H-Boot zu segeln, am Ende als eher pragmatisch.

Segeln: Finn Kenters Crew ist ambitioniert und lernwillig

Nach seiner erfolgreichen Zeit im Optimist und im 420er stieg er in den olympischen 470er um. Sein Potenzial war und ist groß. Doch wie sollte er eine erfolgreiche Kampagne im Viersieben mit seinem Studium der Luft- und Raumfahrttechnik verbinden? Seine bodenständige Entscheidung bescherte der H-Boot-Klasse eine ambitionierte und lernwillige Crew, die im vergangenen Sommer schon fleißig auf sich aufmerksam machte. Beim Robert-Huber-Pokal in Tutzing wurde sie Sechste und bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft auf dem Baldeneysee vor den Toren von Essen Achte. In der aktuellen Rangliste behauptet sie sich auf dem 33. Platz. Die nächsten Nachbarn heißen Christian „Kicker“ Schäfer, Walter Pulz und Kay Niederfahrenhorst, allesamt Schwergewichte in der Branche.

Segeln: Zur Crew gehört auch Finn Kenters jüngerer Bruder Lasse

Während seine Kollegen ihre Teams mit erfahrenen Vorschotern gespickt haben, wählte Kenter eher eine experimentelle Lösung, die auf juvenile Dynamik setzt. Das Durchschnittsalter der Crew beträgt gerade einmal 20 Jahre. Philipp Frieß (20) und Merlin Gnutzmann (21) brachten nicht die großen Meriten mit an Bord. Aber irgendwie konnte Kenter ihnen hervorragend vermitteln, um was es geht. „Beide haben es schnell verstanden“, stellte er fest. Den Rest erledigt Lasse Kenter (18), der für den Trimm zuständig ist. „Lasse und ich sind viel leistungsmäßig gesegelt“, bezeichnet Finn Kenter seinen jüngeren Bruder als wichtigen Faktor. „Wir wissen, was der andere denkt und wie er reagiert.“ Das letzte Wort hat jedoch der ältere der Kenter-Brüder. Am Ziel sieht sich die Mannschaft längst noch nicht. „Es gibt viele Sachen, die wir noch lernen können“, so Finn Kenters Einschätzung. Er bezeichnet sich und seine Mitstreiter noch als Lehrlinge.

Segeln: Finn Kenter und seine Crew erhalten Unterstützung aus dem eigenen Verein

An Meistern, die ihr Equipment oder ihr Wissen bereitwillig weitergeben, mangelt es nicht. Vereinskollege Peter Zauner hat der Crew schon mal bei einer Regatta ein Großfall geliehen und damit die Probleme gelöst, die die Jungen mit dem Setzen und Bergen des Segels hatten. Dirk Stadler verabredete sich im vergangenen Frühjahr mit dem Team sogar am Gardasee zu einem Segellehrgang. Nur machte die Corona-Pandemie der aktuellen Nummer eins der Rangliste sowie den anderen Seeshauptern einen Strich durch die Rechnung. Angetan von der Unterstützung war Kenter trotzdem: „Es ist wahnsinnig hilfreich für uns, wenn die alten Hasen mit uns auf dem Gardasee fahren“, freute er sich über das Angebot.

Ob sich das Training heuer nachholen lässt, steht angesichts der europaweit hohen Infektionszahlen mit Covid-19 noch in den Sternen. Wenn nicht, bleibt die Hoffnung auf die eine oder andere Wettfahrt vor der eigenen Haustür. „Es ist für uns natürlich ein Riesenprivileg, am Starnberger See fast jedes Wochenende im Sommer eine Regatta segeln zu können“, ist Kenter froh darüber, dass es an quantitativ und qualitativ starker Konkurrenz im hiesigen Revier nicht fehlt. Auch die Platzhirsche werden nichts dagegen haben, wenn er mit seinem Boot wieder „kia ora“ sagt.

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