Siegerehrung im Zweierteam-Mixed-Wettbewerb beim Race around Niederösterreich
+
Jubel bei der Siegerehrung: Gerhard und Tina Steinl (links) belegten in der Zweier-Mixed-Wertung den zweiten Platz.

RADSPORT: Reutenhausener bei „Race around Niederösterreich“

600 Kilometer nonstop auf dem Rad: Ehepaar Steinl meistert sein erstes Ultrarennen

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
    schließen

Das „Race around Niederösterreich“ ist eine spezielle Herausforderung: 600 Kilometer gilt es nonstop zu absolvieren. Tina und Gerhard Steinl aus Deutenhausen wagten eine Teilnahme - und waren am Ende überglücklich.

  • Das „Race around Niederösterreich“ ist ein spezielles Ultrarennen für Radsportler.
  • Tina und Gerhard Steinl aus Deutenhausen nahmen bei der jüngsten Auflage teil.
  • Das Ehepaar meisterte das Ultrarace, bei dem es heuer zwei Rekorde gab.

Deutenhausen – Der schlicht gehaltene Holzwürfel mit eingebranntem Logo und dem Wort „Finisher“ ist nicht schwer und passt locker in eine Hand. Für Tina und Gerhard Steinl hat diese Trophäe aber mindestens so viel Gewicht wie der mehrere Kilo schwere Pflasterstein, den der Sieger beim Profi-Klassiker Paris-Roubaix überreicht bekommt. Das Ehepaar aus Deutenhausen hat erstmals ein Ultrarennen bestritten – und dabei sogar einen Podestplatz belegt. Das „Race around Niederösterreich“ beendeten Tina und Gerhard Steinl als Zweite in der Zweier-Mixed-Wertung.

Rund 600 Kilometer mit 6000 Höhenmetern galt es nonstop zu absolvieren. Das Zeitlimit betrug 24 Stunden. Die Steinls schafften es in 21:11 Stunden. Das Sieger-Team kam auch aus Deutschland: Jennifer Pothmann (Schechen) und Peter Scherrer (Sauerlach) von den „Maloja Pushbikers“ absolvierten die Strecke in 19:59 Stunden. Beide haben bei diversen Radrennen schon Top-Platzierungen erreicht, Pothmann etwa war 2016 deutsche Meisterin der „Jedermänner“ (Radsportler ohne Lizenz).

Race around Niederösterreich: 600 Kilometer und über 6000 Höhenmeter

Um die bloße Platzierung ging es Tina und Gerhard Steinl bei ihrem Debüt bei so einem Ultra-Wettbewerb nicht in erster Linie. Beide haben zwar schon 24-Stunden-Rennen absolviert, aber stets auf Rundstrecken. Das „Race around Niederösterreich“ ist da eine ganz andere Kategorie mit speziellen Herausforderungen und Schwierigkeiten. „Die wollten wir ausloten – und das gemeinsam“, so das Ehepaar in einer Mitteilung.

Ähnlich wie beim bekanntesten Vertreter dieser Veranstaltungen, dem „Race across America“, an dem 2016 der Pähler Rainer Göttmann teilgenommen hat und mit seinem Team finishte, sind in Niederösterreich die Teilnehmer mit einem hinter ihnen fahrenden Begleitfahrzeug in Aktion. Allein schon dieser Umstand – die Betreuer im Fahrzeug übernehmen die Navigation, die Kommunikation erfolgt über Funk – war für Tina und Gerhard Steinl etwas Ungewohntes. Und dann musste auch noch eine Renntaktik ausgetüftelt werden. Wann wird gewechselt? Wer bleibt wie lange auf dem Rad? Derlei Fragen galt es zu klären.

Race around Niederösterreich: Ehepaar Steinl bei den Zweier-Teams auf Platz zwei

Vorbereitet hat sich das Ehepaar Steinl konsequent. Mitte Mai begannen die ersten „Testfahrten“. Ohne eine funktionierende Technik und eingespielte Abläufe – unter anderem bei den fliegenden Wechseln – „ist so ein Unterfangen unmöglich“, so Tina Steinl. Dreimal spulten die beiden Radfahrer, die als „Team Orbea Germany“ antraten, mit ihren Begleitern, Manuela Kirchner und Robert Eßer eine Simulation ab. Zweimal waren sie in der Gegend um den Ammersee unterwegs, einmal probten sie auf einer 200-Kilometer-Schleife im Allgäu und in Vorarlberg.

Derart vorbereitet, traten das Ehepaar und die Begleiter die Reise zum Ausgangspunkt nach Weitra. Die Nervosität stieg stetig an, „wir waren froh, als es dann endlich los ging“, berichteten die Deutenhausener. Wirklich angenehm waren die Bedingungen nicht: Beim Start um kurz nach 20 Uhr herrschten Temperaturen um die zehn Grad Celsius, während der Nacht sanken sie auf drei Grad. Alle zwei Stunden erfolgte ein Wechsel; sowohl Tina als auch Gerhard Steinl fuhren jeweils einen Schnitt von über 30 km/h. Damit machten sie auf die Konkurrenz schnell Zeit gut. Das „Race around Niederösterreich“ führt von Weitra aus im Uhrzeigersinn über Hohenau, Semmering, und Ybbs zurück in die 2700-Einwohner-Gemeinde im Bezirk Gmünd. Der Streckenverlauf führt an den Landesgrenzen entlang und gleicht einem Halbkreis.

Glücklich im Ziel: Die Fahrer Tina und Gerhard Steinl (samt ihren Trophäen) mit Robert Eßer und Manuela Kirchner, die das Begleitauto steuerten.

Als spannend empfanden es beide, was so während eines Einsatzes auf dem Rad im Kopf abläuft. „Oft denkt man nichts, man ist mit seinem Rad und sich allein und fährt fokussiert.“ Zugleich müsse man aber auch „immer in sich hineinhorchen, dass man nicht überpaced und auch achtsam ist – auf den Verkehr aber auch auf das Material und vor allem auch auf seinen Körper“. Einmal zu wenig essen oder trinken, so etwas kann schnell zu einem Problem werden (Stichwort „Hungerast“). Aufs Material konnte sich das Ehepaar verlassen. Vom Ausrüster bekamen die Deutenhausener Rennräder mit elektronischer Schaltgruppe, Scheibenbremsen, ¦Carbon-Laufrädern in Tubeless-Ausführung. Das Duo kam ohne Defekt durch die Tour. Und auch körperlich lief es zufriedenstellend.

Im Anschluss an die Nacht „kamen die Höhenmeter“, so Tina Steinl. In Se¦r 378, wartet die erste Bergankunft. Bei der Auffahrt war es sehr windig. Danach ging es an der Schwarza entlang. Ab Scheibs „wurde es immer hügeliger und unrhythmischer“, berichtete das Duo. Die letzten 220 Kilometer „wurden zu einem Kraftakt“. Die Wechsel erfolgten nun stündlich, doch groß in Bedrängnis kamen die beiden Rennradfahrer nicht mehr. Auf das drittplatzierte Duo, die Österreicher Gabi Schreiblehner und Franz Triebl, hatten sie im Ziel 48 Minuten Vorsprung. Eines ist für Tina und Gerhard Steinl klar: „Im nächsten Jahr werden wir uns dieser Herausforderung noch mal stellen.“ Die Anmeldung für das nächste „Race around Niederösterreich“ (7./8. Mai 2021) ist schon wieder geöffnet.

Radfahren als Team-Sport: Das Foto zeigt Gerhard Steinl während dem „Race around Niederösterreich“ und dahinter das Begleitfahrzeug, das für die Navigation zuständig war.

Den Sieg bei den Männern in der Einzelwertung holte Extremsportler Christoph Strasser (37). Der Österreicher, sechsfacher Sieger beim „Race across America“, siegte in der Rekordzeit von 17:30 Stunden. Bei den Frauen triumphierte Elena Roch mit 22:36 Stunden – auch sie unterbot die bisherige Rekordzeit, und zwar um 35 Minuten.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare