Luftpistolen-Team der SG Raisting aus dem Jahr 2019
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Die Waffe haben sie erst einmal weggesperrt: Die Raistinger Luftpistolenschützen (hier eine Aufnahme von 2019; von links Thomas Flakus, Hermann Illgen, Philipp Mößmer, Ulrich Kranz, Dirk Munker und Helmut Weichart) widmen sich derzeit anderen Dingen.

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Sportler im Lockdown: Motorsäge reparieren oder Kutschen fahren

  • vonChristian Heinrich
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Die Schützen sind derzeit - wie so viele Sportler - vom Corona-Virus ausgebremst. Die Mitglieder des Luftpistolen-Teams der SG Raisting nutzen die Freizeit für unterschiedliche Dinge.

Bernried/Raisting – Es sind die kleinen Dinge, die den Alltag eines Sportschützen in der Corona-Zeit etwas angenehmer machen. In diesen Tagen bekam Thomas Flakus seine Luftpistole vom Hersteller Pardini mit dem Vermerk zurückgeschickt „sehr gut gepflegt“. Das Lob der Inspekteure löste bei der Nummer eins der SG Raisting eine Zufriedenheit aus, wie es sonst nur ein Wettkampfergebnis jenseits der 380 Ringe schafft. „Das hat mich sehr gefreut“, bedankte sich der 57-jährige Bernrieder artig.

Dass Flakus seine Waffe mitten im Winter zur Kontrolle schicken kann, zeigt, was momentan in der Branche los ist: nämlich so gut wie nichts. Die Saison in der 1. und 2. Bundesliga wurde im September abgesagt. Da die Bestimmungen für den Lockdown in Bayern von Monat zu Monat immer strenger werden, ist das Schützenheim in Raisting verwaist. Alle Vereinsschießen wurden abgesagt. „Das Vereinsleben liegt darnieder“, bedauert der Luftgewehrschütze der SG diese Entwicklung, die angesichts der Umstände jedoch unvermeidlich ist.

SG Raisting: Andere Aktivitäten stehen derzeit im Vordergrund

Trainiert hat Thomas Flakus in den vergangenen Wochen gar nicht mehr. Stattdessen kümmert er sich um andere Hobbys, für die an den Wochenenden nun mehr Zeit bleibt. Es spielt Gitarre oder Saxophon und repariert mit mehr oder minder großem Erfolg seine Motorsäge. „Das macht trotzdem Spaß“, insistiert er. Während er so vor sich hinmusiziert und hinschraubt, bekommt er kaum noch Nachrichten von seinen Teamgefährten. Philipp Mößmer kümmert sich zurzeit ausschließlich um Arbeit und Familie, Dirk Munker fährt mittlerweile Kutsche.

Ganz abgerissen ist der Kontakt zu Helmut Weichart und Uli Kranz. „Ihm tut es sicherlich sehr weh, dass er nicht schießen kann“, so Flakus. Er befürchtet, dass Kranz in eine tiefe Depression verfällt. Bis Anfang November war Hermann Illgen der einzige Raistinger Schütze, der noch aktiv gewesen ist. Der Routinier trainierte zusammen mit Silke Westermann, die im Sommer vom Weilheimer Frohsinn zur Schützengilde stieß. Seine Schülerin erwies sich als überaus lernfähig und verzeichnete Ergebnisse zwischen 370 und 376 Ringen. Aber mittlerweile sind die Übungsstunden wegen Corona eingestellt. „Mit ihr hätten wir in dieser Saison schon ein bisschen mitmischen können“, so Flakus. Der Bernrieder ist überzeugt, dass Westermann dem Team erheblich weitergeholfen hätte. Aber so machte Corona dem Zweitligisten einen Strich durch die Rechnung.

SG Raisting: Hoffen auf die Meisterschaften

Die Hoffnungen ruhen nun allein auf der Meisterschaftssaison, die im nächsten Frühjahr beginnen soll. Wie und ob das überhaupt möglich ist, weiß niemand angesichts steigender Infektionszahlen in ganz Deutschland. „Mir gehen die Wettkämpfe schon ein bisschen ab“, räumt Flakus ein. Vor allem das Beisammensein mit seinen Teamkollegen vermisst er. Daran wird sich in den kommenden Wochen nichts ändern. Ab dem heutigen Mittwoch gelten in ganz Bayern verschärfte Corona-Regeln. Flakus wird in seinem Keller weiter nach dem richtigen Ton bei seinen Instrumenten und seiner Motorsäge suchen dürfen.

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