Der Aqua-Trainer auf der Reitanlage Hohenleiten in Aktion.
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Wassertreten ganz modern: Auf der Reitanlage in Hohenleiten steht seit einigen Monaten ein „Aqua-Trainer“. Das Foto zeigt Johannes Burgmann, Betreiber der Reitanlage, und Meike Weber, Ausbilderin und Vielseitigkeitsreiterin, sowie die Stute „Wanda“ , die gerade eine Einheit in dem Trainer absolviert.

REITEN: Modernes Equipment in Hohenleiten

Aquatraining bringt Sportpferde auf Trab

  • Paul Hopp
    VonPaul Hopp
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Sportpferde in Form zu bringen, das ist eine echte Herausforderung. Wie bei menschlichen Athleten kommt dabei auch modernes Gerät zum Einsatz. Auf der Reitanlage in Hohenleiten steht so etwas: ein Aqua-Trainer.

Hohenleiten – Die zwei saftigen Karotten, die in einer Schüssel bereit liegen, sind als Lockmittel gar nicht nötig. Gemessenen Schrittes und ganz locker am Zügel geführt, betritt „Wanda“ das metallene, weiße Ding, das aussieht, wie ein oben offener Container. Die Türen vorn und hinten werden geschlossen, eine Steuerung wird bedient – und dann geht’s los.

„Wanda“ fängt an, auf einem Laufband zu marschieren, ein paar Momente später ist ein Plätschern zu vernehmen. Immer höher steigt das Wasser, bis ab etwa der Höhe der Knie der Zufluss stoppt. Die braune Stute hält den Kopf entspannt, hebt aber deutlich sichtbar die Beine und muss richtig werkeln, um den Wasserwiderstand zu überwinden und zugleich den Schritt zu halten. Genau diese Muskelarbeit ist auch der Sinn des „Aqua-Trainers“.

Aqua-Trainer ermöglicht speziellen Muskelaufbau

Seit dem Frühjahr steht so ein Gerät auf der Reitanlage in Hohenleiten (zwischen Penzberg und Beuerberg gelegen). Meike Weber leitet dort die Ausbildung. Als Vielseitigkeitsreiterin tritt sie für die „Pferdefreunde Fischen“ aus Pähl auf internationalen Turnieren an. Sie selbst ist vom „Aqua-Trainer“ mittlerweile überzeugt, denn für ihr Top-Pferd „Kiaora“ (Rufname „Guz“) hat er, was die Fitness und den Muskelaufbau betrifft, „einen Boost gebracht“, sagt Weber. Nachweisen lässt sich dieser Effekt auch in nüchternen Resultaten: Bei der jüngsten bayerischen Meisterschaft in der Vielseitigkeit haben Weber und „Guz“ zusammen die Bronzemedaille gewonnen. Ein Erfolg, auf den die Reiterin stolz ist: „Man wird wieder mehr wahrgenommen“, ist ihre Beobachtung. Über so eine Medaille „freut sich jeder Reiter“.

Wassertreten ganz modern: Auf der Reitanlage in Hohenleiten steht seit einigen Monaten ein „Aqua-Trainer“. Dort können Pferde gelenkschonend ihre Fitness verbessern und Muskeln aufbauen. Die Fotos zeigt die Stute „Wanda“ in Akltion.

Gegenüber den CCI-Events davor in dieser Saison habe sich die zehnjährige Stute in Hambach besser präsentiert. In Dressur und Springen „war sie top“, sagt Weber. Im Gelände des Drei-Sterne-Wettbewerbs wurde das Duo von den Wertungsrichtern gestoppt. Da ein Paar vor ihnen ein Hindernis „abgeräumt“ hatte, mussten Weber und „Guz“ etwa auf Mitte der Strecke anhalten. Erst, nachdem das Hindernis wieder ordnungsgemäß stand, durften sie weiterreiten. Die Situation ist durchaus knifflig: Die Herzfrequenz des Pferdes muss heruntergefahren und danach, wenn es wieder losgeht, hochgefahren werden. Je fitter ein Pferd, so Weber, desto besser funktioniert so etwas. Und „Guz“ war sofort wieder auf Betriebstemperatur. „Auch ein Zeichen, dass das Fitnesstraining angeschlagen hat“, sagt die Reiterin.

Im Aqua-Trainer absolvieren Pferde Einheiten bis zu 30 Minuten

Ein Turnierauftritt im Juni in Kreuth mit einem 18. Platz gab den Ausschlag dafür, dass Weber das Trainingsprogramm für ihre Stute umstellte – und selbst gezielt aufs neue Equipment der Reitanlage zurückgriff. Bei ihrem Pferd war seinerzeit „die Fitness nicht so vorhanden“. Ein Grund war auch, dass wegen Corona fast alle kleineren Turniere in Bayern ausfielen. Dadurch entfielen Möglichkeiten, Form aufzubauen für internationale Turniere. Um das Manko zu beheben, kommt der „Aqua-Trainer“ gerade recht. Die Vorteile: Im Wasser werden die Gliedmaßen geschont, und durch den Widerstand erhöht sich zugleich der Trainingseffekt. Eine Einheit im Wasser zwischen 20 und 30 Minuten ist laut Weber vergleichbar mit zwei Stunden herkömmlichem Reiten. Speziell in der Vielseitigkeit „müssen wir viel trainieren und so können wir die Menge herunterfahren“, sagt Weber. Den Tieren kommt das zugute. „Das oberste Ziel ist ja, dass das Pferd seine Sportkarriere gesund übersteht“, betont die Ausbilderin.

Pferde sind ebenfalls Sportler, und man muss sie auch so behandeln.

Ausbilderin Meike Weber über die Sinnhaftigkeit von modernem Equipment beim Fitness- und Muskelaufbau.

In Hohenleiten stehen neben dem „Aqua-Trainer“ eine Vibrationsplatte (zur Muskelentspannung) und ein Solarium zur Verfügung. Südlich von München ist das in der Art einzigartig, sagt Johannes Burgmann, der Betreiber der Reitanlage. Das Equipment (die Geräte zusammen kosten etwa 100 000 Euro) ist für Einsteller und auch externe Pferdebesitzer nutzbar. Eine tierärztliche Kontrolle und Betreuung ist vor Ort vorhanden. Die Gewöhnung ans Gerät schaffen die Tiere in der Regel schnell. Für viele Reiter sind solche Methoden Neuland – eine gewisse Skepsis ist vorhanden, weiß Weber.

„Wanda“ hat nach etwa 20 Minuten ihr Programm für diesen Tag abgespult. Während das Wasser aus dem Innenraum abgepumpt wird und in eine Filteranlage läuft, dreht sich das Laufband weiter. Als es anhält und die Vordertür geöffnet wird, schnaubt die Stute einmal kurz. Dann lässt sie sich von Burgmann in Richtung der Boxen führen. Ein wenig wirkt sie wie ein Fußballer, der geschafft vom Trainingsplatz kommt. „Sie weiß, was sie heute gemacht hat“, sagt Burgmann. Dabei lächelt er anerkennend.

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