Verena Haller (RFV Weilheimer Pferdefreunde) und ihre Stute „Carry Anne“ bei der bayerischen Meisterschaft 2021 in München-Riem.
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Alle Aufgaben souverän gelöst: Verena Haller (RFV Weilheimer Pferdefreunde) und ihre Stute „Carry Anne“ glänzten bei der bayerischen Meisterschaft bei den Jungen Reitern mit insgesamt vier Nullfehler-Ritten.

REITEN

Verena Haller: Warum die bayerische Meisterin bei Olympia besonders auf Japans Equipe blickt

  • Paul Hopp
    VonPaul Hopp
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Springreiterin Verena Haller und „Carry Anne“ - das ist ein Erfolgsduo. Bei der bayerischen Meisterschaft holten sich die beiden Gold im Springen der Jungen Reiter. Bei Olympia blickt die 19-Jährige heuer auch auf die japanischen Springreiter. Uns hat sie verraten, warum.

Huglfing – Auf „Carry Anne“ kann sich Springreiterin Verena Haller (19) verlassen – umso mehr, wenn ein Ritt auf dem „Hufeisenplatz“ ansteht. Das große Rasengeläuf auf der Olympia-Reitanlage hat die zwölfjährige Stute einfach ins Herz geschlossen. „Sie liebt München-Riem“, sagt Haller – und fügt schmunzelnd hinzu: „Ich habe das Gefühl, sie springt dort nochmal ein Stück besser.“

Die These untermauerten bei den jüngsten bayerischen Meisterschaften auch die reinen Zahlen: In den drei S*-Springen (Finale mit zwei Umläufen) der Jungen Reiter blieben Haller und „Carry Anne“ ohne Fehlerpunkt, wurden einmal Zweite und zweimal Erste. Das Ergebnis sei „fantastisch“, freute sich die 19-Jährige. Damit holte sich die Reiterin des „RFV Weilheimer Pferdefreunde“ zum wiederholten Mal den Titel. Mit „Carry Anne“ hatte sie davor in München-Riem schon in den Jahren 2019 (bei den Junioren I) und 2017 (Junioren II) die Goldmedaille gewonnen. 2018 gab es Silber.

Haller holt Goldmedaille nach schwierigem Saisonstart

Der jetzige Erfolg ist für die Huglfingerin umso schöner, da er eher überraschend kam. „Es war ein schwieriger Saisonstart.“ Da waren zum einen die Beschränkungen durch Corona, zum anderen bremste im Frühjahr auch noch das Equine Herpes-Virus den Reitsport in ganz Europa für mehrere Wochen aus. Zu allem Überfluss fiel „Carry Anne“ wegen einer Verletzung für geraume Zeit aus. Die Blessur war „nix Schlimmes“, berichtet die Huglfingerin. Doch für Haller war klar: Bevor sie mit „Carry Anne“ wieder ein Turnier bestreitet, „muss sie erst komplett fit sein“. Im Hinblick auf die bayerischen Meisterschaften avancierte das Ganze zu einem Wettlauf gegen die Zeit, zumal Haller wegen einer kurzfristig notwendig gewordenen OP am Blinddarm selbst außer Gefecht war.

Letztlich bot sich für die Huglfingerin und ihr Toppferd nur eine Chance, die Form zu testen, und zwar im österreichischen Stadl-Paura. Dort lief es mit drei Nullfehlerritten glänzend: In den Prüfungen über 1,35 und 1,40 Meter hohe Hindernisse belegte das Duo jeweils den dritten Rang, im Springen über 1,25-Meter-Hindernisse stand der zehnte Platz zu Buche. Haller war von ihrem Pferd eingedenk der langen Pause beeindruckt: „Sie springt das so locker.“ Nach diesem geglückten Comeback war auch für ihren Coach, Landestrainer Martin Schäufler (Gilching), klar: „Wir fahren nach Riem, um dort eine Medaille zu gewinnen, schließlich ist Verena eine sehr erfahrene Reiterin.“ Seit fünf Jahren trainiert Haller mittlerweile bei Schäufler. Mit ihm und anderen seiner Schützlinge geht es oft im Team zu Turnieren.

Ganz allein war Verena Haller zu Beginn des Jahres auf einer ganz speziellen Erfahrungstour: Die 19-Jährige durfte ein mehrmonatiges Praktikum bei Paul Schockemöhle in Mühlen (Niedersachsen) machen. Auch „Carry Anne“ war mit dabei. „Ich konnte richtig viel lernen“, sagt die angehende Studentin der Tiermedizin. Auf der Anlage habe sie „ganz normal mitgearbeitet“ und verschiedene Pferde geritten. „Es war echt super, mitzuerleben, wie so ein Riesenbetrieb läuft.“ Der Schweyerhof bei Huglfing, auf dem Verena Haller mit ihren Eltern und Bruder Nikolaus Pferde züchtet und betreut, ist da doch ein gutes Stück kleiner. Und doch gilt auch daheim: „Es ist immer was los“, sagt die junge Reiterin schmunzelnd.

Verena Haller, Springreiterin der „Weilheimer Pferdefreunde“ aus Huglfing (hier eine Archivaufnahme aus dem Jahr 2020).

Auf Paul Schockemöhle selbst, den großen Impresario des deutschen Reitsports, traf Haller in Mühlen auch. Der mittlerweile 76-Jährige war während ihres Aufenthalts „sehr oft am Stall“, berichtet die Huglfingerin. Die Gespräche verliefen aber nur kurz: „Da gab’s ein ,Hallo‘, mehr nicht.“ Schockemöhles stete Präsenz direkt bei den Ställen und Pferden hatte auch damit zu tun, dass sich, just als Haller ihr Praktikum absolvierte, die Akteure des japanischen Springreiterteams in Mühlen auf Olympia vorbereiteten.

Gemeinsames Training mit Japans Olympia-Reitern

Die Spring-Equipe der Gastgeber ist mit einigen Schockemöhle-Pferden ausgestattet: So ist der 13-jährige Wallach „Chanyon“ mit Daisuke Fukushima im Parcours unterwegs, der zwölfjährige Hengst „Chilensky“ tritt mit Koki Saito im Sattel an. Haller hatte die Gelegenheit, mit den Japanern mitzutrainieren. „Es war sehr interessant zu sehen, wie die das machen und wie es bei den ,Großen‘ abläuft“, sagt sie. Die japanischen Olympia-Reiter lernte sie dabei auch persönlich kennen. „Die sind alle supernett.“ Ein wenig wird sie also auch den Söhnen Nippons die Daumen halten, wenn demnächst in Tokio die Wettbewerbe der Springreiter (von 3. bis 7. August) über die Bühne gehen. Bei Olympia ist in Sachen „Reitsport“ heuer auch wieder Olaf Petersen aus Pähl mit von der Partie.

Ein sportlicher Höhepunkt für Verena Haller wäre heuer noch die Teilnahme an der deutschen Jugend-Meisterschaft. Die steht von 9. bis 12. September in Darmstadt auf dem Programm. Eine Nominierung ist laut Haller wahrscheinlich, aber noch nicht fix. Notwendig sind immer auch eine gewisse Zahl an Platzierungen in S-Springen. Fürs kommende Wochenende hat die Huglfingerin Starts in Wiener Neustadt angepeilt – dort soll auch die Grand-Prix-Prüfung (1,50 Meter) in Angriff genommen werden.

Sollte es wider Erwarten mit der Jugend-DM nichts werden, so ist Haller sportlich weiter gefordert. Denn neben „Carry Anne“ hat sie mit „Luftikus Brilliant“ (7) und „Venezia“ (10) weitere Turnierpferde. Mit beiden war sie heuer unter anderem in Lamprechtshausen (Österreich) durchaus erfolgreich unterwegs. So gelang ihr mit „Venezia“ im U25-Grand-Prix (1,40 Meter/mit Stechen) ein beachtlicher dritter Rang. Und „Luftikus Brilliant“ bewies sich bei Springen bis zu 1,30-Meter-Hindernisse. So ist Haller mit der bisherigen Saison – trotz oder sogar wegen der Schwierigkeiten zu Beginn – „sehr zufrieden“.

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