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Höchstschwierigkeit perfekt gezeigt: Karina Peisker vom TSV Weilheim in der Spirale-Kür. Die große Herausforderung besteht darin, dass die Füße und die Hände am unteren Reifen platziert sind.
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Gemeinsam Erste: Karina Peisker (r.) und Franka Eiche nach dem Mehrkampf.
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Karina Peisker in der Gerade-Kür.
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Freude nach dem Mehrkampf: Karina Peisker (Mi.) mit Heimtrainerin Sandra Ryschka (links) und Landesfachwartin Brigitte Brauner.
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Karina Peisker mit ihren Medaillen.

Rhönrad

Karina Peisker: Abi-Stress und WM-Triumph

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Karina Peisker hat bei der WM in der Schweiz mit 3 x Gold und 1 x Bronze richtig abgeräumt. Ein besonderes Ergebnis, vor allem, da sie noch Abi hatte.

Weilheim – Eigentlich hatte Karina Peisker für diese Weltmeisterschaften gar keine Zeit. Ausgerechnet in der Woche, als die Titelkämpfe im schweizerischen Magglingen (Berner Seenland) stattfanden, standen zwei Abiturprüfungen auf dem Programm. In einem wahren Kraftakt – mit Hin- und Herpendeln zwischen der Schweiz und der Schule – schaffte die 18-Jährige es, beides unter einen Hut zu bringen. Und nicht nur das: Die Rhönradturnerin vom TSV Weilheim avancierte zur erfolgreichsten Athletin bei den Juniorinnen, holte dreimal Gold und einmal Bronze. „Mehr war nicht rauszuholen“, sagte Trainerin Sandra Ryschka. Was sie an Peisker beeindruckte, war deren Sicherheit: „Sie hat zu keinem Zeitpunkt so gewirkt, als ob etwas schiefgehen könnte.“

Ein gewisser Druck war schon da. Peisker hatte vor zwei Jahren bei ihrem WM-Debüt zwei Medaillen gewonnen (Bronze im Mehrkampf, Silber im Spirale-Finale) und obendrein die Qualifikations-Wettkämpfe gewonnen. „Da steigen dann die Erwartungen“, sagte Ryschka. Doch ihr Schützling präsentierte sich als absolut nervenstark. Im Mehrkampf zeigte sie eine starke Leistung und holte sich – punktgleich mit ihrer deutschen Dauerrivalin Franke Eiche (Darmstadt) – die Goldmedaille.

Peisker turnte zum Auftakt in der Disziplin „Sprung“ einen Rückwärtssalto gestreckt mit ganzer Schraube. Dafür gab es gleich einmal den Tageshöchstwert von 7,95 Punkten. In der Gerade-Kür (11,20) und der Spirale-Kür (10,70) lag sie nur ganz knapp hinter Eiche zurück. Auf die Konkurrenz aus den Niederlanden und Israel hatten die beiden Deutschen insgesamt zwei Punkte Vorsprung. „Die wenigsten schaffen es, das Niveau in allen drei Disziplinen durchzuhalten“, so Ryschka.

Mit ihrem Resultat hatte sich Peisker souverän für alle drei Gerätefinals (die besten Sechs aus dem Mehrkampf, höchstens zwei pro Nation) qualifiziert. Sie stellen den Höhepunkt bei einer WM dar. Aber erst einmal stand für die Freisingerin die Rückreise nach Deutschland an, denn es galt, ihre nächste Abiturprüfung (Deutsch) zu absolvieren. Postwendend ging es in die Schweiz zurück.

Im Sprung-Finale zeigten fünf der sechs Starterinnen ganze Schrauben mit gebücktem oder gestrecktem Salto – also eine Höchstschwierigkeit. Peisker gelang dies zusammen mit der Israelin Inbar Armoni am besten: Mit jeweils 7,95 Punkten holten sie Gold vor der Niederländerin Marinde Smolders (7,90).

Im Spirale-Finale entwickelte sich ebenfalls ein Dreikampf. Da der Boden extrem glatt war, hatten viele Athleten Probleme. Doch Peisker „hat super-sauber geturnt“, sagte Trainerin Ryschka. Sie zeigte sogar Spagatspiralen auf dem unteren Reifen. Mit 0,25 Punkten Vorsprung auf Eiche und 0,7 Punkten Abstand auf die Israelin Tamar Barak holte die TSV-Turnerin ihr drittes Gold. In der Gerade-Kür liegen alle Athletinnen für gewöhnlich nah beieinander. Und so war es auch diesmal, zwischen Rang eins und vier lagen nur 0,15 Punkte Unterschied. Für Peisker gab es dort hinter Tomer Schusheim und Barak (beide Israel) Bronze.

Unterstützt und angefeuert wurde die Turnerin von ihrer Familie und einem Tross des TSV Weilheim. Max Brinkmann, der 2015 bei der WM Gold und Bronze gewonnen hatte, fungierte als Kampfrichter. Florian Weiß, Celina Sinner und Paulina Resch arbeiteten als Volunteers, Evelyn Heck und Xenia Selbach waren ebenfalls in der Organisation tätig. Nina Beerbohm und Julia Durmann waren als „Schlachtenbummler“ dabei, wie Ryschka sagte. Die Heimtrainerin von Peisker erfuhr bei diesen Titelkämpfen eine besondere, unerwartete Ehrung: Für gewöhnlich stehen die Coaches aus den Vereinen bei einer WM im Hintergrund, die Bundestrainer haben vornehmlich das Sagen. Doch diesmal erhielten nach dem Mehrkampf auch die Trainer der Medaillengewinner eine Plakette. „Geturnt hat natürlich Karina. Aber man freut sich schon drüber. Es ist der Lohn für die Zeit, die man investiert“, sagte Ryschka. Damit Peisker an der WM teilnehmen konnte, gab es vom TSV-Hauptverein auch eine finanzielle Unterstützung.

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