Routine sticht! Sechzig siegt dank Oldie-Toren bei Grünwalder-Rückkehr

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Setzt als Sportler auf Hightech und als Landwirt auf Althergebrachtes: Rupert Sedlmayr aus Wessobrunn hat 25 Stück Mastvieh, die den Sommer über auf der Weide sind. In der (spärlichen) Freizeit betreibt er Triathlon. 

Rupert Sedlmayr im Porträt

Naturliebhaber mit viel Power

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Wessobrunn - Rupert Sedlmayr (45) aus Wessobrunn ist Landwirt und als Triathlet und Läufer bekannt. Wir haben ein Porträt über ihn.

Tritt Rupert Sedlmayr an die Startlinie, dann hat er stets einen ungleichen Kampf zu führen. Dort die schlacksigen Leichtgewichte, da der 1,92 Meter große und 92 Kilo schwere Sedlmayr. In den Ergebnislisten spiegelt sich dieser Nachteil nicht wider. Bei seinen Einsätzen im Triathlon und reinen Läufen ist der 45-Jährige vom Post SV Weilheim regelmäßig weit vorn zu finden. Und eine weitere Besonderheit findet sich bei seinen Leistungen: „Es glaubt mir keiner, dass ich das mit so wenig Aufwand schaffe.“

Meist geht er einmal in der Woche laufen, direkt vor Wettkämpfen vielleicht zweimal. Und auf dem Rad spulte er im gesamten vergangenen Jahr gerade einmal 1400 Kilometer ab. „Für andere ist das nix“, sagt er und lächelt – was er übrigens sehr oft im Gespräch tut. Dass Sedlmayr dennoch topfit ist, liegt einfach daran, dass er öfter körperlich schwer arbeitet.

Der 45-Jährige ist Landwirt, seinen Hof, der etwas außerhalb von Wessobrunn an einem steilen Hang liegt, mit insgesamt 28 Hektar bewirtschaftet der Junggeselle ganz allein. Den Lebensunterhalt verdient Sedlmayr mit 25 Stück Mastvieh, dem Verkauf von Bio-Heu und einer Photovoltaik-Anlage. „Ich brauche nicht viel“, sagt er. Ohnehin gilt für ihn: „Lieber einfacher leben und die Schöpfung achten.“ Nahrung aus Massentierhaltung kommt für ihn nicht in Frage. „Die Umwelt schützt man auch über die Ernährung“, so Sedlmayr.

In die Tenne baut er derzeit zwei Wohnungen, die er später vermieten möchte. Dabei macht er so gut wie jeden Handgriff selbst. Auf dem Hof, auf dem auch seine Mutter (81) wohnt, hat er schon immer gewerkelt, gebaut, renoviert. „Das macht mir Spaß. Außerdem hat man eine Wertschöpfung für sich selbst“, sagt er. Und wie geschickt er handwerklich ist, sieht der Besucher allein schon, wenn er in der gemütlichen, mit viel Holz gestalteten Küche sitzt.

Für Sedlmayr ist es „wichtig, dass kleine Landwirtschaften erhalten bleiben“. Dass der Landwirt seinen Arbeitsplatz quasi zu Hause hat und sein eigener Herr ist, ist für ihn „ein Luxus“, wie er sagt. Einfach zu bewerkstelligen ist das alles aber auch nicht. Bis vor fünf Jahren hatte er noch Milchkühe. Das wurde auf Dauer dann doch zu viel. „Allein kannst du das nicht lange machen. Du musst ja 365 Tage da sein.“ Und mit einem Hobby wie Triathlon lässt sich die Milchviehwirtschaft so gut wie gar nicht unter einen Hut bringen. Seinerzeit kam es öfters vor, dass er in der Früh die Kühe gemolken und ausgetrieben hat, dann zu einem Wettkampf gehetzt und nach dem Zieldurchlauf gleich wieder heimgefahren ist. „Das wäre mir jetzt zuviel Stress.“

Den Drang, sich zu bewegen, hatte Rupert Sedlmayr schon immer. „Von Kindesbeinen an wollte ich kräftig sein und habe auf dem Hof bei der Arbeit Gas gegeben. Es hat mir einfach Spaß gemacht, mich auszupowern.“ Sportlich sind auch die beiden Geschwister, die ältere Schwester Gertrud und Zwillingsbruder Martin, die beide ebenfalls in Wessobrunn bzw. Haid wohnen und für den Post SV Weilheim starten. Über seinen Bruder kam Rupert Sedlmayr vor gut zwölf Jahren zum Triathlon. „Er hat angefangen, und ich habe mir gedacht: Da möchte ich mitziehen.“

Die Mitteldistanz (1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen) gehört zum Repertoire, im kommenden Jahr möchte der Wessobrunner in Roth seine erste Langdistanz (3,8/180/42,2) anpacken. „Das sind gleich vier Disziplinen“, sagt Sedlmayr. Denn um die Distanz zu schaffen, „musst du es schaffen, dir Nährstoffe zuzuführen“. Gels und isotonische Getränke verträgt Sedlmayr nicht so gut. Er hat daher ein eigenes Wettkampf-Getränk kreiert. Bestandteile sind Pfefferminztee, Kamillentee, selbst gemachter Apfel- und Traubensaft sowie alkoholfreies Bier und Wasser. „Das vertrage ich besser als Getränkepulver.“

Sehr fix ist Sedlmayr auf dem Rad und beim Laufen. In der Kombination, dem Duathlon, gewann er 2015 in seiner Altersklasse den bayerischen Meistertitel. Einen 10-Kilometer-Lauf absolviert er ohne größere Probleme in 38 Minuten. Beim Schwimmen setzt Sedlmayr – absolut ungewöhnlich – auf die Brusttechnik. „Immer noch“, wie er mit spitzbübischem Grinsen sagt. Er ist dennoch schneller als viele andere, die durchs Wasser kraulen. Der Nachteil: „Ich brauche mehr Kraft.“ Triathlon ist für ihn der optimale Sport: „Ich habe drei Disziplinen und bin in der Natur.“ Und die Wettkämpfe sind für ihn auch „eine gesellschaftliche Sache“, wie er sagt: „Man trifft Leute, die die gleiche Einstellung haben.“ Für ihn gilt: „Es macht Spaß, wenn ich vorn lande. Ich komme mir deswegen aber nicht toll vor.“ Trotzdem habe er das Bedürfnis, mit einer guten Leistung darzustellen, „dass meine Art zu leben vielleicht nicht ganz verkehrt ist“.

Bevorzugt startet er bei Wettbewerben in der Region. „Wenn einer hier schon etwas durchzieht, sollte man es auch unterstützen.“ Das kann dazu führen, dass er an einem Wochenende zweimal startet – so wie im April, als er am Samstag den Trail-Run in Andechs absolvierte und am Sonntag beim Au-Lauf in Weilheim antrat. Im Vergleich zu schwerer körperlicher Arbeit „ist ein normaler Lauf keine übermäßige Belastung“.

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