Schachbretter in einem Turnier mit schwarzen und weißen Figuren.
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Symbolbild zum Thema „Schach“.

Schach: Nachspiel zur Kreismeisterschaft

Schachklub Weilheim wehrt sich gegen den Verdacht des Betrugs

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Im Nachgang zur Kreis-Einzelmeisterschaft ist ein Spieler des SK Weilheim aus der Ergebnisliste gestrichen worden. Der SK fürchtet, dass der Ruf des Vereins darunter leidet. Der Fall zeigt die Schwierigkeit in Sachen „Online-Schach“.

Landkreis – Computer machen vieles einfacher – aber manchmal wird es durch sie auch erst richtig kompliziert. Der „Schachkreis Zugspitze“ hat, durch Corona dazu gezwungen, seine Einzel-Kreismeisterschaft erstmals nicht in einer Präsenz-Veranstaltung, sondern als Online-Turnier ausgerichtet. „Die Nachfrage war mit 116 Anmeldungen in mehreren Klassen erfreulich hoch“, so Thomas Lengfeld, 2. Vorsitzender des Schachkreises. Allerdings: In der Meisterklasse 2 wurde das Ergebnis nachträglich verändert. Der Erstplatzierte, ein Spieler des Schachklubs (SK) Weilheim, wurde aus der Liste gestrichen. Es steht der Verdacht im Raum, dass während des Turniers unerlaubt Schach-Software zum Einsatz kam. Der SK Weilheim fürchtet, dass der Ruf des Vereins darunter leidet und verweist auf die Unschuldsvermutung.

Schachprogramme zur Unterstützung sind im Turnier verboten

Klar ist: Während Turnierpartien ist den Spielern der Einsatz von PC-Schachprogrammen zum Zwecke der Unterstützung untersagt. Das Turnier wurde auf der Plattform „Lichess“ ausgetragen. Der Schachkreis machte in der Ausschreibung darauf aufmerksam, dass „Unterschleif nicht akzeptiert wird und die Partien durch ,Lichess‘ im Hintergrund auf verdächtiges Verhalten analysiert werden“. Die durch den Betreiber – also „Lichess“ – vorgegebenen Nutzungsbedingungen seien einzuhalten. Diese sehen laut Lengfeld „unter anderem vor, dass alle Partien mit Hilfe stärkster Algorithmen auf Normabweichungen hin überprüft und bei Verstößen durch den Betreiber sanktioniert werden“.

Plattform „Lichess“ untersucht Partien mit Algorithmen

In der Meisterklasse 2 wurde der Spieler des SK Weilheim – er hatte mit 6,5 Punkten den ersten Platz belegt – durch den Betreiber nachträglich mit dem Vermerk gesperrt, dass er „gegen die Schach-Server-Nutzungsbedingungen verstoßen“ habe. Dies stelle „keinen Beweis für einen Betrug dar, veranlasste jedoch die Turnierleitung, die errungenen Ergebnisse zu überprüfen“, erklärt Funktionär Lengfeld. Nach Rücksprache mit dem Betroffenen habe die Turnierleitung entschieden, den Spieler aus der offiziellen Ergebnisliste zu nehmen. Lengfeld betont: Dem Spieler wird kein Betrug im Sinne der „offline“-Spielordnung seitens des Schachkreises Zugspitze vorgeworfen. Der Server-Betreiber hingegen hat den Protest des Spielers abgelehnt – und zwar mit einem „Standardschreiben“.

Der Schachklub Weilheim hat, so der Zugspitzkreis, gegen die Entscheidung, den Spieler aus der Ergebnisliste zu streichen, fristgerecht Protest eingelegt. Der für die Behandlung zuständigen Stelle verbleiben nach der Spielordnung bis zu sechs Wochen Zeit für eine Entscheidung. „Eine solche wurde bis dato nicht getroffen“, so Lengfeld.

Protest ist eingelegt, Entscheidung noch nicht gefallen

Der Schachklub Weilheim steht auf dem Standpunkt, dass man den Spieler nicht aus der Liste streichen könne, wenn keine Beweise vorliegen. Man müsse schon erwarten, „dass eine Begründung geliefert wird“, sagt SK-Pressebeauftragter Thomas Lochte. „Der Schach-Kreis macht hier keine gute Figur.“ Für den Verein ist die Angelegenheit ärgerlich: „Da kursiert dann das Gerücht, dass einer von uns betrogen hat“, sagt Lochte. Bis das Gegenteil bewiesen ist, „gilt die Unschuldsvermutung“. Der Spieler, der jegliche Schuld von sich weist, hat selbst Protest eingelegt. Allzu viel Energie für seinen Platz in der Ergebnisliste möchte er nicht mehr investieren. Für ihn habe sich „die Sache erledigt“, berichtet Lochte.

Um künftig Verstöße oder Fälle von Sperrungen durch einen Schach-Server „einfacher sanktionieren zu können, wird die bereits erstellte Turnierordnung für Online-Schach der kommenden Kreisversammlung zur Abstimmung vorgelegt“, teilt Lengfeld mit. Vergleichbare Fälle wie der bei der Einzelmeisterschaft seien bisher im Kreis nicht bekannt, „nicht zuletzt, weil das Thema ,Online-Schach‘ erst seit Mitte 2020 an Bedeutung gewonnen hat“.

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