+
Könner des königlichen Spiels: Thomas Lochte (re., im schwarzen Pulli) vom SK Weilheim hat mit seinem Verein schon in der 2. Liga gespielt. Das Foto zeigt ihn bei einem Wettkampf gegen den FC Bayern München.

Schach

Online-Schach ist Hobbyspielern „unbedingt zu empfehlen“

  • schließen

In Corona-Zeiten können Schachspieler auf Online-Angebote ausweichen - und tun dies auch. Oberliga-Spieler Thomas Lochte sieht die Möglichkeit im Internet positiv, auch und gerade mit Blick auf Hobbyspieler. 

Weilheim – Beim Schachklub Weilheim ist er in der ersten Mannschaft eine regelrechte Institution: Thomas Lochte. Der 63-jährige Feldafinger hat mit dem Verein den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft und spielt derzeit in der Oberliga Bayern. Lochte bringt es bislang in seiner Laufbahn auf über 3000 Turnierpartien – er nahm an Open-Wettbewerben auf der ganzen Welt teil. Hier äußert er sich im Interview.

Welche Programme gibt es, online Schach zu spielen?

Lochte: Es gibt verschiedene Plattformen. Wenn man in einer Suchmaschine die Wörter „Internet“ und „Schach“ eingibt, tauchen tausende von Möglichkeiten auf. Und jeder, der eine bestimmte Plattform nutzt, erzählt dir die Vorteile seiner Wahl.

Welche Plattform nutzen Sie – und warum?

Lochte: Ich spiele auf www.flyordie.com. Die Plattform ist bedienungsfreundlich, man trifft auf Spieler aus aller Welt. Es ist zu jeder Tages- und Nachtzeit immer einer da, der eine Partie spielen will. Ich absolviere Blitzpartien, entweder mit zwei oder fünf Minuten Bedenkzeit. Man spielt unter einem Nickname – meinen verrate ich aber nicht (lacht).

Seit wann nutzen Sie so ein Angebot?

Lochte: Ich spiele schon – unabhängig von Corona – seit geraumer Zeit online Blitzpartien. Durch die Pandemie hat es aber tatsächlich zugenommen, dass die Leute im Internet zu blitzen anfangen.

Wird online nur Blitz-Schach angeboten?

Lochte: Nein, es gibt auch normale Turniere. Zuletzt gab es Internet-Länderkämpfe der deutschen Frauen-Nationalmannschaft gegen Ungarn. Den Hin- und den Rückkampf haben die Deutschen jeweils verloren. In der Regel wird online aber geblitzt. Jüngst fand die deutsche Blitz-Meisterschaft via Internet statt. Dort hat Daniel Fridman gewonnen. Er hat schon vor 15 Jahren gesiegt, als das erste und bis heuer einzige Mal eine deutsche Internet-Blitz-Meisterschaft stattgefunden hat.

Was ist der Unterschied zwischen einem Online-Spiel und einem Duell am Brett?

Lochte: Wenn ich Blitzschach miteinander vergleiche, dann gibt es da nicht viel Unterschied. Bei einer regulären Turnierpartie steht man schon auch mal auf. Ich brauche da hin und wieder Abstand vom Brett, mal physische Bewegung oder auch einen anderen Blickwinkel auf die Stellung. Manchmal ist das aber auch nicht gut und bringt dich aus der Balance. Hinzu kommt der Gegner: Es gibt ausgesprochen angenehme Zeitgenossen, in seltenen Fällen aber auch richtige Nervköpfe.

Was ist Ihnen lieber: Online-Schach oder das gewohnte Duell am Brett?

Lochte: Mir ist das „physische Duell“ immer lieber. Ich bin mehr ein Spieler der Lasker-Schule. Emanuel Lasker war von 1894 bis 1921, also 27 Jahre lang, Weltmeister. Er hatte technisch ein hohes Niveau, hat aber auch das Psychologische eingesetzt. Dabei geht es darum, den Gegner am Brett aus seiner Wohlfühlzone zu bringen. Das können Züge sein, die nicht im Lehrbuch stehen. Oder man wählt eine Variante, die dem Naturell des Gegners nicht entspricht. Da spielt das Sich-gegenseitig-Sehen schon eine Rolle.

Wenn sich ein Hobbyspieler verbessern will, ist da Online-Blitz-Schach zu empfehlen?

Lochte: Ja, unbedingt. Der Hobbyspieler lernt, sich die Zeit einzuteilen und schnelle Entscheidungen zu treffen. Er kann Eröffnungen ausprobieren. Darüber hinaus bekommt er ein Gefühl für Muster auf dem Brett. Schachweltmeister Magnus Carlsen sagt, er erkennt Muster, wo andere keine sehen. Wenn du weißt, wie du mit bestimmten Bauern-Strukturen das Spiel in eine für dich günstige Richtung lenken kannst, ist das von Vorteil. Je größer dein Vorrat an solchen Dingen ist, desto sicherer manövrierst du durch die Vielzahl an Möglichkeiten und Unwägbarkeiten, die das Schachspiel bereithält.

Auch das ist interessant:

Im Dezember will Segler Krauß in Brasilien sein - Bei Florian Krauß jagt eine Enttäuschung die nächste: Wegen Corona fallen mutmaßlich die EM und die WM aus. Seine ganze Hoffnung setzt das Talent des Yachtclubs Seeshaupt auf einen Start am Jahresende.

Lochte erreicht deutsche Pokal-Endrunde - Schöner Erfolg für Thomas Lochte: Der Schachspieler des SK Weilheim hat sich für die deutsche Endrunde im Dähne-Pokal qualifiziert.

Schachklub Weilheim ärgert sich gleich doppelt - Der SK Weilheim hat die Duelle gegen den FC Bayern und den Münchner SC verloren. Die Spieler ärgerten sich über verpasste Chancen und leichte Fehler.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Königsdorfer Fußballidol verlässt den FC Penzberg
Die Fußballsaison endet für die Amateure mutmaßlich erst am Jahresende. Bezirksligist FC Penzberg weiß aber schon jetzt, dass ihn ein wichtiger Spieler verlassen wird.
Königsdorfer Fußballidol verlässt den FC Penzberg
Bayerische Kegler beenden Spielbetrieb - Seeshaupt darf jubeln
Der Bayerische Keglerverband hat Fakten geschaffen. Er hat den Spielbetrieb für beendet erklärt - obwohl deutschlandweit noch ein Einspruch läuft. Die Frauen des FC …
Bayerische Kegler beenden Spielbetrieb - Seeshaupt darf jubeln
Im Dezember will Florian Krauß in Brasilien sein
Bei Florian Krauß jagt eine Enttäuschung die nächste: Wegen Corona fallen mutmaßlich die EM und die WM aus. Seine ganze Hoffnung setzt das Talent des Yachtclubs …
Im Dezember will Florian Krauß in Brasilien sein

Kommentare