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Walid Shahin: Mit 32 Zügen zum Silber-Pokal

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Von: Paul Hopp

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Zweitbester in Oberbayern: Walid Shahin vom SK Weilheim. © Pieper/SC Gröbenzell

In der spannenden Schlussrunde behielt er die Nerven: Walid Shahin vom Schachklub Weilheim hat sich den oberbayerischen Vizetitel gesichert.

Weilheim – Sein Teamkollege Thomas Lochte bezeichnete das Ergebnis „sensationell“, Walid Shahin selbst wollte nicht ganz so weit gehen. Gleichwohl freute sich der 31-Jährige vom Schachklub Weilheim über den oberbayerischen Vize-Titel im Einzel, den er beim Wettbewerb in Gröbenzell mit 5,0 Punkten (4 Siege/2 Remis/1 Niederlage) errungen hatte. Letztlich „ist alles super gelaufen“, sagte Shahin. Im Erwachsenenbereich ist das einer seiner größten Erfolg, „in der Jugend war ich schon einmal oberbayerischer Meister“, sagte er.

Zum Turnierort ging er übrigens zu Fuß. Der gebürtige Leipziger, der einen großen Teil seiner Jugend in Huglfing verbracht hat, wohnt mittlerweile in Gröbenzell. Dem SK Weilheim hält der Mitarbeiter einer Bausparkasse aber fest die Treue. Mit dem Team aus der Kreisstadt hat Shahin, dessen derzeitige Elo-Zahl 2136 Punkte beträgt, über die Jahre den Weg bis in die 2. Bundesliga geschafft. In der abgelaufenen Saison kam er in der ersten Garnitur zweimal zum Einsatz. Seine Bilanz: Ein Remis, eine Niederlage. Das war nicht ganz das, was sich der 31-Jährige vorgestellt hatte, aber zuletzt bei Turnieren und im Pokal zeigte er sein Können.

Bei der Meisterschaft in Gröbenzell mischte Shahin, die Nummer sechs der Setzliste, von Beginn an ganz vorn mit – auch wenn es aus seiner Sicht eher ungewöhnlich lief. „Die Partien, in denen ich wacklig stand, habe ich alle gewonnen“, sagte er. Punkte büßte er ausgerechnet in solchen Duellen ein, in denen er eigentlich Vorteile auf dem Brett hatte. Bei seiner einzigen Niederlage – in Runde drei gegen Ralf Glawe (MTV Ingolstadt) – übersah Shahin die Möglichkeit, den Gegner in vier Zügen matt zu setzen. In Zeitnot verlor der SK-Spieler dann. Doch er ließ sich nicht beirren. In der vorletzten Runde besiegte er die Nummer zwei der Setzliste, Bernd Salvermoser (SC Gröbenzell). Damit gehörte er wieder zu den Sieganwärtern. In der Schlussrunde traf Shahin auf Andree Schlosser (TuS Fürstenfeldbruck). Zunächst hatte der SK-Spieler Glück, dass der Gegner eine Möglichkeit sah, sich einen Vorteil auf dem Brett zu verschaffen. Als Schlosser die Chance verpasst hatte, war Shahin zur Stelle. Mit den schwarzen Steinen dominierte er das Geschehen, nach 32 Zügen hatte er gewonnen. „Mit Schwarz ist das schon recht zügig“, so Shahin.

Am Ende hatte Shahin 5,0 Punkte zu Buche stehen. das waren genau so viele, wie Christian Grawe (SC Gröbenzell) erzielt hatte. Da Grawe allerdings die etwas bessere Buchholz-Wertung (ist abhängig von den Gegnern, gegen die ein Spieler angetreten ist) vorweisen konnte, gewann er das Turnier.

Hinter den beiden Top-Spielern landeten sechs Akteure mit je 4,5 Punkten. Dazu gehörte auch Thomas Lochte (SK Weilheim), der den vierten Platz belegte. Er traf in der letzten Runde auf Grawe und hätte mit einem Sieg selbst oberbayerischer Meister werden können. das Duell mit dem Landesliga-Spieler endete mit einem remis. „Ein Gewinn war für mich nie drin“, berichtete Lochte. „Ich stand drei Viertel der Partie mit dem Rücken zur Wand.“ Er schaffte es aber dennoch, einen halben Punkt zu holen. Der dritte Weilheimer Spieler, Armin Höller, musste mit dem 23. Platz (1 Sieg/2 Remis/3 Niederlagen) begnügen. Das Turnier war Lochte zufolge stark besetzt und vom SC Gröbenzell „sehr gut ausgerichtet“.

Als Vize-Meister ist Shahin bei der bayerischen Meisterschaft startberechtigt. Daran teilnehmen wird er aber aller Voraussicht nach nicht. Denn wenn das Turnier stattfindet, steigt auch das „Innsbruck Open“-Turnier. Dort möchte sich Shahin – zusammen mit weiteren Spielern des SK Weilheim – einer internationalen Konkurrenz stellen.

SK Weilheim wieder in der 2. Liga

Der Schachklub Weilheim hat mittlerweile wieder offiziell für die 2. Bundesliga gemeldet. Die Kreisstädter werden auch diesmal wieder in der Ost-Staffel antreten. „Die Liga wird nicht leichter, aber es wird für uns angenehmer zu reisen“, sagt Lochte. Aus der 1. Bundesliga ist der FC Bayern München abgestiegen und in der Ost-Staffel eingeteilt. Aus der Oberliga steigen der Münchener SC 1836 und SK Passau auf. Ziel der Weilheimer ist es erneut, die Klasse zu halten. Das Spiellokal für den Heimkampf ist weiter das Gebäude der „Stadtwerke“, die den SK auch als Sponsor unterstützen. Weitere Gönner seien willkommen, sagt Lochte. An ihrer Struktur ändern die Weilheimer nichts. Dafür, dass jemand für den SK Weilheim spielt, gibt es kein Geld. Es werden lediglich Reisekosten abgedeckt. Die Mannschaft, mit Thomas Luther als einzigem Großmeister im Kader, bleibt nach gegenwärtigem Stand unverändert.

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