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Von so etwas können sie derzeit nur träumen: Der Seeshaupter Florian Krauß (links) und sein Vorschoter Jannis Sümmchen sitzen wegen Corona im wahrsten Sinn des Wortes auf dem Trockenen.

Segeln: EM und WM fallen wohl aus

Im Dezember will Florian Krauß in Brasilien sein

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Bei Florian Krauß jagt eine Enttäuschung die nächste: Wegen Corona fallen mutmaßlich die EM und die WM aus. Seine ganze Hoffnung setzt das Talent des Yachtclubs Seeshaupt auf einen Start am Jahresende.

Seeshaupt Es ist gerade mal ein Vierteljahr her, da warb der Circolo Vela Torbole für seine Seglerparty während des „Lupo Cups“. Aber nicht nur die Regatta am Gardasee wurde inzwischen gestrichen. Angesichts der Corona-Pandemie ist in der Jugendklasse der 420er der gesamte Jahresplan durcheinander geraten. Abgesagt wurden mittlerweile die Europameisterschaft in Golfo di Gaeta, nördlich von Neapel in der Provinz Latium gelegen, sowie die Weltmeisterschaft in Crozon Morgat im äußersten Nordwesten der Bretagne. In beiden Fällen war es für die Veranstalter die einzige vertretbare Alternative.

Segeln: Für Krauß bleibt die Hoffnung auf einen Start bei den  Youth Sailing World Championships in Brasilien

Obwohl die Organisatoren darüber nachdenken, eventuell am Jahresende die Termine nachzuholen, bedeutet die Absage der beiden Saisonhighlights einen schweren Schlag für Florian Krauß. „Das wirft alles über den Haufen“, stellt der Steuermann aus dem Yachtclub Seeshaupt (YCSS) enttäuscht fest. Dieses Jahr hätte der Sommer von Krauß und seinem Vorschoter Jannis Sümmchen (Chiemsee Yacht-Club) werden sollen. Bei der WM hatte die Crew einen Platz unter den besten Zehn einkalkuliert, bei der EM wollte sie sich unter den Top fünf behaupten. Nun bleibt dem Team nur noch die Hoffnung auf die Youth Sailing World Championships Mitte Dezember in Salvador (Brasilien). Das Ziel des Seeshaupters ist ambitioniert: „Wir wollen da eine Medaille holen“, verkündet Krauss. Aber momentan ist nicht sicher, ob überhaupt eine Qualifikation, geschweige denn die Regatta stattfinden wird angesichts der Situation im größten Land Südamerikas, wo sich Anfang Mai fast 100 000 Menschen mit Covid 19 infiziert hatten.

Segeln: Florian Krauß und Vorschoter Jannis Sümmchen haben sich im 420er zu einem Top-Team entwickelt

Für die beiden Segler wäre das bitter. Krauß und Sümmchen entwickelten sich innerhalb sehr kurzer Zeit zu einem Top-Team, obwohl sie erst seit Ende August 2018 miteinander segeln. Aber das Talent der beiden 17-Jährigen ist immens. Praxis mit diesem Bootstyp haben sie schon länger. Krauß war zuvor mit Jakob Lanzinger unterwegs, Sümmchen mit Krauß’ Bruder Nicolas. Irgendwie hatten sich die beiden, die sich aus der gemeinsamen Trainingsgruppe kannten, gesucht und gefunden. Das Duo hat gemeinsame Hobbys wie etwa Skifahren oder Fußball. Vor allem teilt es seine Verehrung für den FC Bayern München. „Weil wir so viel Zeit miteinander verbringen, wissen wir, wie der andere denkt“, spricht Krauß von einer großen Vertrautheit untereinander.

Segeln: Im Boot pflegen Krauß und Sümmchen einen kollegialen Umgangston

Das macht sich im Boot dadurch bemerkbar, dass die beiden kollegial miteinander umgehen und ein freundschaftlicher Umgangston herrscht. Obwohl Krauß als Steuermann letztendlich die Verantwortung trägt, bestimmt Sümmchen viele Entscheidungen mit. „Er gibt sehr viele gute Informationen“, schätzt der Skipper die Zusammenarbeit mit seinem Vorschoter. Da das Team vor knapp zwei Jahren mit Daniel Zepuntke einen ausgezeichneten Trainer engagiert hatte, verzeichnete es schnell außergewöhnliche Fortschritte. Im vergangenen Jahr wurde die Crew bei der U17-Weltmeisterschaft in Vilamoura Sechste. Es wäre sogar noch mehr möglich gewesen, aber ein Materialbruch sorgte dafür, dass sich die beiden Oberbayern noch vom anvisierten dritten Platz verabschieden mussten. „Es ist ärgerlich, durch eine solche Sache eine Medaille zu verpassen“, bedauert Krauß. Ein wenig entschädigt wurden die beiden durch den Titelgewinn bei den bayerischen Jugendmeisterschaften und Gold bei der Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaft in der U17.

Segeln: Mehr als hundert Tage verbringen Florian Krauß und Jannis Sümmchen auf dem Wasser

Diese Erfolge fallen dem Team nicht einfach so in den Schoß. Über hundert Tage im Jahr verbringen die beiden Burschen auf dem Wasser. Die Kosten teilen sich im wesentlichen die Eltern. Große Unterstützung leisten auch der Yachtclub Seeshaupt und der Chiemsee Yacht-Club. Von unermesslichem Wert sind vor allem die Ratschläge von Seeshaupts Jugendleiter Walter von Schorlemer. Das Maria-Theresia-Gymnasium in München, wo Krauß die elfte Klasse besucht, unterstützt den Steuermann ebenfalls bereitwillig. „Wenn ich Wettkampf habe, sind sie sehr kooperativ und geben mir entsprechende Befreiungen“, bedankt sich Krauß für die Unterstützung durch seine Schule.

Segeln: Erst will Krauß das Abitur schaffen, dann will er in seinem Sport richtig angreifen

In den vergangenen Wochen konnte der Skipper jedoch keine Gesuche an sein Direktorat stellen. Weder Unterricht noch Segeln sind wegen der Corona-Krise momentan möglich. Krauß hat deshalb auf Homeoffice umgestellt und paukt neben Mathematik und Englisch auch reichlich Taktik und Theorie für seinen Sport. Denn irgendwann werden wohl auch die Beschränkungen für die Segler wieder gelockert. Und dann hat die Crew große Pläne. „Erst einmal das Abi schaffen und danach Vollgas geben“, lautet Krauss Devise für die Zukunft. Irgendwann muss ja wieder eine Seglerparty steigen. Am Gardasee oder sonst wo.

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