Ein Schiff braucht auch Betreuung: Bei der „Jugendwoche“ des FC Seeshaupt lernen die Kinder am Starnberger See, wie ein Boot segelfertig gemacht wird und was nach dem Segeln zu tun ist, damit es in Schuss bleibt.
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Ein Schiff braucht auch Betreuung: Bei der „Jugendwoche“ des FC Seeshaupt lernen die Kinder, wie ein Boot segelfertig gemacht wird und was nach dem Segeln zu tun ist, damit es in Schuss bleibt.

„Jugendwoche“ des FC Seeshaupt

Segeln lernen auf Seeshaupter Art

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Während sich an den Stränden derzeit viele Menschen tummeln, haben 26 Kinder und Jugendliche das Wasser des Starnberger Sees lieber von Booten aus genossen. Und die lenkten sie sogar selbst.

Seeshaupt – Dafür, dass soeben eine ganze Armada flottgemacht wird, ist es im Hafen des FC Seeshaupt erstaunlich ruhig. Hie und da ist ein Klackern, ein Schaben oder auch ein Wort zu vernehmen – aber alles in gedämpfter Lautstärke. Zahlreiche Mädchen und Buben sind an verschiedenen Schiffen zugange, die noch auf Land liegen. Da gibt es die Optis, die kleinen Boote für die Einsteiger. Und dann sind auch einige Laser zu sehen, die etwas größer und schnittiger daherkommen.

Ein Nachzügler kommt aus dem Umkleidezelt, rückt seinen Neoprenanzug zurecht und geht durch das eiserne Tor, das den Anlegebereich vom übrigen Vereinsgelände trennt. An den Gitterstäben ist ein Zettel angebracht, auf dem in großen Lettern „Abstand halten“ steht. Corona ist auch bei den Seglern ein Thema. Im Fokus von Trainerin Ilka Kenter liegt allerdings gerade etwas anderes. „Der Schlüssel fürs Motorboot?“, fragt sie in Richtung von Thomas Peter. „Liegt schon bereit, samt den Papieren“, kommt die Antwort vom Jugendwart. Kenter lächelt, nickt und macht zum Steg hin kehrt. Wenige Momente später legen die ersten Boote der Flotte samt den motorisierten Begleitschiffen ab – es geht hinaus auf den Starnberger See.

Es läuft die „Jugendwoche“ der Segelabteilung des FC Seeshaupt (FCSS), die Veranstaltung in den Ferien hat Tradition. Und es ist auch Brauch, dass sich um die Organisation der Jugendwart kümmert. Neu auf diesem Posten ist Thomas Peter. Er blickt zufrieden auf den See, wo sich gerade die Schiffe in Gruppen zusammenfinden.

Mehr Bewerber als Plätze im Kurs

Der viertägige Kurs, der in der vergangenen Woche stattfand, kam bestens an. Mit 26 Teilnehmern im Alter zwischen neun und 14 Jahren waren alle Plätze belegt. „Mehr schaffen wir nicht“, sagt Peter. Und das liegt nicht an Corona, sondern an der Zahl der Trainer. Denn fünf bis sechs Segler in einer Gruppe sind die Grenze, die ein Coach auf dem Wasser betreuen kann. Die Nachfrage für den Kurs war groß, 18 Namen standen heuer auf der Warteliste. Die Trainer bekommen eine Aufwandsentschädigung, doch vor allem ist ihr Tun von Idealismus geprägt. Einige nehmen sich extra Urlaub, um den Kids ihre Erfahrung weiterzugeben.

Die „Jugendwoche“ soll dem eigenen Nachwuchs ein zusätzliches Training in Opti und Laser bieten. Darüber hinaus will der FCSS Gästen, „die noch keinen Bezug zum Segeln haben, einen Einblick in den Sport geben“, so Peter. Dem jüngsten Kurs gehörten sieben Teilnehmer an, „die vorher noch nie in einem Segelboot gesessen waren“, berichtet der Jugendwart. Sie lernten zunächst die wichtigsten Fach-Begriffe, doch schon bald ging es hinaus aufs Wasser. Der Verein verfügt über 13 Optis und vier Laser. Heuer gab es eine Premiere: Gäste von anderen Vereinen bekamen einen Preisnachlass, dafür brachten sie eigene Boote mit.

Die Praxis steht im Vordergrund: Auf dem Wasser sind die Teilnehmer in ihren Booten selbst gefordert.

Ziel des Kurses ist, dass die Anfänger am Ende die wichtigsten Manöver beherrschen: Wende, Halse und das Anlegen am Motorboot. Zu Beginn wird auch das Kentern sowie das Wiederaufrichten des Bootes und das Einsteigen geübt. Der erfahrenere Teil der Kinder „übt in Richtung Regatta“, sagt Peter. Dabei stehen auch die Vorfahrtsregeln und das Verhalten an der Tonne auf dem Programm.

Die Begleitung erfolgt mit Motorbooten, die zum Teil von den benachbarten Vereinen (Segelverein Oberland, Yachtclub Seeshaupt) geliehen werden. Peter betont die „sehr gute Zusammenarbeit“. Der Tag dauert von halb zehn in der Früh bis zum späten Nachmittag. Mittags gibt es ein warmes Essen, das heuer der „Zwergerlkoch“ lieferte. Ein Plan sorgt dafür, dass stets jeweils zwei Eltern als Helfer bereitstehen.

Besonderes Erlebnis am ��Dickschiff-Nachmittag“

Das Wetter spielte den Veranstaltern heuer in die Karten. Zum Auftakt herrschte Wind von ein bis zwei Beaufort und Sonnenschein. „Traumhaft“, nennt Peter die Bedingungen. Am zweiten Tag frischte es auf – zwei bis drei Beaufort stellten auch für die Anfänger kein Problem dar. Der Alarm am Mittwoch wegen einer bei Baggerarbeiten am Seeshaupter Seeufer entdeckten Phosphorgranate (wir berichteten) „hat uns null betroffen“, berichtet der Jugendwart. Die Sirenen waren zwar am FCSS-Gelände zu hören, zwei Kinder kamen verspätet, weil die Ortsdurchfahrt länger gesperrt war. Das Segeltraining fand aber ohne Beeinträchtigung statt.

Ebenfalls am Mittwoch ging der „Dickschiff-Nachmittag“ über die Bühne, den Peter neu eingeführt hat. Fünf FCSS-Mitglieder nahmen sich Zeit und stellten ihre Kielschiffe zur Verfügung. Die Kinder wurden auf die Boote verteilt und durften sie – unter Aufsicht – steuern und die Segel bedienen. „Bei der Hitze war ein Bad inmitten des Sees als Erfrischung obligatorisch“, sagt Peter.

Segelschein für vier Teilnehmer

Vier Teilnehmer legten heuer bei der „Jugendwoche“ die Prüfung für den DSV-Jüngstensegelschein ab – ein „Befähigungsnachweis zum Führen von altersgerechten Segelbooten“, wie es beim Deutschen Segler-Verband heißt. Der FCSS macht das immer ganz akkurat, mit schriftlichem und praktischem Teil. Die Trainer schlagen diejenigen vor, die sich zur Prüfung eignen. Am Ende der vier Tage bekamen die jungen Segler noch T-Shirts mit dem Logo des Klubs überreicht. Alle waren glücklich, berichtet Peter und ergänzt schmunzelnd: „Die Trainer und der Jugendwart waren etwas k.o..“

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