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Pfingstjugendwoche - ein Sprungbrett für spätere Weltmeister

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Von: Paul Hopp

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Gemeinsames Auslaufen: Zum Start eines Trainingstages navigieren die jungen Segler ihre Boote vom Hafen auf den See – hier zwei Optis und ein 29er.
Gemeinsames Auslaufen: Zum Start eines Trainingstages navigieren die jungen Segler ihre Boote vom Hafen auf den See – hier zwei Optis und ein 29er. © Paul Hopp

Viel Betrieb herrschte jüngst beim Yachtclub Seeshaupt. Zum 30. Mal fand die „Pfingstjugendwoche“ statt. An ihr nahmen seinerzeit schon spätere WM-Medaillengewinner teil.

Seeshaupt – Für eine Wende ist auch ein stückweit Wendigkeit erforderlich. „Und jetzt unten durch wie eine Katze“, sagt Ilka Kenter. Geschickt klettert ihr Schützling von Backbord nach Steuerbord und taucht regelrecht unter dem Segel durch, das da in der Mitte hin und her schwingt. Damit das Boot waagerecht steht wie später auf dem Wasser, hebt die Trainerin den auf eine Radachse gestellten Opti am Bug an. „Sehr gut gemacht“, lobt Ilka Kenter den Segel-Neuling. Nach dem Bub ist ein Mädchen an der Reihe, das die Aktion ebenso sicher absolviert.

Trockenübung an Land: Trainerin Ilka Kenter und einer ihrer Schützlinge beim Einstudieren des Ablaufs einer Wende.
Trockenübung an Land: Trainerin Ilka Kenter und einer ihrer Schützlinge beim Einstudieren des Ablaufs einer Wende. © Paul Hopp

Die Einsteiger bei der „Pfingstjugendwoche“ des Yachtclubs Seeshaupt (YCSS) absolvieren vor dem Auslaufen diverse Manöver erst einmal an Land. Aber vornehmlich findet das Geschehen auf dem Wasser statt. Ein Boot nach dem anderen wird auf der schräg nach unten führenden Rampe zu Wasser gelassen. Einige Kinder steuern ihre Opti-Boote selbst hinaus auf den Starnberger See, werden nicht vom Motorboot gezogen. Und dabei zeigt sich, dass es durchaus knifflig sein kann, in der doch recht engen Fahrrinne zwischen den vor Anker liegenden Jachten zu segeln. Bei den erfahreneren Jugendlichen mit ihren Laser-und 29er-Booten sieht die Fahrt auf den See hinaus schon spielerisch leicht aus.

Pfingstjugendwoche des YCSS fand erstmals 1993 statt

47 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 17 Jahren sind heuer bei der mittlerweile 30. Auflage der „Pfingstjugendwoche“ dabei. Neun junge Segler, die schon über Regatta-Erfahrung verfügen, trainieren in den fünf Tagen zwischen Sonntag und Donnerstag parallel am Achensee. Das Revier dort „ist windsicherer“, sagt Walter von Schorlemer. Der Jugendleiter erlebt seine 23. „Pfingstjugendwoche“, die traditionell immer in der zweiten Hälfte der Pfingstferien über die Bühne geht. Los ging es 1993, damals unter Jugendwart Christian Henkel.

Vorbereitung zum Auslaufen der Jüngsten - hier eine Szene mit Trainer Hans Schröcker (links) und YCSS-Jugendleiter Walter von Schorlemer (weißes Shirt).
Vorbereitung zum Auslaufen der Jüngsten - hier eine Szene mit Trainer Hans Schröcker (links) und YCSS-Jugendleiter Walter von Schorlemer (weißes Shirt). © Paul Hopp

Sinn der Aktion ist es, Kinder fürs Segeln zu begeistern und letztlich auch neue Mitglieder zu rekrutieren. Diejenigen, die schon gewisse Fähigkeiten haben, erhalten ein spezielles Zusatz-Training. Entsprechend werden die Teilnehmer eingeteilt. Heuer gibt es allein für den Opti drei Gruppen: Einsteiger, Fortgeschrittene und Regatta. Hinzu kommen die Bootsklassen Laser und 29er. Täglich von 10 bis 17 Uhr ist Programm, Essen und Getränke gibt’s dazu – ebenso wie ein T-Shirt und zum Abschluss eine Urkunde.

Ein Trainer oder eine Trainerin kümmert sich immer um etwa fünf Segler. „Wir achten bewusst darauf, dass es kleine Gruppen sind“, sagt von Schorlemer. Und noch etwas ist ihm wichtig: Die Kids „sollen Spaß haben am Segeln“. Die Atmosphäre beim Auslaufen der Boote ist konzentriert, aber auch locker. Speziell von Schorlemer hat immer eine witzige Bemerkung auf Lager – und packt kurzerhand mit an, wenn es darum geht, die Jüngsten zu Wasser zu lassen.

Großes Aufgebot: 47 Kinder und Jugendliche samt Trainern nahmen an der „Pfingstjugendwoche“ in Seeshaupt teil. Eine Gruppe trainierte parallel am Achensee. Zweiter von links (mit Sonnenbrille) YCSS-Jugendleiter Walter von Schorlemer.
Großes Aufgebot: 47 Kinder und Jugendliche samt Trainern nahmen an der „Pfingstjugendwoche“ in Seeshaupt teil. Eine Gruppe trainierte parallel am Achensee. Zweiter von links (mit Sonnenbrille) YCSS-Jugendleiter Walter von Schorlemer. © Hopp

Jugendarbeit ist ein zentraler Bestandteil im Vereinsleben des Yachtclubs Seeshaupt. Mit rund 370 Mitgliedern „sind wir ein mittelgroßer Verein“, sagt von Schorlemer. 75 davon sind Kinder und Jugendliche. Um sie kümmern sich insgesamt 15 Übungsleiter. Viele von ihnen können auf die Teilnahme an der Bundesliga sowie Starts bei EM und WM verweisen. „Das Trainerteam ist toll“, betont von Schorlemer. Die Arbeit der Verantwortlichen ist auch beim Bayerischen Segler-Verband wohlwollend registriert worden. Zweimal schon, 2006 und 2020, erhielt der YCSS den Jugendförderpreis des BSV.

Seeshaupter Opti-Preis

Am Samstag, 18. Juni, und Sonntag, 19. Juni, findet der „Seeshaupter Opti-Preis“ statt. Ausrichter ist der YCSS. Knapp 70 junge Segler aus ganz Bayern haben sich angemeldet. Auslaufbereitschaft zur ersten Wettfahrt ist am Samstag um 11 Uhr. Es sind fünf Wettfahrten geplant.

Für die Trainingswoche in den Pfingstferien greift der Yachtclub auch auf Material (wie Schlauchboote zur Begleitung) und Trainer-Personal der benachbarten Seeshaupter Klubs zurück. „Wir arbeiten gut mit den anderen Vereinen zusammen“, sagt der YCSS-Jugendleiter. Gegenseitige Unterstützung bei Veranstaltungen ist die Regel, das Verhältnis untereinander ist kollegial.

Gute Zusammenarbeit zwischen den Seeshaupter Segel-Vereinen

Die „Pfingstjugendwoche“ ist im Kalender des Yachtclubs nur einer von mehreren Terminen für den Nachwuchs. Zu Ostern und im Herbst geht es regelmäßig mit großem Aufgebot an den Gardasee. Heuer im April fuhren neun Trainingsgruppen mit über 30 jungen Seglern nach Italien. Mit dabei waren auch Gäste aus anderen bayerischen Klubs. Aktiv sind die Yachtclub-Youngster auch bei Regatten. Allein an den fünf Wochenenden im Mai wurden 54 Teilnahmen verzeichnet, wobei es vordere Plätze zu bejubeln gab.

Das ist der WM-Pokal, den YCSS-Segler Florian Krauß nach dem Titelgewinn im Dezember 2021 in der 420er-Klasse überreicht bekam. ph
WM-Trophäe im Klubheim: Das ist der WM-Pokal, den YCSS-Segler Florian Krauß nach dem Titelgewinn im Dezember 2021 in der 420er-Klasse überreicht bekam. © Paul Hopp

Zu was so eine Teilnahme an der „Pfingstjugendwoche“ führen kann, bekamen die Kids heuer besonders eindringlich demonstriert. Am ersten Tag schaute YCSS-Segler Florian Krauß vorbei. Er hatte 2012 an der Veranstaltung teilgenommen, im vergangenen Jahr gewann er im 420er bei den Titelkämpfen im Oman mit Jannis Sümmchen (Chiemsee Yacht-Club) den WM-Titel. Den Pokal brachte Krauß mit, er stand in den Tagen der Jugendwoche im Klubheim.

Florian Krauß gewann 2021 den WM-Titel im 420er

Eine ähnliche Erfolgsgeschichte hat Nils Sternbeck, der Sohn des 2. YCSS-Vorsitzenden Oliver Sternbeck, vorzuweisen: Er war 2010 bei der Jugendwoche dabei, drei Jahre später wurde er im Opti bei den Wettkämpfen am Gardasee Vize-Weltmeister. Die „Pfingstjugendwoche“ – durchaus ein Sprungbrett zu ganz großen Erfolgen.

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