Ambitioniert: Moritz Hagenmeyer (vorn) will zusammen mit Philipp Wrobel in der 49er-Klasse um Siege mitsegeln. Das Foto zeigt das Duo bei der Europameisterschaft 2020 am Attersee (Österreich). Dort holten sie in der U19-Klasse den Sieg und in der U23-Klasse Rang drei.
+
Ambitioniert: Moritz Hagenmeyer (vorn) will zusammen mit Philipp Wrobel in der 49er-Klasse um Siege mitsegeln. Das Foto zeigt das Duo bei der Europameisterschaft 2020 am Attersee (Österreich). Dort holten sie in der U19-Klasse den Sieg und in der U23-Klasse Rang drei.

Segeln

Erste Reifeprüfung nach dem Abitur: Moritz Hagenmeyer will auch bei der Junioren-WM punkten

  • VonChristian Heinrich
    schließen

Erst das Abitur, dann die WM: Für Moritz Hagenmeyer aus Dießen ist das Jahr 2021 vollgepackt mit besonderen Herausforderungen. Als Segler hat er sich ein hohes Ziel gesetzt: Er will in die Weltspitze.

Landkreis – Leicht hat es sich Moritz Hagenmeyer bei seinem Abitur im Fach Deutsch nicht gemacht. Der Schüler vom Dießener Ammersee-Gymnasium wählte die Aufgabe V aus dem Bereich materialgestütztes Argumentieren: „Erörtern Sie Chancen und Risiken der vom Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen als ,Empörungsdemokratie’ bezeichneten Nutzung des Internets als Plattform für öffentlichen Meinungsaustausch!“

Wie das bei solchen lebenswichtigen Fragen immer so ist, konnte sich Hagenmeyer bereits wenige Tage nach der Prüfung nicht mehr genau daran erinnern, was ihm dazu als Lösung eingefallen ist.

Zum Glück stand aber schon die nächste Herausforderung für den 18-jährigen Abiturienten an, die ihn von der Schulbank zum Olympia-Stützpunkt nach Kiel-Schilksee führte. Auf das Mitglied im Nachwuchskader des Deutschen Segler-Verbandes wartet eine Woche Trainingslager, um sich zusammen mit seinem Partner Philipp Wrobel das Rüstzeug für die nächste Reifeprüfung zu verschaffen. Anfang Juli startet die Crew bei der Junioren-Weltmeisterschaft im polnischen Gdynia in der 49er-Bootsklasse. Es wird eine Fahrt ins Ungewisse. Was ihre nationalen Konkurrenten zu bieten haben, ist den beiden aus den gemeinsamen Trainingseinheiten bekannt. „Aber international kann man das nicht so gut sagen“, stellt Hagenmeyer fest.

Viele Wasserstunden fielen aus

Lief die Vorbereitung auf das Abitur halbwegs geordnet ab, musste der Vorschoter aus Dießen in der Vorbereitung auf den Sommer auf jede Menge Wasserstunden verzichten. Normalerweise stimmt er sich über die Weihnachtsferien entweder in Spanien oder Portugal auf die neue Saison ein. In diesem Jahr sorgte die Pandemie dafür, dass er im eigenen Gartenschuppen Quartier bezog, wo er sich ein Fitnessstudio eingerichtet hatte. „Ich konnte über den ganzen Winter weiter trainieren“, gewann er dem Kraft- und Konditionstraining positive Seiten ab, schließlich zählt im schnittigen Boot jedes Kilogramm an Muskelmasse, um der gewaltigen Kräfte Herr zu werden. Hin und wieder ging es auch aufs Wasser. Die Törns auf dem Bodensee waren eine eisige Angelegenheit. „Teilweise waren wir draußen im Schneesturm“, sagt Hagenmeyer. Immerhin sind die beiden jetzt abgehärtet.

Obwohl Hagenmeyer mit seinem Partner erst seit einem Jahr in der olympischen Klasse segelt, hat das Team schon aufhorchen lassen. Bei der Europameisterschaft 2020 auf dem Attersee segelte es auf Anhieb in die Gold Fleet und dort auf den 27. Platz. Nebenbei sprang in der Altersklasse U19 noch der Sieg und in der U21 Rang drei für das Duo aus dem Diessner Segel-Cub (DSC) und dem Segler-Verein Staad heraus. „Man sieht, wo man selbst steht“, wertete Hagenmeyer den Erfolg als wichtige Standortbestimmung. Schließlich ist der Weg noch lang. „Unser Ziel ist es, irgendwann bei Olympia teilzunehmen“, spricht der Vorschoter von einem ambitionierten Traum. Paris ist noch nicht realisierbar, aber Los Angeles 2028 nimmt er sehr wohl ins Visier: „Das wäre schon cool.“

Ziel: die Weltspitze

Dazu hat sich die Crew die Bootsklasse ausgesucht, die in Deutschland am härtesten umkämpft ist. Viele Segler haben wie die beiden Süddeutschen eine solide Ausbildung in der Jugendklasse 29er hinter sich. Dort segelte Hagenmeyer noch zusammen mit Jonas Schupp und räumte so gut wie alles ab. Aus der Vielzahl von Erfolgen ragte der Titelgewinn bei der U17-EM und der haushohe Sieg beim „Young Europeans Sailing“ (YES) in Kiel heraus. Nun heißt es, auch bei den Erwachsenen dorthin zu kommen, wo Hagenmeyer im Nachwuchs schon war. „Unser Ziel ist es, uns in der Weltspitze zu etablieren.“

Das ist leicht gesagt, in der Umsetzung aber kompliziert. Als Kadersegler des DSV bekommen die beiden Skipper ihre Reisekosten und Übernachtungen erstattet. In Kiel konnten sie außerdem die Infrastruktur des Verbandes nutzen, als sie über Pfingsten mit vier weiteren Mannschaften aus ihrem Jahrgang trainierten. Aber Ausrüstung und Material müssen sie sich selbst beschaffen. Unterstützung erhalten sie bisher von der Firma „Melmak“ aus Raisting und der „Marina Merk & Merk“ und natürlich ganz besonders von ihren Eltern. „Es ist schwierig, jetzt jemanden zu finden“, räumt Hagenmeyer ein, dass die Suche nach Sponsoren gerade zu Corona-Zeiten hart ist. Dagegen ist selbst das Deutsch-Abitur ein Klacks.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare