Mountainbikerin Carla Hahn nach ihrem Sieg bei der Nachwuchs-EM im Aostatal im August 2019.
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Medaillen hat sie schon fleißig gesammelt: Carla Hahn (hier nach ihrem Sieg bei der Nachwuchs-EM im Aostatal im August 2019) hat ihre internationale Klasse bereits häufig unter Beweis gestellt.

MOUNTAINBIKE

Carla Hahn und ihre Sehnsucht nach Wettkämpfen

Das Jahr 2020 war nicht leicht für Sommer- wie für Wintersportler. Carla Hahn hat dabei beide Seiten sehr intensiv erlebt. Denn die 15-jährige Sindelsdorferin startet für den Ski-Nachwuchskader und ist beim Mountainbiken erfolgreich.

Sindelsdorf – Das vergangene Jahr war nicht leicht für Sommer- wie für Wintersportler. Carla Hahn hat dabei beide Seiten sehr intensiv erlebt. Denn die 15-jährige Sindelsdorferin startete zum einen für den Schüler-Nachwuchskader der U16 im alpinen Skilauf, zum anderen ist sie beim Mountainbiken erfolgreich. 2020 wurde sie auf dem Rad bayerische Meisterin, bei den deutschen Meisterschaften holte sie den Vizetitel.

Vergangenes Frühjahr waren die Wintersportler froh darüber, dass Corona sie erst zum Ende ihrer Saison erwischt hatte. Sie bedauerten die Sommersportler, die vor einer Zeit mit vielen Fragezeichen standen. Nun hat sich das Blatt gewendet: Denn in den vergangenen Monaten hat es die Wintersportler voll erwischt, während die Sommersportler auf einen entspannteren Sommer hoffen. Carla Hahn hat alle diese Gefühlsschwankungen mit Hochs und Tiefs am eigenen Leib erfahren. Sie ist sich nicht sicher, welche Saison jetzt die leichtere war. „Das Radltraining vergangenen Sommer war eigentlich ganz okay“, so die 15-Jährige. „Man ist ja ohnehin viel allein unterwegs und kann das Training flexibler gestalten als beim Skifahren.“

Training in Corona-Zeiten „ganz schön mühsam“

Auch die Rennen empfand sie als relativ normal. Und das waren sie im Vergleich zu heute wohl auch. Natürlich gab es im Sommer 2020 auch schon Hygiene-Konzepte, aber die Sieger wurden noch ohne Maske geehrt, im Ziel wurden Fotos geschossen mit den Konkurrenten Arm in Arm. Im Winter wurde es schon deutlich komplizierter. Das Heimtraining fand quasi ausschließlich am Gudiberg in Garmisch-Partenkirchen statt, und zwar nur für ausgewählte Athleten und unter strengen Auflagen. „Das war schon ganz schön mühsam und auch ziemlich einseitig“, berichtet Hahn. „Und ich habe die Abwechslung an den flacheren Trainingshängen echt vermisst.“

Außerdem konnten Hahn und ihre Teamkolleginnen die ganze Saison über keinen offiziellen Wettkampf bestreiten. Veranstaltungen dieser Art waren nicht erlaubt; zu komplex die Organisation. Es gab vor allem interne Vergleiche innerhalb der eigenen Region oder mit den Nachbarregionen. Die Fahrerinnen der Altersklasse U16 im Schülergau, in dem Hahn fuhr, hatte zusätzlich acht Vergleichstrainings mit Athleten aus ganz Deutschland. Schließlich steht für den älteren Jahrgang 2005 der Wechsel in die Jugendkader an.

Carla Hahn fährt Mountainbike für den TSV Benediktbeuern-Bichl

Dafür sind nun noch bis in den Sommer Sichtungen geplant. Hahn wurde für diese trotz guter Leistungen im Winter nicht nominiert. Darüber sei sie schon ein wenig enttäuscht, wie sie zugibt. Auf der anderen Seite bleibt ihr so aktuell die Doppelbelastung mit Ski- und Radtraining erspart. Denn die Radsaison steht trotz der ersten Rennabsagen schon in den Startlöchern. „Und irgendwie hängt da mein Herz fast ein bisschen mehr dran“, sagt die Sindelsdorferin in Diensten des TSV Benediktbeuern-Bichl.

Auch im Radsport ist 2021 für die 15-Jährige ein Übergangsjahr – von der U17 in die U19. In letztgenannter Altersklasse werden dann die großen Rennen ausgetragen, und zwar weltweit. Deswegen richtet Hahn nun auch ganz gern den Fokus auf Mountainbiken und Schule. Der Unterricht findet derzeit immer noch im Distance-Learning-Verfahren statt, dem Hahn durchaus Positives abgewinnen kann. „Gerade fürs Radlfahren bleibt mir so viel mehr Zeit fürs Training.“ Flexiblere Zeiteinteilung, Unterricht ohne Schulweg daheim oder vielleicht auch mal unterwegs am Laptop – für die Nachwuchssportlerin aus Sindelsdorf ist das absolut von Vorteil. „Trotzdem wäre ich auch froh, wenn ich wieder normal in die Schule dürfte“, gibt sie zu.

Bis dahin wird mit den Erfahrungen der vergangenen zwölf Monate weitergemacht. Und zu denen werden wohl noch viele weitere kommen. Aktuell zum Beispiel sucht Vater Markus eine Möglichkeit, wie er und seine Tochter für die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen die Landesgrenze überqueren können, ohne sich danach in Quarantäne begeben zu müssen. „Ich hoffe, das bekommen wir bald hin“, so Carla Hahn. Denn am 1. Mai würde ein Wettkampf in der Schweiz anstehen, bei dem sie gern dabei wäre. Schließlich sind ja schon mehrere Europameistertitel auf ihrem Konto, das sie gern mit weiteren internationalen Erfolgen aufstocken würde. Text: Kathrin Ebenhoch

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