Para-Sportlerin Clara Klug und Trainer Martin Härtl beim Training in Kaltenbrunn.
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Schneetraining: Clara Klug und Martin Härtl (fürs Foto ganz kurz zusammengerückt) absolvieren ihre Einheiten heuer in Kaltenbrunn und Ettal. Die blauen Jacken weisen sie als Mitglieder der Spitzensportfördergruppe der bayerischen Polizei aus.

SKI NORDISCH

Team Klug/Härtl „sehr, sehr froh“ über Weltcup-Rennen

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Die nordischen para-Sportler haben in diesem Winter noch gar keine internationalen Wettkämpfe bestreiten können. Doch jetzt tut sich für Clara Klug und Guide Martin Härtl ein Licht am Ende des Tunnels auf - wichtig auch im Hinblick auf die Paralympics.

Weilheim – Als es auf den Jahreswechsel zuging, da „kam der Durchhänger“, berichtet Clara Klug. Die 26-jährige Para-Sportlerin aus München und ihr Guide und Trainer, der Weilheimer Martin Härtl (46), hatten ziemlich daran zu knabbern, dass die komplette Ski-nordisch-Saison im paralympischen Bereich auf der Kippe stand. Im Kalender steht hinter diversen Terminen entweder „postponed“ (verlegt) oder „cancelled“ (abgesagt) – und auch sonst bestand keine Aussicht auf irgendwelche internationalen Wettkämpfe im Biathlon und Skilanglauf. Doch Klug und Härtl haben sich aus dem Tief befreit, auch, weil Licht am Ende des Tunnels in Form von zwei Weltcup-Veranstaltungen erschien. Im slowenischen Planica (ab 28. Februar) und im finnischen Vuokatti (ab 15. März) stehen insgesamt zwölf Rennen auf dem Programm.

Klug und Härtl froh über Weltcups in Planica und Vuokatti

„Sehr, sehr froh“ über diese Perspektive sei sie, sagt Klug. Klar, die ganz großen Ziele des Teams liegen noch weit voraus, im Jahr 2022. Da gibt es zunächst im Januar die (wegen Corona um ein Jahr verlegte) Weltmeisterschaft in Lillehammer und dann im März die alles überstrahlenden Paralympics in Peking. Doch Leistungssportler haben immer auch das Hier und Jetzt im Blick. „Wir sind alle darauf bedacht, unser Können auch zeigen zu dürfen“, sagt Klug. Es klingt banal, ist aber doch wahr: Jedes noch so gute Training ersetzt nicht den Wettkampf. Umso schöner also, dass es heuer zumindest zwei Weltcups gibt. „Ich freue mich drauf, Leistung bringen zu können“, sagt Klug. Internationale Vergleiche „sind ganz wichtig“.

In der Corona-Pandemie achten sie und Coach Härtl peinlich genau darauf, Kontakte zu anderen weitestgehend zu minimieren. Höhentrainingslager und Bergläufe ließen sie aus. Auch auf Lehrgänge mit dem Nationalteam hat das Duo bewusst verzichtet. Eine Ausnahme bildete ein Laufbandtest in Oberwiesenthal. „Den Rest der Mannschaft haben wir nicht getroffen“, berichtet die Münchenerin. So fehlen zwar Vergleiche mit anderen Para-Athleten, aber der Blick auf die eigenen Leistungswerte der vergangenen Jahre stimmt zuversichtlich: „Ich habe zumindest keinen Schritt zurück gemacht“, sagt Klug. Sie habe ein „gutes Gefühl auf dem Ski“ und „deutlich weniger Angst in Abfahrten“. Klug tritt im Skilanglauf und im Biathlon in der Klasse der sehbehinderten Frauen an. In der Loipe wird sie von Härtl, der als Vorausläufer fungiert, mit Kommandos angeleitet. Bei Abfahrten sind beide bis zu 50 km/h schnell. Seine größten Erfolge feierte das Team im Biathlon: Im Februar 2019 holten die beiden Bayern bei der Para-WM in Kanada dreimal Gold. Bei den Paralympics 2018 in Südkorea hatten sie zweimal Biathlon-Bronze gewonnen.

Vorbereitung im Sommer mit Hindernissen

Während der Vorbereitung im Sommer und Herbst verlief bei Weitem nicht alles so wie geplant. Ein medizinischer Eingriff bei Klug verschob sich um einige Wochen. Ausgerechnet beim Spazierengehen zog sich die Münchnerin dann einen Bänderriss zu. Und im Herbst machte ihr eine Bronchitis zu schaffen. „Die Fähigkeiten von Martin als Trainer wurden ganz schön auf die Probe gestellt“, sagt sie schmunzelnd. Der Trainingsplan musste also immer wieder angepasst werden. Kurzzeitig war Klug sogar „ganz froh“, dass es im Dezember keine Wettkämpfe gab. So konnte sie Trainingsrückstand aufholen. Was dagegen bestens funktionierte, waren die Skiroller-Einheiten, die das Duo vornehmlich auf den zumeist wenig befahrenen Teerstraßen im Weilheimer Hardt absolvierte.

Zum Biathlon-Training geht es stets an den Stützpunkt nach Kaltenbrunn; dort arbeitet Klug mit Herbert Mayer zusammen, den Härtl als „Koryphäe“ bezeichnet: Jemanden „mit so einer Erfahrung findest du selten“. Auf den Loipen rund um Kaltenbrunn und auch um Ettal absolvieren Klug und Härtl heuer ihr gesamtes Programm auf Schnee. Seit die beiden der Spitzensportfördergruppe der bayerischen Polizei angehören, können sie sich gut auf das Training konzentrieren. Aufgrund der Corona-Beschränkungen verzichtete das Duo allerdings auf die gewohnten Reisen nach Seefeld/Tirol.

Corona bedeutet speziell für Klug eine besondere Herausforderung. Ihr als Sehbehinderter fällt es naturgemäß schwer, von sich aus Abstand zu anderen zu halten. Wenn sie zum Training nach Weilheim mit dem Zug fährt, „bin ich darauf angewiesen, dass die Leute zu mir Abstand halten“. Im ersten Lockdown ist sie längere Zeit gar nicht mehr Zug gefahren. Zum Glück hatte sie sich, als sie in ihre neue Wohnung zog, ein Laufband und weitere Trainingsgeräte angeschafft. Damit kann sie nun zu Hause ihre Programme abspulen – und ist auch nicht auf Fitness-Studios angewiesen, die ja wegen Corona seit Monaten geschlossen sind.

Ein Problem sind allerdings die Schutzmasken: Über die Jahre habe sie gelernt, allein sehr gut geradeaus zu gehen, sagt Klug. Doch mit der Maske funktioniert das nicht mehr: „Sie schränkt enorm meine Orientierungsfähigkeit ein.“ So ist allein der Weg zum Training anstrengender. Am Sinn der Masken und der Notwendigkeit, sie zu tragen, gibt es für Klug überhaupt keinen Zweifel. Eine Coronaerkrankung mit möglichen Spätfolgen „können gerade Ausdauersportler absolut nicht gebrauchen“.

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