+
Bereit zur „Mountain Attack“: Florian Christ aus Sindelsdorf kurz vor dem Start.

Skibergsteigen

Florian Christ mag es steil - „Mountain Attack“ als Spaßbringer

  • schließen

Die „Mountain Attack“ ist eines der größten Rennen im Skibergsteigen. Florian Christ aus Sindelsdorf wagte sich auf die Strecke - und machte eine besondere Erfahrung.

Saalbach – Worauf sich Florian Christ da eingelassen hatte, wusste er selbst nicht so genau. Einen Wettkampf in dieser Größenordnung wie das „Mountain Attack“-Rennen in Saalbach-Hinterglemm hatte der Ausdauersportler aus Sindelsdorf bis dato noch nie in Angriff genommen. Anders als bei seinen bisherigen Auftritten im Skibergsteigen ging es in Österreich nicht nur bergauf, sondern es waren auch Abfahrten zu bewältigen. Auf der Distanz von 24 Kilometern galt es sechs Gipfel und 3010 Höhenmeter (auf und ab) zu bezwingen. „Das ist schon was“, sagt Christ mit einem Schmunzeln. Der 24-Jährige lieferte bei dem Rennen, das großteils im Dunkeln über die Bühne ging, eine starke Leistung ab.

Florian Christ: Drittbester Deutscher auf Marathon-Strecke

Mit der Zeit von 3:12:29 Stunden landete Christ (Team Bergzeit.de) auf der Marathon-Strecke auf dem 60. Platz unter 232 Finishern. Ganz vorn tummelten sich Athleten, die auch im Weltcup im Skibergsteigen regelmäßig auf den Top-Plätzen zu finden sind. Es gewann der Österreicher Jakob Hermann mit Streckenrekord von 2:15:10 Stunden vor dem Italiener Michele Boscacci (2:17:29) und dem Österreicher Armin Höfl (2:17:48). Der Berchtesgadener Anton Palzer, im vorigen Winter Gesamtzweiter im Weltcup und 2017 Sieger der „Mountain Attack“, wurde Vierter (2:20:44). Konrad Lex aus Rottenbuch überzeugte mit dem 13. Platz, den er sich mit 2:40:40 Stunden holte. Und dann kam schon Christ als drittbester Deutscher. Mit seinem Ergebnis „bin ich definitiv zufrieden“, sagt der Maschinenbau-Student.

Florian Christ: Mit 1200 anderen Startern auf die Piste

Was seinen Trainingszustand anbelangt, war Christ, der im Sommer oft bei Bergläufen in Aktion ist, nicht voll auf der Höhe. Im November musste er länger pausieren, nachdem er im Nachgang eines Mountainbike-Unfalls eine Platte entfernt bekam. Vor der „Mountain Attack“ absolvierte Christ nur einen Wettkampf, und zwar den deutlich kürzeren „Hecher Speed Up“ in Schwaz. Während es dort beschaulich zugeht, heuer waren 67 Teilnehmer am Start, steppt in Saalbach-Hinterglemm regelrecht der Bär. 

Florian Christ: Angefeuert von einem Zuschauer-Spalier

Rund 1200 Frauen und Männer aus 20 Nationen stürmten nach dem Startschuss (los ging es um 16 Uhr) im Ortszentrum los. Die Skier haben da noch alle auf dem Rücken, erst ein paar hundert Meter später werden sie angeschnallt. Der erste Anstieg auf den Schattberg hinauf (genannt „die weiße Wand“) führte über 1000 Höhenmeter. Dort hinauf „war mir das Tempo fast ein bisserl zu langsam“, so Christ. Doch überholen war nicht so einfach: Angesichts der Masse an Teilnehmern „musstest du dich einfädeln“. Als „Wahnsinn“ bezeichnete der Sindelsdorfer die Stimmung am Streckenrand. Am Schattberg hatte sich ein Spalier gebildet, dass die Läufer lautstark anfeuerte.

Florian Christ: Mountain-Attack führt über 6 Gipfel

Den Schattberg (2020 Meter) hatte er nach etwas mehr als 50 Minuten bezwungen. Danach ging es – jeweils nach Abfahrten – auf Westgipfel (2096 Meter), Zwölferkogel (1984 Meter), Hasenauer Köpfl (1791 Meter), Reiterkogel (1818 Meter) und den Bernkogel (1740 Meter). Das Ziel war dann wieder in Saalbach (1003 Meter). An den Anstiegen „hatte ich mehr Spaß“, so Christ mit einem Schmunzeln. „Da liegen meine Stärken.“ Der Weg hinauf zum Zwölferkogel war so steil, dass die Starter ihre Ski abschnallen mussten, um nach oben zu kommen. Bei den Abfahrten brachte er es auf 80 km/h. „Für mich ist das zügig.“ Christ kannte ja die Strecke nicht, zudem absolvierten die Teilnehmer den Großteil des Rennens im Dunklen, alle mussten sich mit entsprechenden Helmlampen ausrüsten. Sieger Hermann war in der Abfahrt zum Teil mit über 100 km/h unterwegs.

Florian Christ: Mit Krämpfen ins Ziel

Auf einem etwas flacheren Streckenabschnitt hin zum vorletzten Gipfel bekam der Sindelsdorfer Krämpfe: „Die habe ich bis ins Ziel mitgenommen, das war schmerzhaft.“ Doch der 24-Jährige weiß mit solchen Situationen umzugehen. Insgesamt lief es für ihn besser als gedacht. „Ich war nicht völlig am Limit, der Spaß stand klar im Vordergrund.“

In den kommenden Wochen muss Christ dem Studium den Vorzug vor dem Sport geben. Doch im März steht auf alle Fälle wieder das Skibergsteigen auf dem Programm. Dann steigt in Immenstadt die deutsche Meisterschaft im „Vertical“ (ein Rennen bergauf ohne Abfahrt). Dort hatte Christ 2019 den 15. Platz unter 54 Männern belegt.

Auch das ist interessant:

Skibergsteiger Lautenbacher mit solidem Weltcup-Start - Beim Weltcup-Auftakt im französischen Bergdorf Aussois startet der Bennediktbeurer Toni Lautenbacher in den Disziplinen Individual (27.) und Sprint (30.) und urteilt: „Das ist ausbaufähig.“

Christ und Co. stark beim Pürschling-Berglauf - Klein, aber fein – so war das Teilnehmerfeld beim 42. Berglauf auf den Pürschling. Die Athleten aus dem Landkreis setzten sich auf den 4,8 Kilometern und 705 Höhenmetern bestens in Szene.

Überraschungen beim Blomberglauf - Beim 35. Tölzer Blomberglauf sorgten die Athleten aus dem Landkreis gleich in mehrfacher Hinsicht für Furore. Mikki Heiß und Josef Streicher übertrafen ihre Erwartungen, der SV Söchering freute sich über Bestzeiten und gute Debüts.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Basketball-Schiri Peter Wolff: „Ein Bierbauch ist nicht drin“
Auf dem Feld tanzen die Basketballer nach seiner Pfeife: Peter Wolff ist Schiedsrichter in der 2. Liga. Dass er es dorthin geschafft hat, war für einige verwunderlich.
Basketball-Schiri Peter Wolff: „Ein Bierbauch ist nicht drin“

Kommentare