Speedwayfahrer Dennis Helfer mit einem Mountainbike, mit dem er sich fit hält.
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Das Motorrad ist nicht mehr alles: Dennis Helfer hat aufgrund der Corona-Pandemie heuer erst ein einziges Rennen bestritten. Viele Wettbewerbe fielen aus, da blieb viel Zeit etwa für das Mountainbiken.

Speedway

Corona bremst Speedway-Piloten Dennis Helfer: „Ich habe komplett runtergefahren“

  • Stefan Schnürer
    vonStefan Schnürer
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Corona bedeutet auch für manche Motorsportler eine Zäsur. Zu ihnen gehört Dennis Helfer. Der Weilheimer musste sich zuletzt anderweitig betätigen - was ihm neue Perspektiven eröffnete.

Weilheim - Den 18. Juli hat sich Dennis Helfer im Kalender vermutlich nicht rot angestrichen, obwohl es für ihn ein besonderes Datum war. An diesem Samstag bestritt der 30-jährige Weilheimer im tschechischen Marienbad sein erstes Speedway-Rennen in diesem Jahr. Am Ende musste er sich mit Rang neun begnügen, doch das störte ihn ganz und gar nicht. Wichtig war für ihn etwas ganz anderes: „Ich bin endlich mal wieder gefahren“, so Helfer.

In normalen Jahren beginnt der Weilheimer, der seit frühester Kindheit auf dem Motorrad sitzt, so ab Mitte Februar mit dem Training für die neue Saison. Ende April folgen meist die ersten kleineren Rennen, ehe im Mai die Klassiker folgen, „die meistens schon saisonentscheidend sind“, wie er anmerkt. Gemeint sind etwa die Speedway-Rennen in Mühldorf, Dingolfing, Altrip oder Herxheim – allesamt Rennbahnen, „die mir liegen“, so der 30-Jährige.

Dennis Helfer: Kontrastprogramm zu Speedway-Rennen

Pech war nur, dass die Termine allesamt in eine Zeit fielen, als wegen Corona ein gesellschaftliches Leben hierzulande praktisch nicht mehr stattfand. Nicht einmal an Training war mehr zu denken. „Die ersten Wochen waren stinklangweilig“, gab Helfer zu. Damit dies kein Dauerzustand wurde, musste sich der eingefleischte Motorsportler andere Arten der Beschäftigung suchen. So setzte er sich vermehrt auf sein Mountainbike oder unternahm Bergtouren mit seiner Freundin Marina. Und es ist nicht so, dass ihm das keinen Spaß gemacht hätte: „Das war sehr schön, ich hatte den Blick dafür total verloren“, sagt Helfer. Damit aber noch nicht genug: Der Weilheimer machte Urlaub. Erst ging’s eine Woche zum Zelten an den Mondsee in Salzkammergut, danach ging’s eine Woche nach Innsbruck zu Bekannten seiner Freundin. „Ich glaube, ich habe vor 15 Jahren zum letzten Mal Urlaub gemacht“, sagt Helfer. „Ich habe komplett runtergefahren.“ Erheblich schwerer war laut dem 30-Jährigen die Zwangspause für seinen Vater: „Der ist mal mit meiner Mutter nach Krumbach gefahren und hat sich dort eine leere Bahn angeschaut.“

Schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie hatte Dennis Helfer sportlich gesehen keine leichte Zeit hinter sich. Immer wiederkehrende Motorenprobleme verhagelten ihm dermaßen die Laune, dass er kurzzeitig sogar daran dachte, seine Karriere zu beenden. „Das hat mich richtig genervt. In hatte in keinem Rennen mehr Spaß.“ Die Probleme, die ihre Ursache in einer zu kleinen Bohrung im Tankdeckel hatten, sind mittlerweile aber beseitigt. Helfers Motorrad läuft wieder einwandfrei und der Spaß am Sport ist wieder zurückgekehrt.

Dennis Helfer: Starke Konkurrenz beim Rennen in Marienbad

Das Rennen in Marienbad war für Dennis Helfer noch in einem anderen Zusammenhang bemerkenswert. Mutmaßlich zum ersten Mal in seiner Karriere war sein Vater Klaus, der auch als Teamchef fungiert, bei einem Wettkampf seines Sohnes nicht dabei. Da im Terminkalender ursprünglich kein Rennen für den 18. Juli auf dem Programm stand, hatte sich Klaus Helfer für diese Zeit Urlaub genommen. So bestand das Team diesmal nur aus drei Personen: Neben Dennis Helfer und seiner Freundin trat auch Florian Braune, der seit dem vergangenen Jahr Mechaniker des 30-Jährigen ist, frühmorgens gegen 3.30 Uhr die Fahrt nach Tschechien an.

Platz neun unter 14 Fahrern ist auf den ersten Blick nicht sonderlich berauschend. Die Qualität des Starterfeldes war allerdings auch sehr erlesen: Sechs der 14 Speedwayfahrer sind aktuell beim Grand Prix auf der Langbahn dabei. „Ich war mit dem Rennen nach über neunmonatiger Rennpause und nur einem Training sehr zufrieden“, zog Helfer eine positive Bilanz. „Auch mit meinen neuen Motoren musste ich mich erst einmal anfreunden.“ Die Starts hätten eigenem Bekunden nach besser sein können, „aber so ist das eben mal, wenn man so lange nicht gefahren ist“. Obendrein hatte ein Großteil der Fahrer, vor allem die einheimischen aus Tschechien, schon einige Rennen bestritten und wesentlich mehr trainiert.

Nach derzeitigem Stand wird Helfer in diesem Jahr sogar noch einen zweiten Wettkampf bestreiten. Die zuständigen Behörden haben dem MSC Neuenhasslau (Hessen) sein für 3. und 4. Oktober geplantes Grasbahnrennen mit Zuschauern genehmigt.

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