Humor ist, wenn man trotzdem lacht: Christiane Rill (links) nahm die Niederlage gegen ihre Schongauer Kontrahentin Monika Habersetzer gelassen hin.
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Humor ist, wenn man trotzdem lacht: Christiane Rill (links) nahm die Niederlage gegen ihre Schongauer Kontrahentin Monika Habersetzer gelassen hin.
Ein Glücksbringer, der noch keiner ist: der Plastikfrosch auf der Weilheimer Tennisanlage.
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Ein Glücksbringer, der noch keiner ist: der Plastikfrosch auf der Weilheimer Tennisanlage.

Tennis: Bayernliga 

Der Frosch und  Weilheims Damen 50 fremdeln noch

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Wie der Name schon sagt, soll er Glück bringen. Der Glücksbringer der Damen 50 des TC Weilheim verweigerte im Derby gegen Schongau zunächst aber seinen Dienst.

Weilheim – Wenn wir schon über Corona reden, muss Ulrike Chab natürlich das Abenteuer der vorigen Woche erzählen. Die Tennisspielerinnen der Weilheimer Damen 50 fuhren in den Landkreis Ebersberg nach Steinhöring. Die Gastgeberinnen räumten ihnen eine Umkleide frei. Die wirklich witzigen Dinge ereigneten sich erst hinterher in der Gaststätte nach dem 5:4-Sieg. „Die haben uns in den Nebenraum geschickt“, berichtet Chab, die Teamführerin der Damen 50 in der Bayernliga. Separiert vom Rest der wohlriechenden Kundschaft. Der Duft des Erfolgs, verfeinert mit einer persönlichen Note, ließ sich nicht abschrubben. Duschen blieben auf Verordnung der Regierung geschlossen und unbenutzt. Nachdem sie gemeinschaftlich gewonnen hatten, hätten sie auch „gemeinschaftlich gestunken“, witzelt Sabine Diesel-Kemper.

Tennis: Erster Heimauftritt der Weilheimer Damen 50 hat einen Hauch von Normalität

Am vergangenen Samstag traten die Weilheimer Damen 50 nun zum ersten Mal daheim an – und das fühlte sich erfrischend normal an. Neben dem Parkplatz tricksen die Kinder wieder auf ihren Skateboards. Der Torbogen grüßt noch immer die Gäste. Neu ist nur der Frosch vor der Terrasse. Ein treues Mitglied hat ihn für 20 Euro in Friedberg erstanden, ein Schnäppchen, und auf den abgestorbenen Baum gesetzt, den sie nicht umsägen wollen. Sein breites Maul animiert die Gäste zum Grinsen. Lachen ist nie schlecht in den Monaten nach der großen Corona-Depression. Alle haben zu wenig gelacht. Der Speicher der Freude gehört aufgefüllt. Zur Not mit einem Frosch, der nicht quakt.

Tennis: Weilheims Mannschaftsführerin Ulrike Chab, ahnte schon, dass es gegen Schongau schwer werden würde

Auch Glück soll der bringen. Aber in diesem Job hat er gewaltig versagt. Seine Damen-50-Bilanz steht nun bei 0:1. Die Weilheimer Spielerinnen verloren ihr Landkreisderby mit 2:7 gegen den TC Schongau. Ulrike Chab hatte schon geahnt, welche Herausforderung der Aufsteiger darstellt. Gewiss zählt Weilheim seit Jahren zu den besseren Vereinen der Bayernliga, wurde 2018 Meister, verzichtete aber auf den Sprung in die Regionalliga. Aber sie werden alle älter. Schongau hingegen rückte mit einem jüngeren Team an, drei unter 55 Jahren versus nur einer (Christiane Quint) beim TCW. Die Gäste haben auch noch Liselot Prechtel verpflichtet, die die Szene nur als „die Lisa“ kennt. Die Lisa ist Welt- und Europameisterin diverser Altersklassen, aktuell die Nummer eins der Damen-55-Welt und die Lisa wird in dieser Liga kein Spiel verlieren, wohl auch keinen Satz, vielleicht einmal ein paar Punkte. „Die ist Wow“, sagt Luise Humml, Kapitänin beim TC Schongau, die den Deal ausgearbeitet hat. Die Weilheimer Nummer eins, Diesel-Kemper, schaffte keinen Zähler. 6:0 und 6:0 gewann die Lisa, Leistungsklasse 4.

Tennis: Weilheims Sabine Diesel-Kemper ist gegen Liselot Prechtel chancenlos

Prechtel läuft nebenher noch für Murnau in der Landesliga auf. Vorige Woche hat sie eine Eggenfelderin bezwungen, die war 27 Jahre jünger. Vom Vorstand erhielt das Team danach aber kein Lob, sondern eine Rüge. Was sei den Frauen bloß eingefallen, Zuschauer auf die Anlage zu lassen. Weilheim behandelt das sensible Thema anders. Zuschauer durften das Gelände betreten. Sie sollten Abstand halten und „den gesunden Menschenverstand“ aktivieren, wie Chab sagt. So viele Sportarten das Virus im Schwitzkasten hält, so wenig limitiert er das Tennis. Der Klub hat Desinfektionsmittel aufgestellt. Gäste erhalten ohnehin eine eigene Umkleide – und das schon vor Corona. Seit dieser Woche darf man wieder duschen. Die Weilheimer Anlagen trennen Steinmauern. Das ist Luxus. „Wir haben wirklich beste Bedingungen“, lobt Chab.

Tennis: Handschlag und Umarmungen sind noch verboten

Auf dem Platz müssen sich die Damen nur an eine wesentliche Änderung gewöhnen: Man hat ihnen die Umarmung verboten, auch den Handschlag. „Fehlt mir schon, beim Doppel abzuklatschen“, sagt die Spielführerin aus Weilheim. Aber für eine Saison könne sie auch darauf verzichten. Vor ein paar Wochen, als der Verband die Saison aufschob, fragte sie alle gegnerischen Mannschaften. Lohnt es sich? „Unsicherheit war da“, so Chab. Aber dann lockerte Bayern die Beschränkungen. Bis auf ein Team machen alle mit. Sieben Klubs, das letzte Spiel bestreiten die Weilheimerinnen am 25. Juli, am letzten Spieltag am 1. August sind sie spielfrei. Auf- und Abstieg haben die Funktionäre gestrichen. Sie nennen das einmalige Konstrukt Übergangssaison. „Was vorher Ehrgeiz war, ist jetzt der Spaß“, erklärt Chab. Daran müsse man sich gewöhnen. Mindestens die Hälfte des Kaders geht die Sache sehr ehrgeizig an. Gewinnen möchten alle. Ein Ziel haben sie jedoch in diesem Sommer keines ausgegeben. „Einfach Spaß am Spiel haben.“

Am nächsten Wochenende fahren die Weilheimerinnen nach Scheyern. Womöglich sieht die Tenniswelt dort ganz anders aus. Die Gegner zweifelten lange ob der Teilnahme. Sie spielen.

TC Weilheim – TC Schongau 2:7

Einzel: Sabine Diesel-Kemper - Liselot Prechtel 0:6, 0:6; Christine Reiser - Luise Humml 4:6, 2:6; Ulrike Chab - Paula Feith 1:6, 4:6, Christiane Rill - Monika Habersetzer 1:6, 3:6; Ruth Schütz - Cilly Gratz 6:3, 6:3; Christiane Quint - Sabine Hutter 6:0, 6:0. Doppel: Diesel-Kemper - Prechtel/Humml 4:6, 2:6; Chab/Rill - Feith/Habersetzer 3:6, 2:6; Reiser/Schütz - Alexandra Sturm/Gratz 0:6, 1:6

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