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Bestes Wetter bei der Siegerehrung: Florian Probst (Mi.) mit Michael Postaski (l.) und Axel Zapletal. 
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Schlechte Sicht, gute Stimmung: Florian Probst am Hochfellnhaus nach dem letzten großen Anstieg.
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Florian Probst auf der 100-Meilen-Strecke.
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Applaus und staunende Blick: Florian Probst bei der Zielankunft in der Chiemgau-Arena.

Traillauf

100 Meilen durch den Chiemgau: Bergauf hat Probst erst so richtig Spaß

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Der „Chiemgauer 100“ ist ein ganz besonderer Traillauf. Florian Probst hat sich an die 100-Meilen-Strecke gewagt und sie souverän gewonnen. Ein Problem ergab sich für ihn vor dem Start.

Ruhpolding/Raisting – Der finale Anstieg zum Hochfelln ab etwa Kilometer 135 mag so manchen anderen Teilnehmer in Verzweiflung gestürzt haben, Florian Probst freute sich regelrecht drauf. „Wenn einem eh schon alles weh tut, ist das Bergauf-Laufen gar nicht schlecht.“ Und mit einem Schmunzeln fügte er an: „Es gefällt mir, wenn sich beim Streckenprofil etwas rührt.“

Ganz oben, auf 1674 Metern, erhoffte sich der Raistinger auch noch einmal einen schönen Rundumblick. Doch er wurde bitter enttäuscht. Nix war’s mit einem schönen Panorama, der Chiemsee blieb auch im Verborgenen. „Man hat gerade einmal drei Meter weit gesehen“, berichtete Probst. Schon allein der verpassten Aussicht wegen ist für ihn klar: Den Chiemgauer-100-Traillauf „mache ich nächstes Jahr wieder“. Vielleicht baut Organisator Giselher Schneider dann für den Raistinger ein paar Extra-Anstiege ein. Denn der Konkurrenz war Probst auf der 161-Kilometer-Strecke haushoch überlegen.

Florian Probst: Rechenspiele vor dem Start 

Die „100 Meilen“, wie die Königsdistanz in Anlehnung an die Zahl 100 im Veranstaltungsnamen offiziell heißt, spulte der Raistinger in gerade einmal 22:49:16 Stunden ab. Auf den Zweitplatzierten, den US-Amerikaner Michael Postaski, hatte er knapp zwei Stunden Vorsprung. „Es war ein Tag, an dem alles gepasst hat“, freute sich der Ultraläufer. Dass irgendwann auf so einer langen Distanz Schmerzen kommen, „ist ohnehin normal“, sagte er lakonisch.

Die 161 Kilometer mit 7500 Höhenmetern stellte für den Raistinger an sich kein Problem dar. Der Physiotherapeut hat schon gewaltigere Strecken geschafft, unter anderem beim Monte-Rosa-Ultra in der Schweiz. Dennoch war der 37-Jährige kurz vor dem Start beim „Chiemgauer 100“ etwas am Zweifeln – und zwar, ob er richtig gerechnet hatte.

Florian Probst: Erstmals beim Chiemgauer 100 am Start

Organisator Schneider hat für die Teilnehmer, das Limit liegt bei 150, ein ganz bestimmtes Prozedere vorgesehen: Die Läufer müssen vorab angeben, wie schnell sie die ersten 85 Kilometer (sie enden am Ausgangspunkt in der Chiemgau-Arena) zurücklegen. Entsprechend gehen sie zu unterschiedlichen Uhrzeiten ins Rennen. Hintergrund der Aktion: Die jeweiligen Zieleinläufe der Teilnehmer und vor allem deren Besuche an den Versorgungsstationen sollen konzentriert werden. Wer als schneller Läufer zu früh startet, läuft Gefahr, zu einer noch unbesetzten Station zu kommen.

Für Probst, der erstmals am „Chiemgauer 100“ teilnahm und die Strecke nicht kannte, eine knifflige Knobelei: „Ich habe da ziemlich viel überlegt. Als Neuling bist du da ein bisserl überfordert.“ Als Letzter des Teilnehmerfeldes ging er um 19 Uhr – mit Michael Postaski – schließlich ins Rennen. Wie sich herausstellte, hatte sich Probst genau richtig eingeschätzt. Die ersten 85 Kilometer absolvierte er in zehneinhalb Stunden. „Das hat genau ins Zeitfenster gepasst“, so Probst.

Florian Probst: Gewitter beim Aufstieg zum Hochfelln 

Nicht allzu lang nach dem Start hatte er den US-Amerikaner abgehängt. Der Anstieg zur Kohleralm „war dann der Formtest, wie sich die Haxen bergauf anfühlen“. Probsts Fazit: „Es lief ganz gut.“ Alsbald überholte er auch die ersten Läufer, die vor ihm gestartet waren. „Diese Euphorie“, berichtete er, „verflog aber kurz vorm Biathlonzentrum.“ Denn es regnete wie aus Kübeln. Allzu lang hielt Probsts Trübsal nicht an: „Ich stopfte mich mit Unmengen an Gummibärchen voll und lief in die zweite Schleife“, berichtete er. Das Wetter beruhigte sich, was ihm beim Auf- und Abstieg an der Hörndlwand entgegenkam. Danach überholte er den bis dahin Führenden und späteren Dritten, Axel Zapletal (TSV Feldafing); aufgrund der verschiedenen Startzeiten wusste Probst, dass er einen gewaltigen Vorsprung auf die anderen Teilnehmer hatte.

Am letzten Berg, dem Hochfelln, begann es noch einmal ordentlich zu regen, obendrein gab es ein Gewitter. Das Wetter konnte Probst nicht mehr schocken, das Bergauf-Laufen mag er einfach. In der Hütte angekommen, gab’s eine ordentliche Stärkung. Den technisch schwierigen Abstieg bewältigte er etwas langsamer als gedacht. Aufgrund der Nässe „ging der nicht mehr zum Laufen“. Die letzten zehn Kilometer auf welligem Terrain „haben sich gezogen“, so Probst. „Ich hatte nichts anderes mehr im Kopf als frisch gezapftes Weißbier.“

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