Trailrunner Florian Probst beim 24-Stunden-Rennen des Hochkönigman in Maria Alm.
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Hurra, gewonnen: Florian Probst bei der Überquerung der Ziellinie in Maria Alm. Der Raistinger gewann mit haushohem Vorsprung.

Haushoher Sieg bei 24-Stunden-Rennen in Maria Alm

Trailrunner Florian Probst in Kopf und Beinen bärenstark

  • Paul Hopp
    VonPaul Hopp
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Die volle Wettkampfzeit schöpfte Florian Probst in Maria Alm nicht aus. Aber das war egal: Der Raistinger gewann auch so das 24-Stunden-Rennen bei der „Special Edition“ des „Hochkönigman“-Trailruns haushoch.

Maria Alm – Für die abgehängten Konkurrenten mag es erhellend gewesen sein, dass auch ein Florian Probst mal genug haben kann. Sie waren also doch gegen einen Menschen und nicht etwa gegen eine Maschine angetreten. Eine Runde hätte der Raistinger locker draufpacken können beim 24-Stunden-Rennen, das als „Special Edition“ des „Hochkönigman“-Trailruns ausgeschrieben war.

So viel Wettkampfzeit war noch übrig. Doch Probst verzichtete darauf, erneut den Weg von Maria Alm hinauf zum Prinzensee und wieder zurück in Angriff zu nehmen. Er lief stattdessen mit einem Lächeln im Gesicht und erhobenen Armen unter dem Zielbogen hindurch.

Mit einem Lächeln im Gesicht über die Ziellinie

Dass er alle anderen schon längst in Grund und Boden gelaufen hatte, war ihm bei seiner Entscheidung, die Wettkampfzeit nicht voll auszureizen, keineswegs bewusst. „Ich habe gar nicht so verfolgt, wie der Stand war“, berichtet der 39-Jährige. Das Resultat fiel jedenfalls eindrucksvoll aus: Probst hatte 21 Runden abgespult, was 136,5 Kilometern samt 9240 Höhenmetern entsprach. Der Zweitplatzierte, der Österreicher Wolfgang Zingl, hatte 14 Runden (91 Kilometer/6160 Höhenmeter) geschafft.

Die bloße Platzierung war für Probst eher zweitrangig. Den Auftritt „möchte ich gar nicht so als Rennen bezeichnen“, sagt er abwehrend. Ihm war wichtig zu sehen, dass seine Form in der langen, durch Corona bedingten Zeit ohne Wettkämpfe nicht gelitten hat. „Es hat alles funktioniert. Ich habe wieder Spaß gehabt.“ Zugleich war die Veranstaltung auch ein Zeichen dafür, dass der Lockdown nun passe ist. Die Atmosphäre im Teilnehmerfeld war entsprechend gelöst: Als „sehr angenehm“ empfand Probst die Stimmung. „Jeder war froh, dass man wieder gemeinsam sporteln darf. Keiner war verbissen.“ Das führte dazu, dass sich die Athleten, wenn sie sich in entgegengesetzter Richtung auf dem Rundkurs begegneten, gegenseitig anfeuerten.

Ein Lächeln geht immer: Florian Probst während des Traillaufs in Maria Alm, bei dem er in der Wettkampfzeit 136,5 Kilometer mit 9240 Höhenmetern absolvierte.

Das Wettkampfformat war noch Corona geschuldet. Die Teilnehmerzahl in den drei Wettbewerben (6/12/24 Stunden) war begrenzt. Gelaufen wurde auf einer eher kleinen Runde (6,6 Kilometer/440 Höhenmeter). Für die Verpflegung musste jeder Teilnehmer selbst sorgen. Zuschauer waren nicht erlaubt. Und offiziell lief das Ganze als „Österreichische Meisterschaft“; die Kontingente für Ausländer waren nur klein.

Als Ultratrailläufer ist Florian Probst, beruflich als Physiotherapeut und Heilpraktiker tätig, lange Distanzen gewohnt. So hat er schon beim „Chiemgau 100“ auf der 100-Meilen-Distanz (161 Kilometer) einmal gewonnen (2019) und einmal Platz zwei (2020) belegt. Die Anforderungen an beide Wettkampfformen sind jedoch unterschiedlich: „Man kann beides nicht miteinander zu vergleichen.“ Zweimal hatte er als Mountainbiker beim 24-Stunden-Rennen in München teilgenommen. Von damals wusste er: Auf einem sich ständig wiederholenden Kurs so lang durchzuhalten, „ist eher eine Kopfsache“. Vor allem die Nacht kann herausfordernd sein. In Maria Alm bildeten ein heftiges Gewitter und Regen im Dunkeln einen Test für die Willensstärke.

Knackpunkt bei so einem Trailrun über einen ganzen Tag sind laut Probst die Bergab-Passagen. Dort „kann man sich unglaublich kaputt machen.“ Ein Konkurrent gab am Anfang auf dem Wurzelweg ins Tal mächtig Gas und musste das schnell büßen Um einschätzen zu können, was da in Österreich auf ihn zukommt, hatte der Raistinger „heimlich geübt“, wie er mit einem Schmunzeln sagt. Zweimal war er vorab das Hörnle jeweils zehn Mal rauf und runter gelaufen. Die Strecke dort ist vom Charakter her dem Rundkurs in Maria Alm ähnlich. Die Tests – einmal bei Schneefall, einmal bei Regen – fielen vielversprechend aus.

Zum Training zehnmal hintereinander aufs Hörnle

Probst teilte sich in Maria Alm seine Kräfte absolut richtig ein. Weder der Regen in der Nacht noch die recht hohen Temperaturen untertags bremsten ihn. Der Vater eines neunjährigen Sohnes erfreute sich sogar an der „super Aussicht“ mit Blick auf den Hochkönig sowie die Loferer und Leoganger Berge. „Man konnte sich ablenken“, so der Raistinger. Auf längere Pausen verzichtete Probst. In der Nacht setzte er sich hie und da zum Essen hin, aber nie länger als zehn Minuten. Für sich hatte der Ultraläufer im Verpflegungsbereich eine Kiste bereitgestellt, in der sich vornehmlich Gels befanden. Mit zunehmender Dauer bekam Probst das süße Zeug aber satt. Eine Helferin besorgte in der Früh des finalen Wettkampftages herzhafte Butterbrezen. „Das war ein Traum.“ Probst bekam so einen Extra-Motivationsschub für die letzten Stunden.

Der gelungene Saisonstart gebe ihm „ein gutes Gefühl und Aufwind für das Jahr“, sagt der Raistinger. Anvisiert sind unter anderem Starts beim Ultratrail im Stubai (im Juli) sowie beim „Kitz Alps Trail“ (August), einem Lauf über 100 Meilen.

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