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Franca Henseleit und ihr Tapetenwechsel im großen Stil

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Von: Paul Hopp

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Goodbye Germany: Franca Henseleit kurz vor ihrem Abflug in die Vereinigten Staaten. In North Carolina studiert die 19-Jährige aus Steingaden künftig an der Queens University of Charlotte.
Goodbye Germany: Franca Henseleit kurz vor ihrem Abflug in die Vereinigten Staaten. In North Carolina studiert die 19-Jährige aus Steingaden künftig an der Queens University of Charlotte. © Privat

Triathletin Franca Henseleit hat ein Studium begonnen. Ihren Sport möchte sie weiterhin auf Hochleistungsniveau betreiben. Damit das funktioniert, hat die 19-Jährige Deutschland verlassen.

Charlotte/Steingaden – Franca Henseleit bezeichnet die ganze Aktion selbst lakonisch als „Tapetenwechsel“, aber in Wahrheit ist es absolutes Neuland, das sie betritt. Seit gut einer Woche befindet sich die 19-Jährige in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina. Dort hat die Steingadenerin an der Queens University ein Psychologiestudium begonnen. Die Uni dort gibt ihr die Möglichkeit, auch weiterhin Triathlon auf Hochleistungsniveau betreiben zu können.

Henseleit hat ein entsprechendes Stipendium bekommen. Derlei Unterstützung für ambitionierte Athleten ist in den USA die Regel. Die Universitys und Colleges übernehmen im Sport dort die Rolle, die Vereine und Stützpunkte in Deutschland haben. Aus dem Landkreis haben in der Vergangenheit mehrere Sportler diese Chance genutzt. Dazu gehörten unter anderem Leichtathlet Maximilian Weigand (Florida Gulf Coast University) aus Penzberg und Fußballerin Kristina Schuster (North Carolina State University) aus Polling.

Umzug nach fünf Jahren in Nürnberg

Insgesamt fünf Jahre war die Steingadenerin am Bundesstützpunkt für Triathlon in Nürnberg – erst im Internat, danach in einer Athleten-WG. „Ehrlich, ich hatte eine Hammer-Zeit dort“, so Henseleit in ihrem Blog. Nach dem im vergangenen Jahr bestandenen Abitur machte sie sich Gedanken, wie es für sie weitergehen soll. Die Variante, in Nürnberg zu bleiben, sei zwar nicht schlecht gewesen, allerdings sei sie damit „auch nicht zu 100 Prozent zufrieden“ gewesen. Klar war, dass Henseleit neben einem Studium weiter Leistungssport betreiben möchte. Hierzulande „eine etwas schwierige Kombi, und so kam ich auf Amerika“, so die Triathletin. Im Dezember absolvierte sie noch ein Trainingslager auf Fuerteventura. Nach Weihnachten bei der Familie und dem Jahreswechsel folgte schon die Abreise in die USA.

Sportliche Geschwister: Das Foto zeigt Franca Henseleit mit ihrem Bruder Simon, der auf der Kurz- und Sprintdistanz zur deutschen Spitze zählt.
Sportliche Geschwister: Das Foto zeigt Franca Henseleit mit ihrem Bruder Simon, der auf der Kurz- und Sprintdistanz zur deutschen Spitze zählt. © Reyemotion/Instagram

Nach der Ankunft erfuhr Henseleit, dass wegen Corona der Start an der Uni um eine Woche nach hinten verschoben wurde. Deswegen „war erst mal kaum jemand hier am Campus, und das war ganz schön seltsam zuerst“, berichtete sie. Seit dem vergangenen Wochenende „kommen immer mehr Studenten zurück an den Campus und es füllt sich langsam“. Gingen die Kurse erst noch online vonstatten, so sollen demnächst wieder Präsenzvorlesungen stattfinden.

Triathletin Franca Henseleit studiert in den USA

Im Sportangebot der „Queens University of Charlotte“ finden sich für Frauen 15 Disziplinen – von Basketball über Cheerleading und Fußball bis hin zu Hockey, Lacrosse und Schwimmen. Die Triathlon-Sparte war in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich. Im November vergangenen Jahres holte sich das Frauen-Team der „Royals“ – so der Spitzname der Uni – bei den „USA Triathlon Collegiate National Championships“ zum sechsten Mal in Folge den Titel in der Division II. In den USA gibt es für Colleges ein Drei-Divisionen-System – die Einteilung erfolgt unter anderem nach Größe und Bedeutung der jeweiligen Bildungseinrichtung. Henseleits Uni in Charlotte gehört mit rund 2300 Studierenden zur mittleren Kategorie. Die Trikotfarben der „Royals“ sind Blau und Golden, das Uni-Maskottchen ist ein mit einer Krone ausgestatteter Löwe namens Rex.

Beim Meisterschaftswettkampf in Arizona schafften es gleich drei Teammitglieder unter die besten elf. Den Sieg in der Einzelwertung holte sich die Deutsche Finja Schierl im Trikot der Wingate University. Die Darmstädterin gehörte zusammen mit Henseleit zum deutschen Aufgebot bei der Sprint-EM 2021 in Kitzbühel. Im A-Finale der Juniorinnen wurde Schierl Zehnte, Henseleit belegte den 21. Rang.

Der Sport bleibt im Fokus: Kurz vor der Abreise in die USA absolvierte die Kadertriathletin noch ein Trainingslager auf Fuerteventura.
Der Sport bleibt im Fokus: Kurz vor der Abreise in die USA absolvierte die Kadertriathletin noch ein Trainingslager auf Fuerteventura. © Privat

Im Triathlon-Team der „Royals“ ist Franca Henseleit eine von vier Neulingen. Neben ihr sind das Natalya Carter aus Neuseeland sowie die Südafrikanerinnen Kira Ribbink und Nadya Stolarczyk. Die internationale Ausrichtung gehöre zur Philosophie der Triathlon-Sparte, so Headcoach Sonni Dyer. Der gesamte Frauen-Kader umfasst 23 Athletinnen.

Die ersten Trainingseinheiten mit ihren Kolleginnen hat sie schon absolviert. „Noch ist es hier relativ entspannt und wir dürfen viel frei – zwar in der Gruppe, aber ohne Trainer – trainieren.“ Zudem nutzte sie die Gelegenheit, erstmals ein NBA-Spiel zu besuchen – und sah einen 114:106-Heimsieg der Lokalheroen „Charlotte Hornets“ über die „Milwaukee Bucks“. „Also, was will man mehr?“, so ihr augenzwinkernder Kommentar.

Die Wettkampf-Saison für die Colleges steigt im Herbstsemester. Im Februar beginnt das gezielte Training darauf. Momentan, so die 19-Jährige, hält sie sich noch an die Pläne ihres Trainers in Deutschland. „Bin auf jeden Fall schon sehr gespannt, wie es dann ab Februar so ist.“

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