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Wüsten-Express: In Tucson in Arizona bereitete sich Lukas Krämer mehrere Wochen gez ielt auf den „Ironman Argentina“ vor. Das Foto zeigt ihn bei einer Trainingseinheit auf dem Rad.
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Laufen in der Großstadt: Lukas Krämer bei seiner dritten Disziplin beim „Ironman Argentina“ in Mar de la Plata.
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Lukas Krämer nach seinem fünften Platz beim „Ironman Argentina“.
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Reisegruppe in Sachen „Triathlon“: Lukas Krämer (2.v.l.) mit Lebensgefährtin Christine und Mathias Mayr mit Freundin Laura.

Triathlon

Hawaii-Quali macht nicht nur Freude

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Das Jahr begann nicht gut für Triathlon-Profi Lukas Krämer. Dank eines starken Auftritts in Argentinien hat er nun die Quali für Hawaii geschafft.

Peißenberg – Für viele Triathleten ist die Teilnahme an der Ironman-WM auf Hawaii der große Lebenstraum. Für Lukas Krämer ist so ein Startplatz auch eine Verpflichtung. Wenn der Peißenberger antritt, „dann habe ich nicht vor, mich acht, neun Stunden von anderen nach hinten durchreichen zu lassen“. Und deswegen sieht der 34-Jährige der WM im kommenden Jahr, für die er sich mit Rang fünf beim „Ironman Argentina“ qualifiziert hat, „mit gemischten Gefühlen“ entgegen. Einerseits sei die erfüllte Norm „eine Riesenbelohnung für den Aufwand an Zeit und Geld während der letzten eineinhalb Jahre“. Doch andererseits „weiß ich, wer bei den Profis am Start steht“, so Krämer. „Davor habe ich schon Bammel.“ 2014 und 2016 gewann er auf Hawaii bereits bei den Amateuren seine Altersklasse.

Krämers Vorstellung in Mar de la Plata sollten seine Sorgen eigentlich zerstreuen können. Allein die Zeit von 7:48:09 Stunden für 224 Wettkampfkilometer konnte sich sehen lassen. In einem stark besetzten Feld mischte er unter den Besten mit und kam auch mit Schwierigkeiten zurecht.

Der gebuchte Mietwagen erwies sich als zu klein für Krämer, die Begleiter (seine Lebensgefährtin sowie Kumpel Mathias Mayr und dessen Freundin) und das Gepäck. Zwei Tage vor dem Wettkampf, als er die Schwimmstrecke inspizierte, musste der Berufsfeuerwehrmann am Strand als Ersthelfer eingreifen: In einer Gruppe anderer Triathleten hatte ein Mann einen Herzinfarkt erlitten. Trotz aller Bemühungen verstarb der Sportler. Ein Erlebnis, das Krämer danach schon beschäftigte.

Kurz vor dem Wettkampf erfuhr er via Lautsprecher, dass die Schwimmdistanz wegen niedriger Wassertemperaturen von 3,8 Kilometer auf gut die Hälfte verkürzt wird. Krämer war froh, dass überhaupt ein Schwimmen stattfand. Bei seinem Test-Wettkampf in Waco (wir berichteten) fiel das Schwimmen ganz aus, die Athleten starteten in 30-Sekunden-Abständen auf die Rad-Strecke. „Darauf hatte ich keine Lust mehr“, so der Peißenberger. Das Schwimmen brachte Krämer in 22:02 Minuten hinter sich.

Auf dem Rad kam der Peißenberger bei Kilometer 15 zu einem Wendepunkt, dort übersah er zwei Fahrbahnschwellen, die Autos einbremsen sollen. Dabei verlor er eine Flasche, in die er Gels gepackt hatte. Er sammelte die Teile wieder ein, verlor so aber den Anschluss an die Top-Gruppe. „Ich habe versucht, wieder hinzufahren. Das hat mich einiges an Körner gekostet.“ Nach 60 Kilometer „haben sich die Oberschenkel mehr gemeldet, als mir lieb war.“ Die 180 Kilometer absolvierte er in 4:30:20 Stunden.

Beim Laufen machten die Oberschenkel nach etwa zehn Kilometer „richtig zu“, so Krämer. „Ich bin gefühlt bloß gestolpert.“ Die Uhr zeigte allerdings etwas anderes: Krämer war doch recht flott unterwegs, „was mich überrascht hat“. Den Marathon lief er in 2:51:42 Stunden. Kurz vor dem Ziel überholte er noch Ex-Rad-Profi Stefan Schumacher. Dass der fünfte Platz zur Hawaii-Quali reichte, erfuhr Krämer erst mit Verspätung von einem anderen Athleten.

Rein sportlich gesehen hat sich somit das ganze Wagnis „Übersee“ gelohnt. Im Oktober war Krämer mit seinem Kumpel Mathias Mayr nach Tucson (USA) aufgebrochen, um sich sechs Wochen lang auf den „Ironman Argentina“ vorzubereiten. In dieser Zeit absolvierte Mayr in Arizona auch seinen ersten Triathlon. „Es war eine neue Erfahrung und eine intensive Zeit“, so Krämer. Sich so lange nur auf den Sport konzentrieren zu können, war für ihn ungewohnt. Denn obwohl er als „Profi“ firmiert, arbeitet er weiterhin in München bei der Berufsfeuerwehr.

Auch wenn der 34-Jährige diverse Erfolge vorweisen kann, rennen ihm Sponsoren nicht die Türe ein – im Gegenteil: Er muss sich ständig darum bemühen. Sollte sich ein Unterstützer mal von selbst melden, wäre er dafür sehr dankbar. Das Geld ist auch ein entscheidender Faktor für den Trip 2019 nach Hawaii. „Momentan sind wir am Planen“, sagt Krämer. Denn die ganze Saison muss ja auf die WM am 20. Oktober hin ausgerichtet sein.

Was seine Leistungsfähigkeit betrifft, hat Krämer, obwohl er im Frühjahr zweieinhalb Monate gar nicht laufen konnte, zugelegt: „Die Wattwerte sind gut hochgegangen.“ Dass Krämer heuer noch zu Top-Ergebnissen fähig war, hat er auch Physiotherapeut Richard Ehlich zu verdanken. Er erkannte, dass die Probleme von der Leiste herrühren und konnte Abhilfe schaffen. Bei der „Challenge“ in Roth glänzte Krämer im Juni mit einer persönlichen Bestzeit (8:08:21) auf der Langdistanz. „Scheinbar funktioniert das Training.“ So gesehen darf sich Krämer auf Hawaii ruhig freuen.

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