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Laufduell mit einem Hawaii-Sieger: Stefan Schmid (links) mit Frederik van Lierde. Der Peißenberger zog später am Belgier - 2013 Sieger auf Hawaii - vorbei und holte sich so den dritten Platz.

Triathlon: Ironman in Nizza

Schmid macht’s mit Köpfchen

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Peißenberg - Stefan Schmid zeigte sich nach seiner Aufgabe in Brasilien beim Ironman in Nizza mental stark. Das wurde mit einem Top-Platz belohnt.

Die Erschöpfung im Ziel war groß bei Stefan Schmid, und dennoch war er noch voller Energie. Der Peißenberger riss beide Arme hoch und ließ einen Jubelschrei los. Mit dem dritten Platz beim Ironman in Nizza in 8:33:18 Stunden hatte „eine Wahnsinnswoche“, so Schmid, ein glückliches Ende gefunden. Obendrein hatte sich der 29-Jährige schon fix für die Ironman-WM auf Hawaii (8. Oktober) qualifiziert. „Das ist absolut beruhigend. Für die weitere Saison eröffnen sich mir jetzt ganz neue Möglichkeiten“, sagte Schmid.

Vorrangig zählte für den Profi vom „Pewag Racing Team“ aber die Leistung, die er in Nizza gezeigt hatte. Und die war nicht nur des Podestplatzes wegen aller Ehren wert. „Das ganze Drumherum wertet das Ergebnis noch auf“, sagte Schmid. Zum ersten Platz fehlten zwar 3:18 Minuten, dennoch galt für Schmid: „Man kann fast von einem Sieg sprechen.“

In den Tagen vor dem Wettkampf in Nizza plagten den Athleten vom Post SV Weilheim noch „extreme Selbstzweifel“, wie er verriet. Grund dafür war die Aufgabe beim Ironman in Florianopolis (Brasilien) nur sieben Tage vor dem Auftritt in Frankreich. Die Form stimmte zwar, doch muskuläre Probleme zwangen den Peißenberger dazu, das Rennen nach 95 Radkilometern abzubrechen (wir berichteten). Schmid hatte sich – sollte der Ironman in Übersee ausfallen – vorab schon für Nizza angemeldet. Kurzerhand entschied er sich nach dem „Desaster von Brasilien“ zum Start an der Cote d’Azur.

Für Schmid sind die Tage bis zum Startschuss jedes Mal „psychisch nicht einfach“. Trainiert wird da kaum noch, viele Gedanken schwirren durch den Kopf: Passt die Form? Wie stark sind die Gegner? Klappt alles wie gewünscht? „Das ist für alle Profis gleich unangenehm“, sagt der Peißenberger. Als in Nizza dann der Startschuss fiel, waren alle Zweifel beseitigt. „Ich war überzeugt, dass ich um den Sieg mitreden werde“, so Schmid. Das Schwimmen im Meer lief für den Peißenberger „sehr gut“. Mit rund 50 Sekunden Rückstand auf die Mitfavoriten stieg er nach 51:01 Minuten als Gesamtzwölfter aus dem Wasser.

Auf der anspruchsvollen Radstrecke spielte Schmid dann seine Stärke aus. Auf dem rund 20 Kilometer langen anstieg hinauf zum Col de l’Ecre (1120 Meter) hinauf „habe ich die meiste Zeit gutgemacht“. Schmid fuhr auf den späteren Zweiten, James Cunnama (Südafrika), und den Hawaii-Sieger von 2013, Frederik van Lierde (Belgien), auf – das bedeutete schon den sechsten Gesamtplatz. Oben am Gipfel, da waren 70 von 180 Radkilometern absolviert, „war dann aber gefühlt Schicht im Schacht“, berichtete der Peißenberger. Weitere Zeit konnte er in der Folge nicht mehr gutmachen. Gegenüber Cunnama verlor er bis zur zweiten Wechselzone gut vier Minuten. Dennoch lag Schmid mit der Radzeit von 4:49:53 Stunden bestens im Rennen, den Marathon nahm er als Gesamtvierter in Angriff.

Es ist vollbracht: Stefan Schmid beim Überqueren der Ziellinie in Nizza.

Die Situation war allerdings etwas unübersichtlich. Mehrere Athleten liefen zusammen, „die Positionen haben ständig gewechselt“. Mal war Schmid Vierter, Fünfter oder Sechster. „Es war recht schwierig, da cool zu bleiben“, so der Post-SV-Starter. Er wusste: Um die fehlenden Punkte für Hawaii zu holen, war ein fünfter Platz Pflicht. Anfangs der dritten von vier Runden setzte sich Schmid zusammen mit van Lierde von den Konkurrenten ab. In der Folge schüttelte der Peißenberger auch den Belgier ab, was knappe zehn Kilometer in Anspruch nahm. „Umso länger das Rennen dauert, desto besser lief es für mich“, so Schmid. Mental war er – anders als noch in Brasilien – top drauf. Und das gab letztlich den Ausschlag im Zweikampf mit van Lierde. „Auf den letzten 10, 15 Kilometer geht es darum, die Schmerzen auszuschalten. Das ist mir geglückt“, freute sich Schmid, dessen Marathonzeit 2:45:51 Stunden betrug. Den Sieg bei holte sich am Ende Victor del Corral (Spanien/8:30:00) vor Cunnama (8:30:35) und Schmid (8:33:18).

Krämer bester Amateur

Eine herausragende Leistung zeigte in Nizza auch Lukas Krämer („Argi+ Vollast Tri-Team Schongau“). Der 31-Jährige, wie Schmid ein Peißenberger, belegte in der Gesamtzeit von 8:42:06 Stunden (Schwimmen: 53:39/Rad: 4:52:22/Laufen: 2:50:22) den achten Rang. Damit war er bester Amateur, gewann seine Altersklasse und qualifizierte sich ebenfalls für Hawaii. Krämer hatte im Mai schon die Mitteldistanz auf Fuerteventura als bester Amateur absolviert.

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