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Laufstark: Stefan Schmid bei der „Challenge“ auf Gran Canaria, die er als Vorbereitung auf Lanzarote nutzte. 
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Podestplatz auf ungeliebtem Terrain: Beim „Volcano Triathlon“, den Schmid (l.) als Vorbereitung auf den Ironman absolvierte, schaffte er es auf der olympischen Dista nz auf den zweiten Platz hinter dem Spanier Emilio Aguayo Munoz.
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Voll am Anschlag: Stefan Schmid auf der Radstrecke beim „Ironman Lanzarote“, auf der innerhalb der 180 Kilometer mehr als 2500 Höhenmeter zu überwinden sind – und das so gut wie immer bei starkem Wind. 

Triathlon: Ironman

Stefan Schmid kämpft auf Lanzarote und macht überraschende Aussage

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Der „Ironman Lanzarote“ gilt als der schwerste Langdistanz-Triathlon der Welt. Stefan Schmid zeigte dort einen großen Kampf und verriet dann etwas zu seiner Zukunft.

Peißenberg – Stefan Schmid warf seine bisherigen Überzeugungen einfach über Bord. Über den „Club La Santa Ironman“ auf Lanzarote „habe ich immer gesagt: Diesen Ironman werde ich nie machen“, so der Peißenberger. Der Wettkampf gilt als der härteste der Welt. Auf der Radstrecke sind gut 2500 Höhenmeter, im Marathon über 300 Höhenmeter zu überwinden, hinzu kommen Hitze und starke Winde. Seiner ursprünglichen Beteuerung zum Trotz wählte Schmid genau diesen Ironman aus – er sollte der Schlusspunkt unter seiner 21 Jahre andauernden Karriere als Hochleistungs-Triathlet werden.

Stefan Schmid: Ironman-Sieger 2015 in Cozumel 

Seinen Schritt hat sich der 32-jährige Profi genau überlegt. „Ich habe in dem Sport alles erreicht, was ich erreichen wollte“, sagt er. Der Peißenberger gewann in seiner Zeit als Profi einen Ironman (Cozumel 2015), schaffte eine Langdistanz unter der magischen Marke von acht Stunden (7:59:44/2017 in Cozumel) und stand fünfmal bei einem Ironman auf dem Podest. 2010 holte er sich auf Hawaii den WM-Titel in der Altersklasse „18-24“. Bei jedem Athleten, so Schmid, sei ein Limit vorgegeben: „Ich habe über das Training alles ausgereizt, was möglich ist.“ Für ihn war klar: „Ich mache den Triathlon-Sport professionell, aber das geht nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.“ Nun sei der perfekte Zeitpunkt zum Aufhören. Schmid möchte nicht zu denjenigen Sportlern gehören, die den Absprung verpasst haben.

Dem Triathlon- und auch Ausdauersport bleibt der Peißenberger verbunden: „Es ist ja keine Entscheidung gegen den Triathlon.“ Schmid fungiert seit einiger Zeit bereits als Trainer für Triathleten und Skilangläufer, „es gibt Gedanken, das Engagement auszubauen.“ Darüber hinaus hat er einen Bachelor in Fitnesstraining – ein Bereich, „in dem ich auch tätig sein möchte“.

Stefan Schmid: Rücktritt „nur“ als Triathlon-Wettkämpfer 

Schmid wird auch künftig „etliche Stunden in der Woche Sport treiben“. Nur kann er dann machen, wozu er Lust hat und muss nicht tun, was der Trainingsplan vorgibt: „Vielleicht schnappe ich mir mal das Mountainbike vom Vater oder mache eine Bergtour.“ Der Skilanglauf zählt mittlerweile zu seinen Leidenschaften. Die Teilnahme am legendären Vasa-Lauf in Schweden, „das wäre ein Traum.“ In den kommenden Monaten muss Schmid seinen auf Hochleistung getrimmten Körper an das verringerte Sport-Programm gewöhnen, um keine Kreislauf- oder Herzprobleme zu riskieren. „Abtrainieren“ ist der landläufige Ausdruck dafür.

Zum Ausstand seiner Karriere trieb sich der Peißenberger noch einmal selbst an die Grenze. Der Ironman auf Lanzarote war der Abschluss einer sechswöchigen Tour, die mit einer Mitteldistanz bei der „Challenge“ auf Gran Canaria begann. Schmid erlebte dort „einen gebrauchten Tag“, wurde lediglich Elfter (4:13:26 Stunden), war aber mit der Leistung recht zufrieden. Der erste Saison-Wettkampf „läuft selten gut, und den hatte ich damit abgehakt“. Nur eine Woche später trat der Athlet des Post SV Weilheim beim „35. Volcano Triathlon“ auf Lanzarote über die olympische Distanz an. Dort belegte er in 1:55:34 Stunden den zweiten Platz. Damit „war ich sehr, sehr happy und optimistisch für den Ironman“, so Schmid.

Stefan Schmid: Harter Kampf beim Ironman auf dem Rad 

Die Langdistanz war, obwohl es bei den Profis nur einen Qualifikationsplatz für Hawaii gab und auch das Preisgeld überschaubar war, außerordentlich stark besetzt. So waren Ex-Weltrekordler Andreas Raelert, Hawaii-Champ Frederik Van Lierde und Vorjahressieger Alessandro Degasperi dabei. Auf Lanzarote „geht es vor allem ums Prestige“, so Schmid. Er kam recht gut durch die erste Disziplin, das Schwimmen über 3,86 Kilometer im offenen Meer; 53:11 Minuten bedeuteten die neuntschnellste Zeit.

Auf dem Rad verliefen die ersten zwei Stunden „sehr schwierig für mich“. Schmid hatte diverse Probleme, „es ist einfach nicht gelaufen.“ Der an diesem Tag außerordentlich starke Wind machte die Sache nicht einfacher. Zwischendurch lag der Peißenberger an der 23. Stelle. Doch der 32-Jährige gab nicht auf und war am Ende stolz: „Was die mentale Leistung betrifft, war es mein bester Wettkampf, den ich je gemacht habe.“ Nach zwei Stunden im Tief ging es bergauf. „Von da an war es ein guter Wettkampf“, so Schmid, der die 180,2 Kilometer in 5:23:10 Stunden hinter sich gebracht hatte.

Stefan Schmid: Gewohnt stark im Marathon 

Beim Laufen zeigte sich wieder einmal: Auf seine Fähigkeiten im Marathon „kann ich mich verlassen“, so der Peißenberger. Auf Teilabschnitten der Strecke, wenn der Wind von hinten kam und nicht kühlte, „war es richtig heiß“. Doch Schmid, der als Zehnter in die letzte Disziplin gegangen war, trotzte allen Widerständen. Etwa bei Kilometer 30 erfuhr er, dass Vorjahressieger Degasperi Probleme bekam. Nun war Schmid erst recht angestachelt und überholte den Italiener. Am letzten Wendepunkt kam der Achtplatzierte ins Blickfeld. Schmid kämpfte – und einen Kilometer vor dem Ziel überholte er tatsächlich noch Andrej Vistica (Kroatien). Als Achter überquerte der Peißenberger nach insgesamt 9:14:55 Stunden die Ziellinie. Die 42,195 Kilometer hatte Schmid in 2:51:36 Stunden absolviert, was einer Kilometerzeit von 4:04 Minuten entspricht. Angesichts der Schwierigkeiten speziell auf der Radstrecke „bin ich happy, wie ich es ins Ziel gebracht habe“, so Schmid.

Die ersten Plätze beim „Ironman Lanzarote“ holten sich der Belgier Van Lierde (8:51:16) und die Britin Nikki Bartlett (9:59:10). Raelert, der lange führte, musste mit Magenproblemen aufgeben. Bester Deutscher war Christian Kramer (8:56:08) aus Leipzig auf Rang zwei – und danach kam Schmid.

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