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Leonie Finke und ihr Triumph über die Dauersiegerin

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Von: Andreas Mayr

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Hoch hinaus: Leonie Finke erwischte eigenen Worten nach in St. Peter-Ording einen guten Tag und gewann folgerichtig den deutschen Titel im Freestyle.
Hoch hinaus: Leonie Finke erwischte eigenen Worten nach in St. Peter-Ording einen guten Tag und gewann folgerichtig den deutschen Titel im Freestyle. © Nicole Riederer

Für sie ist es „der Höhepunkt meiner Kite-Karriere“: Leonie Finke (28) aus Penzberg hat den DM-Titel bei den Freestylern gewonnen. Dabei ließ sie eine Dauerrivalin hinter sich.

St. Peter-Ording – Für den Blumenstrauß und die Medaille hat sie das alles nicht gemacht. Auch nicht für das Preisgeld, das es sowieso nicht gibt. Ein bisschen vielleicht „für Ruhm und Ehre“, wie Leonie Finke scherzt. Tatsächlich aber hat sie den ganzen Aufwand vor allem für sich betrieben. Leonie Finke, 28 Jahre alt, begann vor ziemlich genau zehn Jahren, im Sommer nach dem Abitur, mit dem Kitesurfen.

In der Nordsee vor St. Peter-Ording (Nordfriesland), die Kiter sagen einfach nur Sankt Peter, hat sie den deutschen Meistertitel der Trickser geholt, also im Freestyle. Ihren ersten nationalen Titel. Sie hat damit die Serie der für unschlagbar gehaltenen Sabrina Lutz unterbrochen, zwölffache Deutsche Meisterin mit 31 Jahren. Zwischen Anfang und Höhepunkt liegen zehn Jahre – oder wie es die Penzbergerin in viel schöneren Worten auszudrücken vermag: „Dafür sind viele, viele Stunden, viele Kilometer und Flugmeilen draufgegangen.“

Leonie Finke hatte „mit gar nichts gerechnet“

Der entscheidende Moment war zugleich der schönste für Leonie Finke. Am Strand von Sankt Peter, umhüllt vom beißenden Wind, umgeben von der ganzen Kiterszene, hatten sich die vier Finalistinnen aufgestellt. Jede trug ein grünes Shirt und hielt ihr Brett wie einen Glücksbringer. Und irgendwann rief der Mann am Mikrofon dann das Ergebnis: „Auf der Eins: Leonie Finke.“ Danach sieht man sie nur noch auf und ab springen, hört eine Tröte tröten – alles festgehalten auf einem Video, nachzusehen auf ihrem Instagram-Profil. Erst zu diesem Zeitpunkt erfuhr sie von ihrem Erfolg. Gewiss habe sie’s vermutet, „weil ich wirklich einen guten Tag hatte“. Aber sie hat sich auf Sylt schon einmal einer solchen Illusion hingegeben. Damals übersah die Jury einen Sprung, man wiederholte das Finale – und Finke verlor. Deshalb war sie nun vorsichtig. „Ich hab’ mit gar nichts gerechnet“, sagt Finke. Umso stürmischer fiel der Jubel aus. „Das ist der Höhepunkt meiner Kite-Karriere.“

Ganz oben: Leonie Finke (Mitte) bei der Siegerehrung am Strand. Fotos (2): multivan kitesurf masters (fkn)
Ganz oben: Leonie Finke (Mitte) bei der Siegerehrung am Strand. © Nicole Riederer/multivan kitesurf masters

Die Penzbergerin hatte das alles genau geplant. Wegen der Pandemie, die noch immer nicht gänzlich überwunden ist, sind die Macher noch nicht zum früheren Format mit mehreren Stopps zurückgekehrt. Sie setzten auf Risikominimierung und daher auf nur einen entscheidenden Wettkampf in der Kite- und Surfmetropole St. Peter-Ording an. Eine Woche vorher inspizierte Finke das Gelände, erkundigte sich nach der Tide (den Gezeiten) sowie der Windrichtung. Im Kampf um Gold kann jedes Detail relevant sein. „Mentales Training“ nennt Leonie Finke ihren Erkundungstrip. Tatsächlich fand sie eine Woche späte ganz ähnliche Bedingungen vor. Der starke Wind kam ihr entgegen. Mit 1,76 Metern zähle sie zu den Größten und zudem zu den Schwersten der Kiterszene, wodurch sie deutlich weniger anfällig für Böen und Starkwind ist verglichen mit der kleineren Konkurrenz. Im Duell mit Wind und Wetter wählte sie zudem einen kleineren Schirm, der leichter zu kontrollieren, dafür aber technisch anspruchsvoll zu bedienen ist. Spielte keine Rolle, da die Penzbergerin ihr Repertoire seit Jahren beherrscht. Sie verzichtete auf Experimente und neue Tricks, auch weil das Reisen vorigen Herbst und Winter eingeschränkt war, und man in dieser Zeit normalerweise sein Programm erweitert.

Leonie Finke qualifiziert sich mit Rang eins fürs Finale

Beim Auftakt an einem Freitagabend qualifizierte sie sich als Erste ihres Vorlaufes fürs Finale – und für ein weiteres Duell mit Sabrina Lutz, von der sie in der Vergangenheit oft auf Rang zwei verdrängt worden war. Sieben Tricks hatten die Finalistinnen zu zeigen, die besten vier landen in der Wertung. Bei drei Einlagen sah sich Finke im Vergleich mit Lutz ein paar Pünktchen vorn. Der vierte Trick – bei diesem wählten die zwei Konkurrentinnen unterschiedliche Aktionen – „war bei ihr sauberer, dafür war meiner komplizierter“. Ihrer eigenen Rechnung nach lag sie knapp vorn. Aber was zählt die schon in diesem höchst subjektiven Sport? Die Kampfrichter entschieden aber diesmal genauso.

Am Strand erhielt Leonie Finke nach der Siegerehrung viel Zuspruch von den Kolleginnen und Kollegen. „Du bringst mal ein bisschen Spannung rein“, sagten die einen. „Wir gönnen’s dir so“, die anderen. Die große Siegerparty, wie man sie früher gerne in St. Peter-Ording gefeiert hat, verhinderten die Ausrichter mit ihrem restriktiven Kurs. Für die Deutsche Meisterin gab es wenigstens noch eine Flasche Sekt. Sie stieß unter anderem mit ihrem Freund, Marian Hund aus Habach, an. Er habe ihr seine ganze Erfahrung mitgegeben, lobt Finke. Früh nahm er sie auf Wettkämpfe mit, auch schon, als sie nur wenige Tricks beherrschte. Mit dem Marian, der sie „immer wieder motiviert hat“, habe sie einen „guten Gesprächspartner“ gefunden. Seit Jahren fliegen und kiten die Zwei gemeinsam um die Welt. Künftig – hoch offiziell – als deutsches Goldpärchen. 2015 hatte der Habacher ebenfalls im Freestyle triumphiert. Leonie Finke sagt: „Jetzt hat er seinen und ich meinen Titel.“

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