Der Ball ruht: Bei den Amateur-Fußballern ist derzeit nicht einmal Training erlaubt. Insbesondere der Nachwuchs verliert dadurch die Bindung zum Sport.
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Der Ball ruht: Bei den Amateur-Fußballern ist derzeit nicht einmal Training erlaubt. Insbesondere der Nachwuchs verliert dadurch die Bindung zum Sport.

Mannschaften sind besorgt um ihre Jugend

Schongau, Peißenberg, Penzberg und Peiting befürchten Jugendschwund 

  • vonRoland Halmel
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Schongau, Peißenberg, Penzberg und Peiting befürchten Jugendschwund im Verein. Durch das aktuell herrschende Trainingsverbot im Fußball sorgen sich Vereine um ihre Jugend.

Landkreis – Im Amateursport ruht nicht nur der gesamte Spielbetrieb, auch Training ist – sofern es sich nicht um eine Individualsportart handelt – derzeit verboten. Besonders darunter zu leiden hat der Nachwuchs. Das trifft vor allem die jungen Fußballer, die in absoluten Zahlen eine der größten Gruppen im Nachwuchssport stellen. Bei einer Umfrage unter Vereinen aus dem Landkreis Weilheim-Schongau hat sich gezeigt: Beim Thema „Trainingsverbot“ gehen die Meinungen auseinander.

Dem TSV Schongau fehlt eine Begründung für das Trainingsverbot 

„Was mir bei dem Trainingsverbot für den Nachwuchs einfach fehlt, wenn wir vom Training im Freien ausgehen, ist die Begründung dafür“, sagt Abteilungsleiter Hannes Waldmann. Seiner Ansicht nach liegt das Risiko nicht bei den Kindern und den maximal zwei Trainern auf dem Platz, „sondern bei den Eltern, die ihre Kinder bringen und auch wieder holen“, sagt der Spartenchef. Wenn jedoch alle Corona-Regeln eingehalten werden, „sehe ich keinen Sinn darin, dass im Nachwuchs, und das auch noch im Freien, nicht trainiert werden kann“. In der Halle ist die Umsetzung der geltenden Regeln zwar schwieriger, auch dort sei prinzipiell Trainingsbetrieb möglich. „Das Ganze steht und fällt mit der Vernunft der Eltern, der Trainer und Betreuer“, ist Waldmann überzeugt.

Positiv stimmen ihn die guten Erfahrungen beim ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr: „Das war absolut kein Problem.“ Der TSV Schongau startete damals als einer der ersten Vereine wieder mit dem Nachwuchstraining im Freien. „Diesen frühen Start hatten wir vor allem unserem Jugendleiter Stefan Ritter, aber auch allen Trainern und Betreuern zu verdanken“, lobt Waldmann. Der Verein hatte schon frühzeitig Hygienekonzepte ausgearbeitet, die übrigens auch die Eltern betrafen. „Diese Auflagen waren sehr streng und haben vor allem für unsere Leute im Trainingsbetrieb sehr viel Arbeit und Aufwand bedeutet“, berichtet Waldmann. Sie hätten dies alles aber sehr gern getan, vor allem, als sie sahen, mit welcher Freude die Kinder nach dem langen Lockdown zu Werke gingen. „Und das, obwohl die eigentlichen Trainingsabläufe doch sehr beschränkt waren.“

Die jetzige Situation „müssen wir jetzt so hinnehmen, wie sie ist, auch wenn es für alle sehr schwer ist“, sagt Waldmann. Groß ist die Hoffnung, dass „wir nach dem Winter wieder zu einem geregelten Trainings- und Spielbetrieb kommen werden“.

TSV Peißenberg: Robert Weiß sieht das Trainingsverbot als richtig an

Mit Freude erinnert sich Robert Weiß, Jugendleiter bei den Fußballern des TSV Peißenberg, an das Ende des ersten Lockdowns: „Bei uns hat die Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs gut geklappt. Sowohl die Trainer als auch die Spieler und deren Eltern waren froh, dass es wieder losging.“ Beim Training und den Spielen seien die Vorgaben von allen Beteiligten penibel eingehalten worden. „Es war auf alle Fälle sehr wichtig, dass der Spielbetrieb wieder aufgenommen wurde“, betont Weiß. Negative Auswirkungen hatte die Zwangspause laut Weiß lediglich bei den ganz Kleinen. „Hier gab es im Vergleich zu den vergangenen Jahren relativ wenig Kinder, die neu hinzugekommen sind.“ Die neuerliche Pause tue weh, sie ist nach Ansicht des Peißenberger Jugendleiters aber noch nicht so schlimm wie beim ersten Mal, da sie in die Hallensaison fällt. „Die Anzahl an Trainingseinheiten und Spielen, die deshalb ausfallen, ist bis jetzt nicht so groß. Die verordnete Pause finde ich richtig.“ Bei den aktuellen Zahlen, die seiner Meinung nach weitaus niedriger sind als in Mecklenburg-Vorpommern, „sollte man hier gegenüber den Kindern und den ehrenamtlichen Trainern kein Risiko eingehen“, sagt Weiß.

FC Penzberg: Einige Kinder suchen sich neue Sportarten, laut Seifert

Jürgen Seifert, Jugendleiter des FC Penzberg für die Großfeld-Mannschaften berichtet, dass die Stimmung im Verein nach dem ersten Lockdown „schon ein wenig komisch“ gewesen sei. Zudem seien „gefühlt täglich irgendwelche neuen Informationen“ hinzugekommen. „Der Verband hat es da natürlich nicht einfach, ich möchte da bestimmt nicht tauschen“, sagt Seifert. Die Vereine haben seiner Meinung nach „eine riesige Verantwortung bekommen“ mit der Umsetzung der Hygienevorschriften. Machen wir alles richtig? Wo nehmen wir die Ehrenamtlichen her, die die Konzepte mit umsetzen und überwachen? Auf diese Fragen hätten die Verantwortlichen im Verein eine Antwort finden müssen, so der FC-Jugendleiter. Und immer habe es die Angst gegeben, dass es einen Ausbruch und eine Verbreitung des Virus in den Mannschaften gibt.

Wichtig für die Kinder und auch die Eltern sei es trotz allem gewesen, dass der Nachwuchs wieder zusammen trainieren und dann auch endlich wieder Spiele bestreiten durfte. Der neuerliche Lockdown sei ja zu erwarten gewesen, „aber insgeheim haben wir gehofft, die letzten Spiele noch absolvieren zu können“, sagt Seifert. „Was ich persönlich sehr unglücklich finde, sind die unterschiedlichen Entscheidungen bezüglich des Spiel- und Trainingsbetriebes“, beklagt der Penzberger. Seiner Meinung nach sollte das Vorgehen bundesweit einheitlich gehandhabt werden. Für den Amateurfußball seien diese corona-bedingten Pausen nicht gut. „Einige Kinder, Jugendliche und Erwachsene suchen sich andere Sportarten und kommen nicht mehr zum Fußball zurück“, lautet Seiferts Befürchtung. Der Schwund an Spielern sei schon vor Corona überall zu erkennen gewesen, „und durch diese Zwangspausen wird der Trend bestimmt noch verstärkt“.

TSV Peiting mit keinem Jugendschwund 

„Als die Nachricht kam, dass wir jetzt nicht mehr trainieren dürfen, war vor allem die Enttäuschung bei den Spielern schon groß“, berichtet Daniel Slowiok, Jugendleiter beim TSV Peiting. Vor allem der soziale Aspekt, das Gefühl, wieder in der Gemeinschaft zu sein, sei vielen wichtig gewesen. Auch bei den Eltern habe sich der Großteil für die Fortsetzung des Trainingsbetriebs ausgesprochen, wie eine Umfrage der TSV-Verantwortlichen bei den Erziehungsberechtigten ergeben hat.

Sollte der Trainingsbetrieb wieder erlaubt werden, werden die Verantwortlichen im Verein das weitere Vorgehen besprechen. „Im Sommer hat alles wunderbar geklappt. Mit Hygienekonzept sind wir wieder mit Individualtraining eingestiegen und dann weiter zum Mannschaftstraining, sobald es erlaubt war“, erzählt Slowiok. Die Befürchtungen, dass viele Spieler in der freien Zeit die Lust am Fußball verlieren würden, „ist zum Glück nicht wahr geworden“, wie Slowiok berichtet. Bei den jüngeren Jahrgängen sei sogar „eher das Gegenteil“ der Fall gewesen. (Roland Halmel)

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