Skirennläufer des DAV Peißenberg. Hier ein Teil der Renngruppe, aufgenommen im vergangenen Winter.
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Heiß auf Schnee und Skifahren: die Skirennläufer des DAV Peißenberg. Hier ein Teil der Renngruppe, aufgenommen im vergangenen Winter.

Ski alpin in Corona-Zeiten

Skifahrer-Nachwuchs ausgebremst: „Die Auswirkungen sind schon extrem“

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Die alpinen Skirennläufer sind aufgrund der Sperrung der Lifte zur Untätigkeit verurteilt. Die Heimatzeitung hat nachgefragt, wie derzeit die Lage bei den Skiklubs aus dem Landkreis ist und was die Zwangspause für sie bedeutet.

DAV Peißenberg: Beim DAV Peißenberg, der auch in Hohenpeißenberg eine Ortsgruppe hat, gehören rund 25 Kinder und Jugendliche der Renngruppe an. Die jungen Skifahrer im Alter zwischen sechs und 18 Jahren nehmen am Kreiscup, an diversen Kinderrennen sowie weiteren Rennserien des Skigaus Werdenfels (Ziener-Cup, BZB Cup) und teils auch an höherklassigen Rennen teil. „Der Kreiscup ist natürlich für uns die zentrale Rennserie“, sagt Sportwart Norbert Stowasser.

Auf Schnee konnten die Peißenberger nur an zwei Tagen, gegen Ende Oktober, trainieren. Danach wurden die Skigebiete geschlossen. Der DAV behilft sich mit virtuellen Übungen via Internet, doch die können das Fahren auf Ski „in keinster Weise kompensieren oder ersetzen. Normalerweise sind wir von den Herbstferien bis Weihnachten auf Schnee unterwegs“, berichtet Stowasser. Der Lockdown hat das alles hinfällig gemacht. Der DAV musste auch sein dreitägiges Trainingslager in Tirol samt Übernachtung absagen. Anlaufpunkt der DAV-Truppe ist zumeist der Steckenberg in Unterammergau, „wo wir in der Regel zwei- bis dreimal pro Woche Flutlichttraining haben“, so Stowasser. Dass kein geregeltes Skitraining möglich ist, findet Stowasser „bereits jetzt schon ziemlich trostlos und schade“. Die pauschale Sperrung der Lifte bezeichnet er als übertrieben: Dadurch werde Skifahren als Sport „mit dem Party-Tourismus in den großen Skigebieten gleichgesetzt“. Stowasser äußert die Hoffnung, „dass wenigsten Anfang Januar ein Training möglich sein wird. Danach muss man schauen, welche Rennen mit welchen Auflagen möglich sind.“

In Österreich haben Skilifte mittlerweile wieder geöffnet. Doch für Ausländer sind die praktisch nicht nutzbar. Wer etwa aus Deutschland einreist, muss für mehrere Tage in Quarantäne. Zudem sind die Hotels noch bis 17. Januar geschlossen.

SC Lauterbach: Der SC Lauterbach erwies sich in den vergangenen Jahren als die stärkste Kraft im Kreiscup. Von 2015 bis 2019 gewann der 1987 gegründete Klub die Vereinswertung. Im vergangenen Winter sprang hinter dem TSV Weilheim der zweite Platz heraus. Die Situation in diesem Jahr „ist total schwierig“, sagt Vorsitzender Hans Eirenschmalz. Das „Trockentraining“ in der Turnhalle, das nach den Sommerferien begann, ruht seit der ersten Verschärfung der Beschränkungen im November. Auch das Alternativprogramm mit Waldlauf und Radfahren ist ausgesetzt.

Im Normalfall stünden die SC-Fahrer – von den rund 350 Mitglieder sind etwa 40 aktiv – seit gut zwei Wochen auf Skiern. Speziell die Weihnachtsferien „sind für uns die wichtigste Zeit zum Trainieren“, sagt Eirenschmalz. Die Lauterbacher sind vornehmlich an ihrem Hausberg, dem Ilgenlift, sowie am Kolben in Oberammergau, aber auch in Österreich unterwegs. Circa zehn Coaches kümmern sich um die Kinder und Jugendlichen. Mit einem vereinsinternen Skikurs rekrutiert der SC neuen Nachwuchs. Corona ist nicht nur sportlich ein Problem: Das Fußball-Kleinfeldturnier und auch der Adventsmarkt, mit dem die Lauterbacher Einnahmen generieren, fielen heuer aus. Zumindest die Altpapiersammlung konnte stattfinden.

Der Kreiscup, sagt Eirenschmalz, „ist für uns das A und O. Das ist das Ziel, auf das wir hinarbeiten.“ Der SC Lauterbach wäre in diesem Winter Ausrichter eines Kreiscup-Slaloms. Dass derzeit Skifahren nicht erlaubt ist, „ist deprimierend“, sagt der Vorsitzende. Sollte Wintersport irgendwann doch wieder erlaubt sein, dann sieht Eirenschmalz ein Problem: „Wenn dann alles auf einmal stattfinden soll, wird es schwierig mit den Terminen.“ Es gibt neben dem Kreiscup ja auch andere Serien. Das Allerwichtigste ist, sagt Eirenschmalz mit Blick auf die Jugend, „dass, auch wenn es diesen Winter keine Rennen gibt, man zumindest Skifahren darf“. Die Kinder hätten Spaß daran. Obendrein sei ein Fahren gemäß den Corona-Regeln möglich. Am Ilgenlift, zum Beispiel, „könnte man alle Abstandsregeln einhalten“.

TSV Weilheim: Corona hat auch die Aktivitäten in der Skiabteilung des TSV Weilheim ausgebremst. Im Oktober konnten einige Trainingseinheiten auf Schnee abgehalten werden. „Seit November findet ein virtuelles Training statt. Die Trainingslager im Stubai und in Südtirol sind abgesagt“, berichtet Abteilungsleiter Eckart Walchshöfer. Für gewöhnlich werden – je nach Schneelage – von Oktober bis Ende April jedes Wochenende ein bis zwei Trainingstage angeboten. In den Weihnachts- und Faschingsferien geht es sogar täglich zum Skifahren; meist nach Garmisch-Partenkirchen.

Für die Skisparte mit ihren etwa 170 Mitgliedern ist, was den Nachwuchs betrifft, der Kreiscup „die wichtigste Rennserie“, sagt Walchshöfer. Dort sind alle Kinder und Jugendlichen startberechtigt. In der Regel starten bis zu 35 Mädchen und Buben. Die jüngste Starterin in der vergangenen Saison gehörte zum Jahrgang 2014. Die meisten TSV-Fahrer entstammen den Jahrgängen 2006 bis 2010. Die Erfolge „können sich sehen lassen“, sagt Walchshöfer. Im vergangenen Winter gewannen die Weilheimer die Mannschaftswertung. Ein etwaiger Ausfall der Rennserie in diesem Winter „wäre für die Abteilung eine sportliche Enttäuschung“. Den Kindern bleibt laut Walchshöfer derzeit gar kein sportlicher Wettkampf, da es auch keinen Schulsport gibt. Die ambitionierten Fahrer in der TSV-Sparte starten nicht nur im Kreiscup, sondern auch im Ziener-Cup und BZB-Cup – zwei weiteren Serien im Skigau Werdenfels.

Hoch die Stöcke: Die Skiabteilung des TSV Weilheim (hier einige Fahrer und Betreuer auf einem Archivfoto) würde auch in diesem Winter wieder ein Kreiscup-Rennen austragen.

Die Sperrung der Liftanlagen, „ist für mich nicht nachvollziehbar und unverhältnismäßig“, sagt Walchshöfer. Dadurch „ist den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit genommen, sich dort sportlich zu betätigen, wo es bislang keine nachgewiesene Infektionsgefahr gab: auf dem Berg und an der frischen Luft“. Gerade in den Wintermonaten „ist der Skirennsport eine tolle Möglichkeit, die Kinder aus den Wohnungen zu holen“, so der Abteilungsleiter.

SC Penzberg: Der Kreiscup „ist für unseren Nachwuchs die Rennserie“, betont der 1. Vorsitzende Florian Heumann. Denn dort dürfe jeder teilnehmen, „auch wenn man keine Profiambitionen hat“. Durchschnittlich nehmen 20 bis 25 Mädchen und Buben im Alter zwischen fünf und 21 Jahren am Kreiscup teil. In dieser Saison wird der SC Penzberg als Co-Ausrichter einer Veranstaltung fungieren (siehe Kasten „Kreiscup 2021“). Sollte aufgrund der Pandemie die Serie heuer komplett ausfallen, „wäre das motivationstechnisch ein Fiasko“, sagt Heumann. Er stellt aber auch klar: „Wenn es nicht geht, geht’s halt nicht.“

Insgesamt zählt der Skiclub Penzberg derzeit rund 450 Mitglieder. Für gewöhnlich geht es zum Training alljährlich zunächst auf Gletscher. Wenn der Betrieb in den Skigebieten startet, absolvieren die Penzberger ein wöchentliches Renntraining in Seefeld/Tirol. Der Gschwandtkopf ist das Haupt-Revier des Skiclubs. „Wenn es die Verhältnisse zulassen“, so Heumann, wird auch an der Penzberger Berghalde oder am Brauneck gefahren. Corona hat allen längerfristigen Planungen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Beschränkungen im Wintersport „sind für uns als Skisportler dramatisch und demotivierend“, sagt Heumann. Allerdings gelte auch: Die strikten Maßnahmen „sind – nach allem, was wir wissen – wohl notwendig und damit einzuhalten, ob es uns gefällt oder nicht“. Der Vorsitzende glaubt eher nicht, dass im Januar noch Skisport möglich sein werde – auch wenn er es vor allem für die Kinder hofft. Ein Ersatzprogramm hat Heumann im Blick: „Dann gehen wir eben auf Skitour oder Bobfahren. Hauptsache: Draußen und in Bewegung sein.“

BSC Oberhausen: Die Skiabteilung des BSC Oberhausen trifft „die Auswirkungen der Corona-Pandemie schon extrem“, sagt Abteilungsleiter Peter Hohmann. Heuer wollten die Oberhausener, die ehedem im Kreiscup viele Siege abräumten, „nach einer mehrjährigen Flaute“, so Hohmann, wieder durchstarten.

Eigentlich sollte schon längst ein Training auf der Zugspitze laufen. Darüber hinaus war in den Weihnachtsferien ein Trainingslager auf dem Pitztalgletscher mit Übernachtung in einer Selbstversorgerhütte geplant – das musste abgesagt werden. „Auf alle Fälle trifft es auch die Kinder hart“, sagt Hohmann. „Die ersten sechs bis acht Wochen sind die wichtigsten Trainingszeiten – speziell für die Rennserie.“ Nach den Ferien wollten die Oberhausener laut dem Abteilungsleiter jeden Freitagnachmittag und Sonntagvormittag im Classic-Skigebiet in Garmisch-Partenkirchen fahren. Wann Skifahren wieder möglich sein wird, „ist nicht vorherzusagen“, so Hohmann. Auch, ob der Kreiscup in der Form, wie er für heuer geplant wurde, stattfinden kann, „ist ungewiss“. Klar ist für den Spartenchef: „Wir akzeptieren jede Entscheidung, aber solche Großveranstaltungen bergen ein Gesundheitsrisiko, das man wohl nicht eingehen sollte.“ Die BSC-Abteilung hat 210 Mitglieder, darunter befinden sich 25 Kinder. Im vergangenen Winter waren zwei Mädchen und 15 Buben (jeweils Jahrgang 2008 und jünger) im Kreiscup am Start.

SC Hohenfurch: Der Skiclub Hohenfurch – eine Abteilung des Sportvereins – ist seit Beginn des Kreiscups im Jahre 1978 in der Rennserie dabei. Derzeit zählt er rund 240 Mitglieder. Rund 20 Mädchen und Buben im Alter zwischen fünf und 18 Jahren nehmen für gewöhnlich an den Veranstaltungen teil. Der Kreiscup ist „Aushängeschild für den Verein und Ansporn, um den Kindern und Jugendlichen den Skisport zu vermitteln“, sagt SC-Vorsitzender Martin Kees. Für ihn ist es – mit Blick auf die Liftsperrungen – „jammerschade, nicht Skifahren zu dürfen. Der ganze Verein wird zur Untätigkeit verurteilt.“ Jedoch, stellt Kees klar „geht die Gesundheit der Bevölkerung vor. Skifahren ist eben nicht lebensnotwendig, auch wenn es das schönste Hobby der Welt ist.“

Seit einigen Jahren bietet die Sparte eine Skigymnastik in der Schulturnhalle an. Sobald die Skigebiete im Dezember öffnen, finden an den Wochenenden und speziell in den Ferien Trainingstage statt. Ab Januar kommt meist noch Flutlichttraining unter der Woche hinzu. Unterwegs sind die Rennläufer meist im Classic-Gebiet in Garmisch-Partenkirchen und am Steckenberg in Unterammergau. Bei ausreichender Schneelage wird mit den Bambini auch am vereinseigenen Skilift in Hohenfurch trainiert. Corona hat die Aktivitäten gestoppt: „Es läuft vorerst mal nichts“, berichtet Kees. Das Hallentraining und bis auf Weiteres auch das Schneetraining sind abgesagt. Die Skikurse in den Weihnachtsferien finden nicht statt, auch Skitouren werden nicht geführt.

Eine Prognose, ob und wann die Skirennläufer loslegen können, wagt Kees nicht: „Das Thema ,Corona‘ ist nicht vorhersehbar. Alles hängt davon ab, wie die Pandemie weiter verläuft, ob der Impfstoff den gewünschten Erfolg bringt und ob es künftig wirksame Medikamente geben wird.“

WSV Peiting-Ramsau: Der WSV ist Mitbegründer der Kreiscup-Serie, entsprechend nimmt die Veranstaltung und der Rennsport im Verein „natürlich einen großen Stellenwert ein“, sagt Vorsitzender Bernhard Schleich. Etwa zehn Kinder im Alter zwischen zehn und 19 Jahren sind in der Regel bei den Kreiscup-Rennen dabei. Der 260 Mitglieder starke WSV wäre in diesem Winter Ausrichter der Kreismeisterschaft für Jugend und Erwachsene. Anvisiert dafür ist ein Termin am 23. Januar in Unterammergau. Schleich hofft noch, „dass es möglich ist“. Ein Ausfall der Rennen wäre für die Athleten, „die sich im Sommer auf ihren Sport vorbereitet hatten, sehr schlimm“. Es seien 2020 schon die Frühjahrsskitage weggefallen, „und es ist sicherlich demotivierend, wenn man seine Lieblingssportart nicht ausführen kann“, so der Vereinschef.

Das Angebot des WSV umfasst einen Anfängerskikurs im Dezember, Trainingstage auf Gletscher im Stubai und Pitztal sowie wöchentliches Abendtraining in Unterammergau. Obendrein sind die Fahrer während der Saison oft in Nesselwängle und Heiterwang anzutreffen. In der Sporthalle stehen von September bis März Fitness-Einheiten auf dem Programm. Im Sommer geht es auch zum Wasserskifahren. Aufgrund der Pandemie läuft derzeit allerdings weder ein Training in der Halle noch auf Schnee. An Alternativprogramme mit Skitourengehen und Schneeschuhwandern ist gedacht.

Die Corona-Maßnahmen in Sachen „Wintersport“ sieht Schleich kritisch: „Leider sieht die Politik den Wintersport hauptsächlich als Apre-Ski-Hotspot und nicht als Sport, der im Freien stattfindet und bei dem die Freude an der Bewegung im Vordergrund steht.“ Die Sperrung der Lifte und Piste „ist vollkommen übertrieben, denn die Bergrestaurants sind geschlossen“. Schleich betont: „Im Skisport geht es nicht um Hüttengaudi und Apre- Ski.“ Kinder lernten in dem Sport Selbstständigkeit und Eigenverantwortung, „die Athleten werden sich sicherlich an die Sicherheitskonzepte halten“. Der WSV-Vorsitzende hofft, dass ab Januar wieder die Möglichkeit besteht, „unseren schönsten Sport der Welt wieder ausüben zu dürfen“.

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