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Fit halten in der Heimat: Ulrich Taffertshofer hielt sich etwa zwei Wochen bei der Familie auf dem Hof in Abertshausen auf. Manchmal ging’s mit seinen beiden auf dem Hof lebenden Brüdern zum Kicken.
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Dehnen auf der Terrasse: Emanuel Taffertshofer blieb in Sandhausen und hielt seinen Körper in der eigenen Wohnung in Form. Ansonsten kümmerte sich der 25-Jährige vermehrt um den Haushalt und die beiden Katzen.

Die beiden Zweitliga-Profis würden die Saison gerne zu Ende spielen

Ulrich und Emanuel Taffertshofer: Wie die Profi-Brüder die Corona-Pause erleben

  • Stefan Schnürer
    vonStefan Schnürer
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Die beiden Brüder Ulrich und Emanuel Taffertshofer erzählen, wie sie die Zwangspause bisher erlebt haben. Die 2. Liga-Profis vom VfL Osnabrück und dem SV Sandhausen wünschen sich eine Fortsetzung der Saison.

Abertshausen – Für die Brüder aus Abertshausen (Gemeinde Obersöchering) lief es in dieser Saison in der 2. Bundesliga zunächst prächtig: Zur Winterpause belegte Ulrich Taffertshofer (28) mit dem VfL Osnabrück den sechsten Platz und hatte sogar Kontakt zu den Aufstiegsplätzen. Sein jüngerer Bruder Emanuel (25) hatte sich nach längerer Verletzungspause wieder Einsätze in der Startelf erkämpft und beendete das Fußballjahr 2019 mit dem SV Sandhausen auf einem gesicherten Platz im Mittelfeld.

Das Jahr 2020 läuft für die beiden Profikicker bislang aber wenig erfreulich: Ulrich hat mit seinen Osnabrückern noch keine Partie gewonnen, Emanuel mit Sandhausen gerade einmal eine. Damit ist die Abstiegszone nicht mehr weit entfernt. Das alles geriet jedoch zur Nebensache: Mitte März wurde der Spielbetrieb im Fußball wegen Corona bundesweit eingestellt. Ob und wann die Saison fortgesetzt wird, steht in den Sternen. Mit individuellem Training hielten sich beide fit. Inzwischen befinden sie sich – wenn auch im eingeschränkten Maße – wieder im Mannschaftstraining. Geht’s nach den Taffertshofer-Brüdern, soll die Saison auf alle Fälle fortgesetzt werden.

Mit seinen Brüdern hatte Ulrich die Möglichkeit, vor der Haustür ein wenig zu kicken

Zumindest eröffnete sich Ulrich Taffertshofer durch die Coronakrise die Möglichkeit, dass er sich außerplanmäßig auf Heimatbesuch begeben konnte. Etwa zwei Wochen befand sich der 28-Jährige auf dem heimischen Bauernhof. Ursprünglich hatte er vor, lediglich drei Tage zu bleiben. Dann aber hat er seinen Aufenthalt in der Heimat verlängert. „Bei uns daheim ist es schon gemütlicher“, sagt Taffertshofer. Mit seinen Brüdern Christoph (31) und Vinzenz (16), die beide auf dem elterlichen Hof leben, hat er auch die Möglichkeit, vor der Haustür ein wenig zu kicken. Auch wenn es sich im landschaftlich so schönen Voralpenland vielleicht besser aushalten ließ als andernorts, Ferienstimmung kam bei Ulrich Taffertshofer nicht auf. Dafür hat schon VfL-Trainer Daniel Thioune gesorgt: „Die Spieler sind nicht im Urlaub, und sie werden das Gefühl auch nicht haben, denn wir haben ihnen ein paar ordentliche Hausaufgaben gestellt“, wird der Coach im Fachmagazin „Kicker“ zitiert. Neben Konditions- und Athletikaufgaben gehöre auch Techniktraining dazu, teilweise in Zweiergruppen und von den Spielern selbst auf Video festgehalten. „Unser Trainerteam ist da wirklich sehr akribisch“, so Taffertshofer. Seit etwa einer Woche ist der 28-Jährige wieder zurück in Osnabrück. Die Mannschaft absolviert Training in Kleingruppen. Auf dem Programm stehen Torschussübungen und Passfolgen, Zweikämpfe und taktisches Verhalten sind hingegen nicht möglich.

„Wir wollen die Saison schon zu Ende spielen“

Auch wenn es bis zur unfreiwilligen Spielpause für Ulrich Taffertshofer und seinen VfL alles andere als nach Wunsch lief: „Wir wollen die Saison schon zu Ende spielen.“ Dann aber müssen sich Taffertshofer und seine Mannschaft gehörig steigern, wollen sie nicht noch in den Abstiegsstrudel geraten. Der letzte Sieg datiert vom 15. Dezember (3:0 gegen Dresden), danach gab’s drei Unentschieden und fünf Niederlagen. „Ich hätte auch nicht gedacht, dass es so zäh läuft“, so der defensive Mittelfeldspieler mit dem Spitznamen „Sheriff“. Trotz der Negativserie ist er weit davon entfernt, in Panik auszubrechen: „Auch in der Vorrunde haben wir siebenmal in Folge nicht gewonnen. Insgesamt sind wir noch im Soll.“

Doch noch hat die Coronakrise Fußball-Deutschland fest im Griff. In Osnabrück wird der Geschäftsbetrieb vorerst nur noch im Schichtbetrieb und im Homeoffice fortgeführt. Seit dem 1. April verzichten Spieler, Trainerteam, Geschäftsführer und der Sportdirektor beim VfL auf Teile des Gehalts, so lange der Spielbetrieb ruht. Ende dieser Saison läuft Ulrich Taffertshofers Vertrag in Osnabrück aus. Aufgrund der Coronakrise stehen Gespräche über eine Verlängerung des Kontrakts erst einmal nicht auf der Tagesordnung.

Hätte gedacht, dass die Wiederaufnahme Spielbetriebs „schneller geht“

Im Gegensatz zu seinem älteren Bruder ist Emanuel Taffertshofer während der coronabedingten Saisonunterbrechung nicht zurück in seine oberbayerische Heimat gefahren. Er hatte allerdings erwartet, dass es in puncto Wiederaufnahme des Spielbetriebs „schneller geht“, so der 25-Jährige. Mittlerweile bestreiten auch er und seine Teamkameraden wieder Training in Kleingruppen auf dem Vereinsgelände am Hardtwald. Zuvor war es ihm so ergangen wie allen seinen Profi-Kollegen in Deutschland: Auf dem Programm stand Einzeltraining in den heimischen vier Wänden. War das Wetter in Sandhausen schön, absolvierte Taffertshofer sein Krafttraining auf der heimischen Terrasse, ansonsten wurde das Wohnzimmer zum Übungsraum. Auch wenn er für seine regelmäßigen Waldläufe die Wohnung verlassen konnte, „so breitete sich dennoch so etwas wie Lagerkoller aus, wie der 25-Jährige berichtete.

Da seine Freundin arbeitet, „kümmere ich mich ums Essen und den Haushalt“

Doch nicht nur, was das Sportliche betrifft, gibt’s in seinem Leben Veränderungen. Da seine Freundin im Homeoffice arbeitet, „kümmere ich mich ums Essen und den Haushalt“, so Emanuel Taffertshofer. Nicht unbedingt ein Nachteil ist die Coronakrise für seine beiden Katzen: Der 25-Jährige hatte zu der Zeit, als er sich im Einzeltraining in den eigenen vier Wänden befand, mehr Zeit, mit ihnen zu spielen. Die restliche freie Zeit, die noch blieb, verbrachte er an der PlayStation.

„Partien ohne Zuschauer, haben den Charakter eines Freundschaftsspiels“

Wie sein älterer Bruder Ulrich hofft auch Emanuel, dass die Saison fortgesetzt werden kann. „Meine Leistungskurve hat zuletzt nach oben gezeigt, ich war gut drauf.“ Wenn’s sein muss, würde er auch Geisterspiele in Kauf nehmen, auch wenn solche Partien „ohne Zuschauer den Charakter eines Freundschaftsspiels haben“, so der 25-Jährige. Sollte weitergespielt werden, müssen sich Taffertshofer und sein SV Sandhausen aber gewaltig steigern, wollen sie den Klassenerhalt schaffen. Nach dem 3:1-Sieg in Osnabrück Ende Januar setzte es vier Niederlagen in Serie, danach gab’s zumindest zwei Unentschieden. Mut macht Taffertshofer vor allem das 4:4 in Bochum Anfang März, als sein Team ein 0:2 und 2:4 aufholte.

Im Moment aber kann Emanuel Taffertshofer nur abwarten und schauen, wie sich alles entwickelt. Auch in Sandhausen nehmen die Spieler eine Gehaltskürzung hin, so lange nicht gespielt wird. Wie bei seinem älteren Bruder Ulrich läuft auch bei Emanuel der Vertrag zum 30. Juni aus. Über ein neues Arbeitspapier hat er mit den Verantwortlichen noch nicht geredet: „Die haben im Moment ganz andere Sorgen“, so der Abertshausener.

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