Schachspieler Thomas Lochte beim internationalen Turnier in Krakau vor der Partie gegen Wojtiech Maslanka.
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Schach in Pandemiezeiten: Thomas Lochte (links) beim internationalen Turnier in Krakau vor der Partie gegen den polnischen Nachwuchsspieler Wojtiech Maslanka. Die Partie in Runde acht gewann Lochte.

SCHACH

Tomas Lochte und seine unerschütterliche Liebe zum Spiel am Brett

  • Paul Hopp
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Thomas Lochte ist Schachspieler aus Passion. Auf der ganzen Welt hat er schon Turniere absolviert. Auch in Pandemiezeiten ist er unterwegs - zuletzt spielte er in Polen.

Weilheim – Thomas Lochte war sich selbst nicht ganz im Klaren, was ihn angetrieben hatte. War er nun wild entschlossen oder nicht doch ein wenig verrückt? Vermutlich war es eine Mischung aus beidem, die dazu führte, dass sich der Spieler des SK Weilheim um den Jahreswechsel herum zum „31. Internationalen Schachfestival Krakau“ nach Polen aufmachte – mit allen Begleiterscheinungen, die Reisen in der Pandemie mit sich bringen, wie Corona-Tests und Quarantäne.

Aber Lochte hat einfach eine besondere „Liebe zum Präsenz-Schach“, wie er sagt. Und er hat ein Faible für Turniere. Auf allen Kontinenten hat der Feldafinger schon gespielt und mittlerweile weit über 3000 offizielle Turnierpartien auf dem Konto. Ein Höhepunkt: 1999 nahm er mit dem SC Starnberg an der Städte-WM in China teil. Unter 14 Mannschaften wurden die Starnberger Elfter. Im April 2019 hatte Lochte auch den ihm noch fehlenden Erdteil, Südamerika, besucht – damals nahm er an einem Open in Mar del Plata (Argentinien) teil. „Die Antarktis fehlt mir allerdings noch“, sagte er seinerzeit mit einem Schmunzeln.

Auftritt beim 31. Internationalen Schachfestival in Krakau

In Polen hatte Lochte freilich schon längst ein Turnier gespielt. Vor 32 Jahren – damals gehörte das Nachbarland noch zum Ostblock – nahm er an einem Wettbewerb in Warschau teil. In Krakau war der SK-Weilheim-Spieler nun erstmals am Start. Mit seiner Elo-Zahl von 2076 durfte er allerdings „nur“ am B-Turnier teilnehmen. Dort war der 63-Jährige gemäß der Meldeliste an Position drei notiert. „Ich hatte mir vorgenommen, das Turnier zu gewinnen“, sagte er. Doch der Routinier wusste auch, dass er vielen Spielern, vornehmlich Teenagern, gegenüber sitzen würde, deren geringe Elo-Zahl nicht ihre wahre Spielstärke widerspiegelt. Die Auswertung der Elo-Punkte wird nicht in allen Ländern gleichermaßen konsequent gehandhabt. Solche spielstarken, aber „unterbewerteten“ Youngster hätten ihm in den Jahren 2016 bis 2019 knapp 200 Punkte gekostet „und graue Haare beschert“. Am Ende büßte er auch wieder einige Elo-Punkte ein und landete mit 5,0 Punkten (3 Siege/4 Remis/2 Niederlagen) nach neun Runden auf dem 31. Platz unter 96 Frauen und Männern. Den Sieg im B-Turnier holte sich der Pole Tomasz Musial (7.5 Punkte). Bester Deutscher war der 17-jährige Taron Khachatryan (Norderstedt) mit 6,5 Punkten (9. Platz).

Im Turnier spielte Lochte zunächst gegen einen 68-jährigen Polen und gewann. Danach sah sich Lochte einer regelrechten Armada an Teenagern gegenüber. Knackpunkt war für den Feldafinger letztlich die dritte Runde. Dort hatte er sich gegen seinen 16-jährigen Kontrahenten, Bartosz Panek (Elo-Zahl 1927), schon in eine klare Gewinnstellung gebracht. Doch im 21. Zug wurde Lochte von einem „Hasardeur-Zug“ des Gegners mit einem Bauern auf e3 überrascht. Lochte ließ die Figur stehen – „danach bin ich in ein Matt-Netz geraten“, berichtete er. Der SK-Spieler musste aufgeben. Da klar war, dass nun eine Top-Platzierung nicht mehr zu erreichen war, „habe ich in den Touristenmodus geschaltet“, sagte Lochte. Aus den verbleibenden sechs Runden holte er aber dennoch 3,5 Punkte.

Desinfektion vor jedem Rundenbeginn

Ausgetragen wurde das Turnier im „Galaxy Hotel“, das direkt an der Weichsel liegt. Die Bedingungen „waren gut“, berichtete Lochte. Die Maskenpflicht wurde ihm zufolge von den Teilnehmern fast zu hundert Prozent beachtet. „Vor den Turniersälen in den verschiedenen Stockwerken standen zumindest vor Rundenbeginn Schiedsrichter und Turnierhelfer mit Desinfektionssprühflaschen bereit.“ Die gebuchten Mahlzeiten morgens, mittags und abends bekamen die Teilnehmer mittels Zimmerservice.

Aufgrund der Pandemie fiel das Rahmenprogramm aus. Auf Blitzturniere und Shogi-Wettbewerbe (Shogi ist eine japanische Schach-Variante), Ausflüge und Museumsbesuche mussten die Teilnehmer verzichten. Als Stadt habe Krakau viel zu bieten, so Lochte. Den sehenswerten Hauptplatz Rynek hatten „in diesem pandemiegeplagten Jahr die Einheimischen weitgehend für sich“. Gelohnt hatte sich die Reise und der Aufwand, so der SK-Spieler. Und die Testergebnisse „waren alle negativ“.

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