1 von 4
Souveräner Auftritt: Johanna Sirch und „La Samira“ (hier eine Archivaufnahme vom CIC in Unterbeuern) glänzten im Gelände. 
2 von 4
Im Fokus der Zuschauer: Olympiasieger Michael Jung, hier mit „Star Connection“ auf der Cross-Strecke der Zwei-Sterne-CIC-Prüfung. 
3 von 4
Alles in Ordnung: Michael Jung bei der Verfassungsprüfung mit dem sechsjährigen Wallach „Choclat“, mit dem er das CCI bestritt. 
4 von 4
Herausforderung „Ettenhubers Höhenflug“: Nina Schultes (TG Schwaiganger) mit „Zappelphilipp“ in der Zwei-Sterne-CIC-Prüfung.

Reiten: Vielseitigkeit in Schwaiganger

Feine Ritte nicht nur vom Olympiasieger

  • schließen

Beim Alpen-Cup  in Schwaiganger  überzeugt nicht nur Michael Jung. Auch drei junge Reiterinnen aus der Region waren erfolgreich.

Landkreis – Als der große Meister heranprescht, kommt selbst bei den für gewöhnlich zurückhaltenden Reitsport-Fans so etwas wie Hektik auf. Die Menschen, die auf dem Zuschauerhügel vorher zum Teil entspannt auf dem Gras saßen, erheben sich, recken die Hälse, zücken ihre Smartphones für Aufnahmen, drängen sich ans Absperrungsseil, um möglichst viel vom Ritt der Startnummer 57 mitzubekommen. Einen Michael Jung in Aktion gibt es in hiesigen Regionen eben nur ganz selten zu sehen.

Der beste „Buschreiter“ der Welt – Jung holte in den vergangenen Jahren dreimal Olympia-Gold sowie mehrere WM- und EM-Titel – ist zum Alpen-Cup des Haupt- und Landgestüts Schwaiganger gekommen, um dort drei seiner jüngeren Pferde Turniererfahrung zukommen zu lassen. Vor zehn Jahren, damals gehörte Jung zu den deutschen Talenten, war er letztmals bei einem Turnier im Oberland.

Das Zwei-Sterne-CIC am Wochenende absolviert Jung, der in Horb-Altheim (Baden-Württemberg) seine Reitanlage hat, mit dem neunjährigen Wallach „Star Connection“. Ganz kontrolliert überquert das Duo das Wasser, reitet ins Stadion und überquert dort zwei Hindernisse. Danach geht es den Hügel hinauf, wo gleich auf der Kuppe „Ettenhubers Höhenflug“ wartet – eine mächtige Holzbarriere. Ganz leicht streift „Star Connection“ mit der Hinterhand die oberste Stange, aber alles kein Problem. Die Zuschauer applaudieren deutlich lauter als bei den Reitern davor. Noch einmal geht’s ins Wasser und dann zwei Hindernisse später ins Ziel. Mit 6:13 Minuten bleiben Jung und „Star Connection“ über der Richtzeit, bekommen so 12,8 Strafpunkte – und verlieren die Führung an Tina Krüger (RV Gut Hollern), die mit „Dolce Mia“ 5:47 Minuten (2,4 Strafpunkte) benötigt hat. Aber ein Pferd wild zu jagen, ist eben nicht Sinn der Sache. Bei der Vielseitigkeit geht es speziell im Gelände um ein „pferdeschonendes Nachhause-Kommen“, sagt Streckensprecher Bruno Six.

Die Geländeprüfungen, von rund 1000 Zuschauern besucht, waren mit die Höhepunkte beim dreitägigen Alpen-Cup. Und es waren dabei nicht nur die bekannten Namen wie eben Jung, die feine Ritte zeigten. Auch und gerade die einheimischen Reiterinnen überzeugten. Johanna Sirch (Pferdefreunde Fischen) durchquerte im Ein-Sterne-CIC mit der 15-jährigen Stute „La Samira“ wie an der Schnur gezogen den selektiven Geländekurs. Durch „Kuschels Stadel“ und den „BayWa-Wasserkomplex“ sowie über den „Planterra-Erntewagen“ ritt das Duo dermaßen souverän, dass Streckensprecher Six feststellte: „So muss das aussehen, wenn man gewinnen will.“ Sirch und „La Samira“ ließen sich noch nicht einmal von einem Hund aus dem Konzept bringen, der seinem Frauchen entwischt war und dem Duo hinterherjagte. Mit 5:49 Minuten blieben die zwei genau in der vorgegebenen Zeit, was in dieser Prüfung nur zwei andere Paare schafften. „Es lief richtig gut“, sagte Sirch. Das Gelände „ist ihre Stärke. Da ist sie immer voll bei der Sache“, sagte die 23-jährige Fischenerin über ihr Pferd. Die Strecke sei anspruchsvoll gewesen, „du musstest dich überall konzentrieren. Es gab immer wieder Aufgaben zu lösen“. Einige Reiter mussten nach Stürzen oder mehreren Verweigerungen aufgeben; dazu gehörte auch Melina Noll (RZV Lechtal), die mit „Borokito“ gut unterwegs war, aber an Hindernis zwölf einfädelte. Alle Stürze verliefen nach Auskunft der Veranstalter glimpflich ohne größere Verletzungen.

Sirch und „La Samira“ arbeiteten sich mit ihrem starken Gelände-Auftritt nach einer ordentlichen Dressur (13. Platz) auf den dritten Rang nach vorn. Im abschließenden Springen kamen zwei Abwürfe, also acht Fehlerpunkte, hinzu. Das bedeutete einen beachtlichen fünften Rang und eine Platzierung unter 33 Startern. Für „La Samira“ war es die letzte große Prüfung des Jahres.

Auch die beiden Lokalmatadorinnen von der TG Schwaiganger, Nina Schultes (23) und Sophie Grieger (26), hatten Grund zur Freude. Schultes holte im Ein-Sterne-CIC mit der erst siebenjährigen Stute „Tudorville xx“ (für sie war es die erste derartige Prüfung) als Elfte eine Platzierung. Im Zwei-Sterne-Bewerb überzeugte die 23-jährige Bereiterin mit dem neunjährigen Wallach „Zappelphilipp“ als Sechste. Ihr Ziel, eine Platzierung in dem stark besetzten Teilnehmerfeld, schaffte Schultes damit locker. Selbst eine schwere Erkältung in den Tagen davor konnte sie nicht stoppen. Vor dem Geländeritt „hatte ich schon Respekt“, sagte sie – zumal mehrere Reiter vor ihr Probleme hatten. Doch Schultes wusste auch um die Stärken ihres Trakehners: „Im Gelände kann man sich auf ihn verlassen.“

Sophie Grieger glänzte im Ein-Sterne-CCI mit der siebenjährigen Stute „Al Martina“ als Fünfte. Nach Rang sechs in der Dressur blieb das Duo auf der rund 3900 Meter langen Geländestrecke ohne Fehler. Ein Abwurf im Springen verhinderte einen Platz unter den Top-Drei. Beim Bundeswettkampf holte Grieger aber zusammen mit Katharina Schedel (RFV Markt Schwaben), Fabian Held (LRFV Massenhausen) und Bodo Battenberg (RFC Markt Erkheim) den Sieg für Bayern vor Sachsen und Hessen. „Das war ein echtes Highlight“, sagte Lisa Kruis vom Haupt- und Landgestüt.

Jung wurde im Zwei-Sterne-CIC mit „Star Connection“ hinter Krüger Zweiter. Im Springen war er fehlerlos geblieben, Krüger verteidigte trotz eines Abwurfs ihre Führung. Im CCI wurde Jung mit „Corazón“ auch Zweiter; es siegte Wiebke Byl (Weser-Ems). Mit seinem dritten Pferd, „Choclat“, landete Jung auf dem vierten Rang.

Auch interessant

Meistgesehene Fotostrecken

Klug/Härtl lösen Ticket für die Paralympics
Clara Klug und Guide Martin Härtl haben die Norm für die Paralympics erfüllt. Das Duo lief auf Platz zwei - und Klug sieht noch Reserven bei sich.
Klug/Härtl lösen Ticket für die Paralympics
Veronika Gattinger gelingt der Linedance-Hattrick
Veronika Gattinger hat es zum  dritten Mal geschafft. Die Linedancerin  vom SC Huglfing siegt souverän bei der „Czech Open“.
Veronika Gattinger gelingt der Linedance-Hattrick

Kommentare