Tennisspieler Jordan Wenninger vom TC Weilheim beim Aufschlag.
+
Hochkonzentriert und erfolgreich: Jordan Wenninger spielt sein fünf Jahren für das Herrenteam des TC Weilheim. Kein einziges Mal hat er dabei im Einzel verloren.

Tennis beim TC Weilheim

Jordan Wenninger: Ein Tennislehrer aus dem „gelobten Land“

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
    schließen

Tennisspieler Jordan Wenninger gehörte einst zur Elite im "weißen Sport" in Deutschland. Seit einiger Zeit leitet er die Jugend beim TC Weilheim an - und das trägt Früchte.

Jordan Wenninger hat seit fünf Jahren kein Einzel mehr für den TC Weilheim verloren. Irgendwann, die Vermutung liegt nahe, wird er wieder verlieren. Aber in der Bezirksliga, in der die Männer des TC Weilheim derzeit beheimatet sind, ist das nicht sehr wahrscheinlich. Für einen Hobbyspieler wäre das eine Errungenschaft, die Stolz im Übermaß ausschüttet.

Aber Jordan Wenninger hat die andere Seite des Sports gesehen. Manche nennen sie das gelobte Land. Für die meisten Beteiligten ist das Profigeschäft vielmehr das Gegenteil: eine Fabrik mit entsetzlichen Arbeitsbedingungen, mit hohen Erwartungen und ganz wenig Aufstiegschancen. Mit 20 Jahren hat Wenninger den Versuch gestartet, alleine, ohne Geld der Eltern, auszuziehen in die große, harte Tenniswelt. Er gehörte zu diesem Zeitpunkt zu den 200 besten Spielern in Deutschland. „Beim Fußball wärst du wahrscheinlich schon Millionär“, scherzt der gebürtige Münchner.

Jordan Wenninger: Seit fünf Jahren kein Einzel mehr verloren

Doch die Realität im Tennis sieht so aus, dass Rafael Nadal zwar voriges Jahr 11,6 Millionen Euro Preisgeld eingestrichen hat, aber die Nummer 400 der Welt „etwa bei Null rauskommt“, wie Wenninger weiß. „Du brauchst schon 60.000 Euro im Jahr, damit das realistisch ist“, sagt der 27-Jährige. Also um ein Jahr auf der Tour zu bestehen.

Ein paar Wochen hat er sich durch niederklassige Turniere geschlagen. Er reiste viel, verdiente wenig und erkannte recht schnell nach vier Monaten, wie teuer dieser Spaß, der eigentlich Beruf werden sollte, doch ist „ohne Sponsor und alles“. Er hat dann bei seinem früheren Trainer in Garching ein paar Stunden übernommen. Das war das Beste, das ihm passiert ist. Die Kinder liebten Wenninger, und er fand seine Bestimmung. Zwei Jahre später schloss er die Trainerausbildung ab und bekam einen Job in Weilheim. Das ist eigentlich die ganze Geschichte, wie der TC Weilheim diesen Glücksgriff landete.

Jordan Wenninger hat versucht, im Profi-Bereich Fuß zu fassen

Aber was Jordan Wenninger in sechs Jahren aus dem Verein gemacht hat, das ist ebenso bemerkenswert, wenn nicht gar beeindruckender als seine Münchner Meistertitel in der Jugend oder seine Pokale bei den vielen internationalen Turnieren. Er hat mit 50 Kindern und Jugendlichen begonnen, was für eine Kreisstadt lächerlich wenig ist. Kontakte zu Schulen und Kindergärten fehlten, es gab nur einen Trainer mit etwa 40 Stunden pro Woche. Das reichte dann wiederum nicht, um etwas mit Substanz aufzubauen. Wenninger aber ging zu den Kindern, und die Kinder kamen danach zu ihm.

Kurze Zeit später stand auch die Halle, die es bei Wenningers Ankunft noch nicht gegeben hatte. Trotzdem hielt er die Anlage schon am ersten Arbeitstag im Jahr 2014 für eine der schönsten Oberbayerns. Die Basis passte in Weilheim. Heute lernen 135 Kinder Tennis beim TCW, unterrichtet von zwei hauptamtlichen und fünf Co-Trainern. 80, 90 manchmal 100 Stunden pro Woche sind für ihre Einheiten reserviert. „Wir konnten das Schritt für Schritt hochfahren“, so Wenninger.

Jordan Wenninger will die Kinder beim TC Weilheim begeistern

Bremsen muss er sich, wenn es um Talentförderung geht. Er schaut gern auf die Leistung, weil er im Leistungsbereich sozialisiert wurde. In den Jugendjahren zählte für ihn das Ergebnis genauso viel, wenn nicht gar mehr – verglichen mit dem Spaß. Sonst wäre er etwa nicht in die Türkei geflogen und hätte auf diesen Hartplatz aufgeschlagen, den man in Europa so nicht sieht, weil er die Bälle wie ein Zufallsgenerator verteilt. Solch irre Erlebnisse macht nur mit, wer Leistung lebt. „Ich kann das nicht von jedem verlangen“, weiß der Münchner.

Gewiss komme es auf das Talent an, aber auch auf die Unterstützung der Eltern. Viele wollen einfach nur einen Zeitvertreib für ihre Kleinen. Das ist in Ordnung. Wenninger hat beobachtet, dass die Kinder „eher unsportlicher“ werden. Als oberste Prämisse hat er deshalb ausgegeben, „die Kinder so zu begeistern, dass sie alleine spielen“. Ohne Druck. Konstanz ist das Zauberwort. Vor allem konstante Zahlen. Niemand will mehr zurück in die Zeit von vor sechs, sieben Jahren mit 50 Kindern und nur einem einzigen Trainer.

Einige Talente beim TC Weilheim haben gute Perspektiven

In Weilheim gibt es aber gewiss Talente, und für die ist Jordan Wenninger der bestmögliche Betreuer, weil er den Weg mit all seinen Hindernissen und Begleitern abgeschritten ist, den die jungen Burschen vor sich haben. Bei Lion Gick (Jahrgang 2007) und Andrej Merica (2010) hat er gute Perspektiven ausgemacht. Der BTV hat die zwei Talente in seine jeweiligen Kader aufgenommen, Gick misst sich schon mit Männern. Wenninger möchte sie so weit bringen, dass sie einmal bei den Erwachsenen ankommen und ihn – das wäre natürlich eine wahnsinnige Leistung – schlagen. „Mich schlägt da keiner“, sagt der Trainer. Er lacht, weil das nun wirklich ein abwegiger Gedanke ist, dass ihn ein 13-Jähriger bezwingt.

In Österreich hat er in diesem Jahr schon ein Spiel verloren. Er läuft dort in der dritten Liga auf und entdeckt gelegentlich den Ehrgeiz wieder, der ihn früher angetrieben hat. „Ich bin das Niveau nicht mehr gewohnt“, sagt Wenninger. Nach einer Niederlage suchte ihn ein Gedanke heim. Das war nur ein kleiner Moment, in dem sein Ego flüsterte: „Jordan, du müsstest halt mehr trainieren.“ Aber im Leben und im Beruf des Jordan Wenninger gibt es wichtigere Aufgaben. Seine Freundin, eine Weilheimerin, ist gerade zu ihm nach München gezogen. Das Wintertraining gehört geplant. „Als Vereinstrainer taugt es mir ganz gut“, sagt der 27-Jährige.

Den Spaßfaktor liefert das Männer-Team in Weilheim. „Eine total coole Truppe, sympathischer als eine, die vielleicht höher spielt.“ Und ehrgeizig obendrein. Wenn Wenninger demnächst wieder nach den Zielen für nächste Saison fragt, werden alle antworten: Na, Erster werden. Das tun sie immer. Mittelfristig will der TCW in die Super-Bezirksliga. An Wenninger wird es nicht scheitern. Der wird auch in der nächsthöheren Liga gewinnen. Wenn auch nicht mehr jedes Duell.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Das besondere Lauf-Gefühl von Peter Grünebach am Hörnle
Das besondere Lauf-Gefühl von Peter Grünebach am Hörnle
Weilheim bietet dem Tabellenführer Paroli, die Belohnung bleibt aber aus
Weilheim bietet dem Tabellenführer Paroli, die Belohnung bleibt aber aus
SG Oberhausen/Weilheim: Coach Markus Bierling wirft das Handtuch
SG Oberhausen/Weilheim: Coach Markus Bierling wirft das Handtuch
Hohenpeißenberg II zufrieden mit Platz vier
Hohenpeißenberg II zufrieden mit Platz vier

Kommentare