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Warum die Basketball-Hochburg Weilheim einstürzte

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Von: Andreas Mayr

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Basketball TSV Weilheim Florian Willkomm
Der letzte Turm in der Schlacht: Florian Willkomm – Vorsitzender der Basketball-Abteilung und bis vor kurzem Trainer des Herrenteams – hielt die Überbleibsel des Regionalliga-Teams zusammen. Jetzt setzt er alles auf den Nachwuchs. © Andreas Mayr

Weilheim - Erst bröckelte die Festung. Jetzt droht sie einzustürzen. Früher waren die Weilheimer Basketball-Herren die Macht im Oberland, nun sind sie am Boden.

Die Vorgeschichte

Beginnen wir, als die Basketball-Welt noch in Ordnung war. Da leisteten zwei kleine Festungen im Landkreis den Basketball-Mächten aus München Widerstand. Weilheim, die Hochburg im Oberland, duellierte sich mit den Großstädtern in der Regionalliga – auf gehobenem Amateur-Niveau. Die tapferen Penzberger Herren mischten die Bayernliga auf. Im Juni 2011 aber begannen die Mauern der beiden Hochburgen zu bröckeln. Wolfgang Maier, der Penzberger Burgherr, und Florian Willkomm aus Weilheim bliesen zum Rückzug. Beiden war das Personal für Basketball-Schlachten auf solch hohem Niveau ausgegangen. Zwei Jahre später – im Herbst 2013 – kapitulierte Maier und beerdigte den Herren-Basketball in Penzberg. So weit ist es in Weilheim noch nicht gekommen. Doch der TSV liegt am Boden – abgestürzt ans Tabellenende der Bezirksoberliga. Zuletzt kursierten in der Szene sogar Gerüchte, die „Red Devils“ würden kommende Saison gar nicht mehr antreten, die Mannschaft sich in alle Winde zerstreuen. Doch Florian Willkomm, Abteilungsleiter beim TSV, bekräftigt: „Ich sage, es gibt weiterhin eine Herren-Mannschaft.“

Das Team: ein Haufen unterschiedlicher Puzzleteile

Basketball TSV Weilheim Sebastian Jungwirth
Sebastian Jungwirth ist Top-Scorer des Tabellenletzten. © Andreas Mayr

Zu Regionalliga-Zeiten war dieses Team eine Einheit. Eben die verschworene Provinz-Truppe, gegen die keiner spielen wollte. Heute ist der TSV ein Haufen Puzzleteile, die nicht so recht zusammenpassen. Da sind die Talente wie Philipp Brenner und Alex Brem. Die aber sind zu jung, um in der Bezirksoberliga zu den Leistungsträgern zu gehören. Da sind Hobbyspieler wie Jakob Dehl, Johannes Kleber oder Matthias Modrok, die sich nach Kräften bemühen. Da sind die Oldies, wie Florian Wiedenmann und Alex Papaioannou, die mit der Einstellung einiger Jungspunde zu kämpfen haben und über ihren Zenit hinaus sind. Und da sind Leistungsträger wie Sebastian Jungwirth oder Andi Thumser, die wegen ihres Studiums kaum trainieren oder spielen können und in Sachen „Einstellung“ sicher keine Musterschüler sind. Zusammengehalten wurde dieses Misch-Masch lange von einem: Willkomm. Bis der kurz vor Weihnachten die Lust verlor und hinschmiss. Jetzt ist der Abteilungsleiter zurück auf der Trainerbank (mit Darryl Millwood). Er hat wohl eingesehen, dass eigentlich nur noch er die Weilheimer Herren vor dem Aus retten kann. Doch das wollte er unbedingt vermeiden.

Die Gründe für den Fall

Dabei – und das ist tragisch – kann der TSV nur bedingt etwas für den Absturz. Ein „Generationenproblem“ nennt Florian Willkomm den Auslöser für den Zerfall der Basketball-Macht im Oberland. „Die Generation zwischen 20 und 35 fehlt – in allen Vereinen und Sportarten“, so Willkomm. Viele zog und zieht es in die Großstadt zum Arbeiten und Studieren. Gerade der Akademiker-Sport „Basketball“ ist betroffen. So war’s in Penzberg, so ist es nun in Weilheim. „Was uns hier fehlt, ist eine Hochschule“, sagt Willkomm. Die Einführung des achtjährigen Gymnasiums und der Wegfall des Zivildienstes beschleunigten den Absturz noch. Bevor Talente zu Leistungsträgern heranwuchsen , waren sie weg. Ihnen fehlte die Bindung zur Mannschaft.

Also haben die einst so stolzen Weilheimer den Traum vom höherklassigen Basketball begraben. Die Zukunft gehört – ausschließlich – dem Nachwuchs. Wilkomm sagt: „Wir versuchen, junge Leute zu binden. Was davon übrig bleibt, nehme ich dann bei den Herren – egal in welcher Liga.“

Kooperation mit Murnau?

Basketball ESV Staffelsee Dominik Moroder
Dominik Moroder ist sportlicher Leiter bei Ligakonkurrent ESV Staffelsee. Zu einer Kooperation sagt er: „Die Türen stehen immer offen für Ideen.“ © Andreas Mayr

Die neue Macht im Oberland-Basketball kommt aus Murnau. In rasanter Geschwindigkeit katapultierte sich der ESV Staffelsee von der Kreisklasse B indie Bezirksoberliga – mit lauter Ex-Weilheimern: Thomas Gansneder, Sebastian Rapp, Marco Moroder, Dominikus Findler. Doch auch die Murnauer wissen, dass ihr Erfolg nur einer auf Zeit ist. Insider tuschelten etwas von einer Kooperation von Weilheim, Murnau und auch Penzberg. „Es gibt noch keine Gespräche“, sagt Dominik Moroder. Die Idee aber gefällt allen Vereinsvertretern. Wäre da nicht der organisatorische Aufwand und jede Menge offener Fragen: Kooperieren auch die Jugendteams? Welche Teams trainieren wo? Unter welcher Führung firmieren die Teams? In Zeiten wie diesen will aber auch Moroder nichts ausschließen: „Die Türen stehen immer offen für Ideen.“

Kommentar: "Oberland Baskets" sind die Zukunft

Nein, der Basketball im Oberland ist noch nicht am Ende. Die Talentschmieden in Weilheim, Polling, Penzberg und Murnau produzieren genug Spieler, um auch künftig in der Bayern- oder Regionalliga mithalten zu können – wohlgemerkt mit Damen- und Herren-Teams. Allein schafft es kein Verein mehr. Unmöglich. Zusammen aber geht’s. Die „Oberland Baskets“ – eine Kooperation aller Klubs – sind die Zukunft. Dabei ist eine gemeinsame Sache im Seniorenbereich ausschließlich eine Frage des Wollens, nicht des Könnens. Schaffen es die Klubs endlich, sich an einen Tisch zu setzen, alle Vereins-Interessen und persönlichen Animositäten hintanzustellen – und die Kräfte zu bündeln?

Wenn ja, dann hat Amateur-Basketball auf gutem Niveau langfristig eine Chance in der Region. Das Interesse daran ist groß. Allein in Murnau strömten dieses Jahr in einem einzigen Spiel über 400 Zuschauer in die Halle – in der Bezirksoberliga. Wenn aber alles bleibt, wie es ist, dümpeln die Herren-Mannschaften auf Jahre im Nirgendwo zwischen Kreisklasse und Bezirksliga. Eine grauenhafte Vorstellung, wenn man die Alternative kennt...

Zur Situation in Weilheim: Was das Team bislang zeigt, ist beschämend – aber keine Überraschung. Platz drei hat Florian Willkomm als Saisonziel ausgegeben. Ob’s sein Wunsch oder Traum war? Vor allem war es aber ein utopisches Ziel. Mehr als der Klassenerhalt ist mit diesem Team einfach nicht drin. Warum der Basketball-Traditionsstandort Weilheim so tief fiel, dazu nur so viel: Natürlich packten viele Jugendliche nach dem Abi flugs ihre Sachen Richtung Uni, natürlich macht dem TSV das „Generationenproblem“ zu schaffen. Dass talentierte Basketballer aus der Region – wie Thomas Gansneder, Dominikus Findler, Johannes Früschütz oder Marco Moroder –, die alle in Weilheim spielten oder trainierten und nicht studieren, ausnahmslos bei der Konkurrenz spielen – das hat nichts damit zu tun.

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