Bodybuilding ist seine Leidenschaft: Maciej Biskup aus Penzberg arbeitet konsequent an seinem Körper. SAMS-Fotografie
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Bodybuilding ist seine Leidenschaft: Maciej Biskup aus Penzberg arbeitet konsequent an seinem Körper.

FITNESS-SPORT

Maciej Biskup - zu einhundert Prozent Bodybuilder

  • Paul Hopp
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Bodybuilding ist für Maciej Biskup mehr als nur ein Sport. „Das muss man leben“, sagt der Penzberger. Seit 2018 bestreitet Biskup Wettkämpfe – die Liste an Top-Platzierungen ist schon lang.

Penzberg – Bodybuilding ist für Maciej Biskup mehr als nur ein Sport. „Das muss man leben“, sagt der Penzberger. Entsprechend hat der aus Berlin stammende 35-Jährige seinen Alltag danach ausgerichtet. Der Aufwand hat sich bis dato gelohnt. Bayerischer Meister, Sieger beim Swiss-Cup, Vierter bei der deutschen Meisterschaft – die Liste an Top-Platzierungen ist lang.

Und das, obwohl Biskup erst seit drei Jahren an Wettkämpfen teilnimmt. Demnächst steht für ihn das bislang bedeutendste Event auf dem Programm: Mitte Mai startet er in Santa Susanna (Spanien) bei der Europameisterschaft des Verbands IFFB (International Federation of Bodybuilding and Fitness) im Schwergewicht (bis 100 Kilo).

Maciej Biskup absolviert seit 2018 Wettkämpfe

Wer als Laie einen Bodybuilding-Wettkampf betrachtet, der sieht lediglich muskelbepackte Frauen und Männer, die, jeweils leicht bekleidet, auf der Bühne ein paar Posen zeigen. Wer Biskup nur ein paar Minuten zuhört, der bekommt eine Ahnung davon, wie komplex der Sport tatsächlich ist. Klar, Muskeln sind wichtig. Doch der Aufbau erfolgt nach einem Plan, denn es wird von den Wertungsrichtern auf Symmetrie und die passenden Proportionen geachtet. Und dass die Athleten just am Wettkampftag ihr perfektes Aussehen haben, ist eine Kunst für sich.

Damit auf der Bühne die einzelnen Muskelstrukturen zu erkennen sind, kommt es auf eine passende Körperfettreduktion und Entwässerung an. „Es ist ein Spiel mit Salzen und Wasser“, sagt Biskup. Doch auch der schönste Körper nutzt nichts, wenn der Athlet sich nicht entsprechend darzustellen weiß. Die Pflichtposen bei einem Wettkampf dauern zwischen 60 und 90 Sekunden. So ein Auftritt ist anstrengend: Hinter der Bühne „schnappen alle nach Luft“, sagt Biskup. Je nach Teilnehmerzahl gibt es mehrere Einsätze in den Vorwahlen, hinzu kommt das Finale. Die Klassensieger dürfen dann noch im Kampf um den Gesamtsieg antreten. So können für einen einzelnen Athleten bis zu acht, neun Durchgänge zusammenkommen.

Präsentation soll „elegant wie ein Ballett sein“

Alles „muss auf den Punkt genau sitzen“, sagt Biskup. Die Präsentation soll „elegant wie ein Ballett sein“. Einige der weltbesten Bodybuilder nehmen tatsächlich Ballettunterricht. „Das ist nicht ungewöhnlich“, sagt Biskup. Er selbst macht derlei nicht, hat aber jemanden, mit dem er an seiner Kür für die EM feilt. Rund acht Stunden Arbeit hat Biskup bislang investiert. „Es sind erst 30 Sekunden fertig“, sagt er. Die Länge der Kür muss letztlich eine Minute betragen.

Eine wichtige Rolle spielt für Biskup auch sein Coach – es ist der in der Region bekannte Thomas Holzer, der selbst DM-Titel und EM-Teilnahmen vorweisen kann. Er habe ihn „an den Wettkampfsport herangeführt“. Beide haben auch privat einen guten Draht zueinander. Ein vertrauensvolles Verhältnis zu einem Coach „ist unerlässlich“, sagt Biskup. Als Athlet fühle man sich vor einem Wettkampf oft „zu wenig, zu dünn, zu schlecht“. Verlassen kann sich der Penzberger auch auf die Unterstützung seitens der Ehefrau, der Tochter und des Sohns. „Der Sport funktioniert nur, wenn die Familie dabei ist.“ Das Training, die Vorbereitung auf einen Wettkampf, die ganz spezielle Ernährung – all das erfordert Biskup zufolge viel Freiraum. Er ist „sehr froh“ über den familiären Rückhalt.

Erfolgreich im Wettkampf: Maciej Biskup nach seinem Sieg im Swiss-Cup 2019 im Schwergewicht.

Mit dem Bodybuilding hat Biskup im Alter von etwa 16 Jahren begonnen. Auslöser war ausgerechnet das Bild eines muskulösen Sängers in einer Jugendzeitschrift. Doch bis zum Wettkampf-Athleten war es eine lange Reise, auch wenn der Sport als Hobby immer eine Rolle spielte. Biskup studierte Wirtschaftsrecht, danach – weil das seinen Begabungen eher entgegen kam – Fahrzeugtechnik. Er arbeitet als Prüfingenieur, sorgt also dafür, dass im Straßenverkehr sichere Fahrzeuge unterwegs sind. 2016 kam er mit der Familie nach Bayern, seit Februar 2017 wohnt er in Penzberg. Biskup fand schließlich den Weg ins dortige „New Fitnessworld“-Studio. Dort sei er sehr freundlich aufgenommen worden, berichtet der Bodybuilder in einem „Youtube“-Video. An den Wänden im Studio sah er Fotos einiger der Penzberger, die bei Wettbewerben erfolgreich waren. Für ihn stand schnell fest: „Ich will auch auf die Bühne.“ Er bekam den Tipp, sich mit Holzer in Verbindung zu setzen. Von ihm erfuhr Biskup, wie viel Aufwand nötig ist, um bei Wettkämpfen mitzumischen. Und der Neu-Penzberger nahm die Herausforderung an. Seither baute er rund 25 Kilo Muskelmasse auf.

Maciej Biskup im ersten Wettkampfjahr immer im Finale

In seiner ersten Saison, 2018, holte Biskup bei seinen Auftritten stets Pokale, das heißt, er schaffte es in seiner Klasse immer ins Finale der besten sechs. Ein Highlight war der vierte Rang im „Classic Bodybuilding I“ bei der internationalen deutschen Meisterschaft in Bochum. Das Jahr darauf räumte Biskup weiter Top-Platzierungen ab. So gewann er den bayerischen Meistertitel im Bodybuilding (Klasse III), triumphierte beim Swiss-Cup in Sempach und belegte beim Austria-Cup in Krems/Donau den dritten Platz. Vor der Fahrt zu einem Wettkampf „verspreche ich meiner Tochter immer, mit einem Pokal heimzukommen“, sagt Biskup mit einem Schmunzeln. Nur einmal hat er bisher sein Versprechen nicht einlösen können: Bei der internationalen DM 2019 in Bochum verpasste er als Siebter das Finale. Kurz bevor er auf die Bühne ging, „hat es nicht mehr gepasst“, sagt Biskup. Es sei „eine böse Erfahrung“ gewesen – die aber auch zeigte, wie schwer es eben ist, Körper und Geist auf ein so kurzes Zeitfenster auszurichten.

Corona und die Beschränkungen für Fitness-Studios bedeuten hohe Hürden. Als Mitglied des Landes- und des Bundeskaders ist es ihm mit einigem Aufwand gelungen, sich in Murnau im „Fitness-Stadl“ Trainingsmöglichkeiten zu verschaffen. „Es ist aktuell alles sehr schwierig.“ Für die EM hat er sich zum Ziel gesetzt, „mein Bestes zu zeigen“. Dafür will er „in jedem Training einhundert Prozent rausholen“. Welcher Rang herausspringt, wird sich zeigen. Biskup möchte auf alle Fälle sagen können: „Ich habe alles gegeben.“

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