Emanuel Taffertshofer (l., SV Sandhausen) im Zweikampf mit Düsseldorfs Kevin Danso.
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Nur nicht abdrängen lassen: Emanuel Taffertshofer (l.) vom SV Sandhausen im Zweikampf mit Düsseldorfs Kevin Danso. Das Spiel am vergangenen Samstag endete mit einem 0:0.

FUSSBALL: 2. Bundesliga

Gebrüder Taffertshofer zuversichtlich im Abstiegskampf

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Die Fußballbrüder Uli und Emanuel Taffertshofer stehen - jeder mit seinem Verein - in der 2. Bundesliga im Abstiegskampf. Zuletzt verloren beide ihre Trainer - am selben Tag. Beide sind aber zuversichtlich, dass es mit dem Klassenerhalt klappt.

Osnabrück/Sandhausen – An das Datum wird man sich bald nicht mehr erinnern. Aber falls einmal einer die Karriere der Fußballbrüder Uli und Emanuel Taffertshofer niederschreibt, sollte er auch eine Seite für den 15. Februar 2021 freihalten. Der Tag, an dem beide ihre Trainer verloren. Der VfL Osnabrück, Uli Taffertshofers Klub, entließ als erster, nach sieben Niederlagen am Stück.

„Bei uns gleich in der Früh“, erinnert sich Uli Taffertshofer. Am Nachmittag, 400 Kilometer südlich, handelte dann der SV Sandhausen. „Das war schon verrückt“, sagt Bruder Emanuel. Sie haben viel durchgemacht, Duelle gegeneinander in sämtlichen Klassen. Aber das? Auch noch nicht. „Ein unlustiger Zufall“, bemerkt Emanuel Taffertshofer. Unlustig ist auch, in welcher Lage die Brüder aus Abertshausen in der 2. Bundesliga stecken: gemeinsam im Abstiegskampf, allerdings jeder für sich.

Uli und Emanuel Taffertshofer kämpfen beide um den Klassenerhalt

Osnabrück ist Drittletzter, 23 Punkte. Ein Zähler und ein Platz dahinter Sandhausen. Wobei die Routen der beiden Brüder höchst unterschiedlich verliefen, erst seit Kurzem changieren sie. Uli Taffertshofer hat mit dem VfL einen Klippensprung hingelegt, stets begleitet von der zynischen Frage: Schaffen sie es tatsächlich, zehn Mal in Folge zu verlieren? Glücklicherweise kam es nicht so, die Serie stoppte bei neun Niederlagen. Am Sonntag gegen Nürnberg holte Osnabrück einen Punkt (1:1). „War ein erster Schritt“, sagt Uli Taffertshofer. So verkehrt haben sie gar nicht gespielt in den Wochen davor. Es waren immer kleine Pikse, die sie ärgerten, mal eine rote Karte hier, mal ein ganz frühes Gegentor da. „Dann kommst du in die Spirale rein, aus der du nicht so easy rauskommst“, erklärt Uli Taffertshofer, den sie Sheriff nennen. Irgendwie, das lässt sich oft schlecht erklären, häuften sich die kleinen Watschen. Nur so ein Beleg: Fünfmal in dieser Saison verlor der VfL mit 0:1. Uli Taffertshofer findet ein paar passende Worte dafür: „Ärgerlich.“ „Zermürbend.“ „Harmlos nach vorne.“ „Wenn du a bisserl mehr gepunktet hättest, hättest du immer noch wenig Sorgen. So hängst du hinten drin.“ Für ihn und die Kollegen sei das trotzdem „kein Riesenschock“. Sie haben ja nicht plötzlich von der Bundesliga geträumt, nur weil sie gut in die Saison hineingesurft waren.

Emanuel Taffertshofer hat sich in die Stammelf zurückgekämpft

Emanuel Taffertshofer und der SVS stürzten recht bald ans Ende. Der Verein hat schon zweimal den Trainer getauscht, noch so ein Novum. „Wenn ich einen Wechsel miterlebt hatte, haben wir danach die Wende geschafft. Diesmal leider nicht.“ Jetzt springen die Co-Trainer ein, was einerseits wie ein Ruf der Verzweiflung wirkt, aber andererseits auch die Lösung sein kann. „Die kennen die Mannschaft gut – und wir sie. Ich glaube, dass wir harmonieren und dass das gut wird.“ Die Stimmung sei auf jeden Fall positiv – und das bedeutet schon etwas in einer Spielzeit mit mehr Grimmigkeiten im Abstiegskampf als ohnehin üblich. Man kann in diesen Virustagen nicht einfach in der Menge untertauchen und sich ablenken. Kopf abschalten und in der Freizeit etwas unternehmen, so ging Emanuel Taffertshofer bislang gegen den Trübsal nach Niederlagen vor. „Das fällt komplett weg. Da muss man trotzdem aufstehen“, sagt er. Wenn das nur so einfach wäre. Selbst die Fans, die so einen Überlebenskampf zusätzlich emotionalisieren, sind ausgesperrt. In Sandhausen hängen sie Plakate am Stadion auf, schicken Botschaften, manche per Video. „Echt cool“, findet der Taffi. „Denen will man etwas zurückgeben.“

Niederlagenserie gestoppt: Uli Taffertshofer hat mit dem VfL Osnabrück zuletzt gegen Nürnberg gepunktet. Das Foto entstand in dieser Partie, die 1:1 endete.

Das Stadion an der Bremer Brücke, in Osnabrück sagt man einfach „die Brücke“, würde dieser Tage lodern. Der Heimbereich, 14 500 von etwa 16 000 Plätzen, „ist fast immer voll“, erinnert Uli Taffertshofer. Acht Heimniederlagen in Folge, die schlimme Bilanz ist noch aktuell. „Ich behaupte mal, mit Fans wäre uns das nicht passiert“, sagt der 29-Jährige. Man hört ja, dass Corona den Heimvorteil praktisch abgeschafft hat. Uli Taffertshofer widerspricht, auch wenn der VfL Letzter der Heimtabelle ist mit nur sieben Zählern: „Es ist trotzdem ein Vorteil, daheim zu spielen.“ Im nächsten Monat kicken sie vier Mal an der Brücke. „Bis dahin müssen wir es schaffen zu punkten.“ Der Mittelfeldmann tut sich leicht mit dem privaten Ausgleich. Seit Tochter Josephine am 3. Januar zur Welt kam, ist das „in der Hinsicht recht einfach“. Uli Taffertshofer versorgt sie in den freien Stunden. „Sie ist echt a Brave, macht Spaß“, und die kleine Josephine lässt ihren Vater schlafen. Ist auch wichtig für einen Profisportler. „Sie gibt mir eher mehr Power“, betont Uli Taffertshofer, der mit Ausnahme von drei Partien stets in der Startelf stand.

Uli Taffertshofer ist seit Kurzem Vater einer Tochter

Sein Bruder, im ersten Viertel des Spieljahres oft auf der Bank, hat sich einen Stammplatz erkämpft. „Ich hab’ mir das schon verdient“, sagt er. Die Konkurrenz im Sandhauser Mittelfeld ist groß. Erst eine kleine Knieblessur hat ihn wieder gestoppt. Aber so ist das Profigeschäft. Während die Saison ins letzte Drittel einbiegt und für gewöhnlich die Nerven der Spieler im Keller weiter ansägt, blicken die Brüder dem Finale optimistisch entgegen.

„Ich glaube zu 100 Prozent dran (an den Klassenerhalt)“, sagt Emanuel Taffertshofer. Im Team gebe es die „richtigen Typen“, die mit ihrer Erfahrung vorangehen. „Keiner lässt sich hängen“, betont der 26-Jährige. Sein Bruder geht „auf alle Fälle davon aus, dass wir es schaffen“. Er hat mit Osnabrück schon im Vorjahr manche Krise bewältigt. Und er weiß, was Abstiegskampf heißt. Mit Burghausen ist er mal aus der Dritten Liga gefallen. Unter ganz anderen Umständen, da klebte das Team von Anfang auf den letzten Plätzen fest. Wer solch eine Seuchensaison einmal mitgemacht hat, den schockt wenig. Entsprechend sagt Uli Taffertshofer: „Mir macht die Lage keine Sorgen.“

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