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Die Führungsrolle taugt dem Sportler des TSV Wolfratshausen: Der dreifache Challenge-Sieger Daniel Götz gewinnt den Hohenburger Schlosslauf – hier kurz vor dem Zieleinlauf an der Schule.

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Daniel Götz fühlt die Seele des Laufsports: „Das Drumherum nehme ich nun viel besser wahr“

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Der ehemalige Lauf-Profi Daniel Götz hat nach einer Zwangspause die Freude am Wettkampf zurückerlangt und die Oberland-Challenge zum dritten Mal gewonnen; allerdings ohne Druck.

Bergdorf-Höhn ist ein Stadtteil von Neustadt in Oberfranken nahe der Grenze zu Thüringen. Von dort stammt Daniel Götz (30), der derzeit überragende Langstrecken-Läufer im Oberland, der vor Kurzem nach 2016 und 2017 für seinen dritten Gesamtsieg in der Raiffeisen-Oberland-Challenge (ROC) gewürdigt wurde. Auch wenn der Athlet, der seit sechs Jahren in München wohnt, nach wie vor für den Sportverein in seiner fränkischen Heimat startet, so hat Götz beim TSV Wolfratshausen eine neue sportliche Heimat gefunden. Dort ist er ein Mitglied in der Triathlon-Abteilung, dort trainiert er regelmäßig mit.

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Die sportlichen Ambitionen von Daniel Götz sind vielfältig. Auch wenn sein Fokus auf dem Laufen und Berglaufen liegt, ist er beinahe ebenso häufig auf dem Rad unterwegs und im Winter auf Langlauf-Skiern. Auch beruflich ist er dem Sport verbunden: Als Redakteur im Münchner Büro des Schweizer Verlags Outdoor Publishing, der einige Fachmagazine für den sportlichen Outdoor-Bereich in all seinen Facetten herausgibt.

„Ich habe lange Zeit geglaubt, dass ich ein Fußballer werde“, erinnert der 30-Jährige an seine Kindheit. Doch irgendwann gab’s Unstimmigkeiten mit Mannschaft und Trainer, außerdem gründete sich just zu jener Zeit in Bergdorf-Höhn eine Laufgruppe, in die Götz hineinschnupperte. „Das hat mir Spaß gemacht und sich dann irgendwie verselbständigt. Irgendwann möchte man dann bei der Bayerischen Meisterschaft starten und wenn man das geschafft hat, ist die ,Deutsche‘ das nächste Ziel“, umreißt Götz seine Motivation. Früh hat sich abgezeichnet, dass der Franke ein Ausnahmetalent beim Laufen ist. 2008 gewann er bei der Deutschen Junioren-Meisterschaft Silber über 2000 Meter Hindernis, und im Jahr drauf belegte er bei den Männern über 3000 Meter Hindernis Rang vier. 2010 schaffte er bei der DM in Braunschweig das gleiche Endresultat – mit persönlicher Bestleitung (8:50,71 min.). In der Saison drauf musste er verletzungsbedingt pausieren, und es folgte das Aus im Leistungssport. „Als bei mir diverse Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten festgestellt wurden, musste ich meine Laufschuhe in die Ecke stellen.“

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Dass Daniel Götz schließlich im Oberland und bei der ROC gelandet ist, ist seiner Schwester zu verdanken, die seit geraumer Zeit in Wolf-ratshausen wohnt. Dort hat er sich dann nach seiner gesundheitlichen Zwangspause 2015 zum Stadtlauf angemeldet. „Da habe ich gemerkt, dass das Laufen immer noch meine Passion ist und ich habe wieder angefangen, mich gezielt auf Wettkämpfe vorzubereiten.“ Freilich hat das Laufen für den Münchner mittlerweile eine ganz andere Qualität. „Ich weiß, dass ich kein Olympiasieger mehr werde. Andererseits habe ich auch keinen Druck mehr. Ich entscheide, wie ich trainiere und wo ich laufe. Ich bin in Vollzeit berufstätig und nur noch Hobby-Sportler.“ Deshalb läuft er auch bei der ROC mit. „Das ist für mich die Basis des Laufsports. Jung und Alt zusammen, inmitten vieler Freunde und Bekannte. Das gibt eine große Verbundenheit.“

Während er sich in seiner Profizeit oftmals wie in einem Tunnel fühlte und nur das Siegen im Vordergrund stand, so nimmt er jetzt das Drumherum viel besser war. „Wenn du beim Gaißacher Berglauf oben stehst und dir der Isarwinkel zu Füßen liegt, dann fühlst du die Seele des Laufsports.“ Im Gegensatz dazu sieht er seelenlose Mega-Laufveranstaltungen wie etwa den Berlin-Marathon. „Bei so etwas würde ich nicht mehr mitmachen. Da wird nur den Leuten das Geld aus der Tasche gezogen.“

Eine gewisse Vorliebe hat Daniel Götz mittlerweile für den Berglauf entwickelt. Schon in der Jugend wurde ihm ein gewisses Talent für diese Spezialdisziplin bescheinigt. Es sei ein ganz anderes Erlebnis auf einen Berg hinaufzulaufen, als auf der Bahn stur Runde um Runde zu drehen. „Wenn du völlig ausgepumpt oben auf dem Berg stehst, werden die Probleme im Tal plötzlich unfassbar klein. Für mich eine noch größere Erfüllung.“

Beim Triathlon ist Schwimmen die Problemdisziplin

Zum kommenden Winter rüstet sich der 30-Jährige wieder fürs Langlaufen. „Das bringt als Training brutal viel fürs Laufen.“ Dabei agiert er nebenberuflich auch als Trainer fürs Lehrteam im Bayerischen Skiverband und bietet zudem als privater Personal-Trainer Langlauf-Unterricht für Vereine und Privatpersonen an. Ihn reizt es, durch gezieltes und strukturiertes Training, die eigenen Grenzen zu verschieben. „Es macht mir unheimlich viel Spaß, verschiedene Sportarten zu trainieren und trotzdem beim Laufen schnell zu sein. Da kann ich meine Freiheit voll genießen.“

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Und dann ist da noch die Sache mit dem Triathlon beim TSV Wolfratshausen. „Ein- oder zweimal im Jahr versuche ich mich im Sprint oder über die Olympische Distanz.“ Zu mehr habe er es noch nicht gebracht, wegen der Problemdisziplin Schwimmen: „Ich muss nach dem Schwimmen immer wieder das Feld von hinten aufrollen. Das ist nervig.“ Die Wochenenden von Daniel Götz sind bei all den sportlichen Aktivitäten ziemlich ausgefüllt, „da bleibt nicht mehr viel Zeit für andere Hobbys. Aber das macht nichts, wenn man so wie ich für das Laufen brennt.“

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